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West-Bali-Nationalpark: Die Insel über Wasser

Der West-Bali-Nationalpark an Land: trockene Savanne statt Regenwald, Hirsche, der seltene Balistar und was sich zwischen zwei Tauchtagen wirklich lohnt.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 22. Januar 2025
Trockene Savannenlandschaft im West-Bali-Nationalpark mit Hirschen im Morgenlicht
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Ich bin wegen Menjangan in den Nordwesten gefahren, also wegen der Steilwand unter Wasser. Dass die Insel zu einem Nationalpark gehört, der über Wasser mindestens so eigenartig ist, habe ich erst gemerkt, als ich mich an einem Nicht-Tauchtag ins Auto gesetzt habe.

Der Park in Kurzform

Der Taman Nasional Bali Barat liegt im äußersten Nordwesten der Insel und umfasst rund 190 Quadratkilometer Land- und Meeresfläche. Dazu gehört auch die Insel Menjangan mit ihren Tauchplätzen.

Der Landteil ist keine Regenwald-Postkarte, sondern trockene Savanne mit Monsunwald: kahle Bäume im Januar, hohes gelbes Gras, Dornbüsche, Hügel. Für Wanderungen brauchst du einen Guide vom Parkbüro. Die beste Zeit ist zwischen 6 und 9 Uhr morgens.

Warum es hier so trocken ist

Dasselbe Prinzip, das die Sicht unter Wasser gut macht, macht die Landschaft karg: Regenschatten. Die Zentralberge fangen die Feuchtigkeit ab, im Nordwesten kommt wenig an.

Das Ergebnis ist eine Vegetation, die man auf Bali nicht erwartet. Wer aus Ubud kommt, wo alles trieft, steht hier in einer Landschaft, die eher nach Ostjava oder Nusa Tenggara aussieht als nach der Insel im Reisekatalog. Im Januar, mitten in der Regenzeit, ist es hier vergleichsweise grün. Wer im September kommt, sieht braune Hänge.

Für den Nationalpark ist das kein Mangel, sondern der Grund für seine Existenz: Dieser trockene Monsunwald ist auf Bali extrem selten geworden, und mit ihm die Arten, die darin leben.

Was man sieht

Javaneraffen — überall, besonders an den Tempeln entlang der Küstenstraße. Sie sind an Menschen gewöhnt, was heißt: Sonnenbrille festhalten, Tüten nicht offen tragen, nichts füttern.

Hirsche — die Insel Menjangan heißt nach ihnen (“menjangan” bedeutet Hirsch). Auf dem Festlandteil des Parks stehen sie am Morgen in der offenen Savanne.

Warane — an den Wasserläufen und in Küstennähe, meist auf der Flucht, bevor du die Kamera hebst.

Vögel — das ist die eigentliche Stärke. Der Park ist Balis wichtigstes Vogelgebiet, mit Eisvögeln, Bienenfressern, Adlern, Nashornvögeln.

Und dann der Balistar, auch Bali-Mynah genannt. Ein weißer Vogel mit blauer Augenpartie und schwarzen Flügelspitzen, endemisch auf Bali und in freier Wildbahn eines der seltensten Tiere Indonesiens. Der Bestand war zeitweise auf eine zweistellige Zahl gesunken; ein Auswilderungsprogramm im Park versucht seit Jahren, das zu drehen. Ihn zu sehen ist kein Selbstläufer, aber es ist möglich, und der Guide weiß, wo.

Mein Tipp: Frag am Parkbüro gezielt nach einem Vogel-Guide, nicht nach einem Wander-Guide. Der Unterschied ist erheblich: Der eine zeigt dir den Weg, der andere hört einen Vogel, bevor du ihn siehst.

Wie ein Besuch abläuft

Der Zugang läuft über das Parkbüro, wo Eintritt und Guide organisiert werden. Es gibt mehrere Routenlängen, von kurzen Rundwegen bis zu mehrstündigen Touren. Für die meisten Gäste passt eine Zwei- bis Drei-Stunden-Runde am frühen Morgen.

Was du brauchst:

  • Feste Schuhe. Der Boden ist trocken, staubig und uneben, Flipflops sind eine schlechte Idee.
  • Lange, dünne Kleidung. Wegen Sonne, Dornen und Moskitos.
  • Wasser. Mehr als du denkst, es ist trotz früher Stunde heiß.
  • Fernglas, wenn du Vögel sehen willst. Ohne siehst du grüne Punkte.
  • Sonnenschutz. Die Savanne hat wenig Schatten. Eine rifffreundliche Sonnencreme hast du für die Tauchtage ohnehin dabei, und ein UV-Shirt ist im Park genauso nützlich wie auf dem Boot.

Die Gebühren sind moderat und werden am Büro bar bezahlt. An Wochenenden und Feiertagen gelten teils höhere Sätze.

Der Küstenteil

Neben den Wanderrouten gehört ein Küstenabschnitt mit Mangroven und flachem Wasser zum Park. Der lohnt sich früh am Morgen: Fischer, Reiher, Eisvögel, und mit etwas Glück ein Waran am Ufer.

Von hier legen auch die Boote nach Menjangan ab. Wer die Insel taucht, sieht diesen Teil des Parks also ohnehin — meist um halb acht, im Halbschlaf, mit Blick auf die Ausrüstung statt auf die Mangroven. Es lohnt sich, den Kopf zu heben.

Lohnt sich das?

Als Naturerlebnis ja, als Safari nein. Wer mit der Erwartung großer Tiere kommt, wird enttäuscht: keine Elefanten, keine Raubkatzen, keine Orang-Utans. Der Park ist ein Vogel- und Landschaftsziel.

Was ihn wertvoll macht, ist die Kombination. Man taucht an einer Wand, die zu diesem Schutzgebiet gehört, und sieht am nächsten Tag, warum das Wasser dort so klar ist: weil an dieser Küste nichts abgeholzt, bebaut und in Flüsse gespült wird. Der Zusammenhang zwischen Landschutz und Sichtweite wird selten so anschaulich.

Und praktisch: Ein Wandertag zwischen zwei Tauchtagen ist ohnehin sinnvoll. Nach vier, fünf Tagen mit mehreren Tauchgängen taucht man schlechter, nicht besser.

Was ich dir empfehle: einen frühen Morgen im Park, einen Guide mit Vogelblick, danach zurück und mittags an den Strand. Andere Ausflugsideen an Land stehen im Beitrag über Ausflüge zwischen den Tauchgängen.

Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man zum Nationalpark? Von Pemuteran aus mit Roller, Taxi oder Fahrer in etwa 30 bis 45 Minuten nach Westen entlang der Küstenstraße. Der Weg ist gut ausgeschildert.

Kann man im Park übernachten? Innerhalb des Kerngebiets nicht als normaler Gast. Unterkünfte gibt es am Rand des Parks und in Pemuteran, was ohnehin die praktischere Basis ist.

Ist der Park auch für Kinder geeignet? Für die kurzen Routen ja. Die längeren Wanderungen sind heiß und eintönig für kleine Kinder. Ein Boots-Ausflug in den Mangrovenbereich funktioniert meist besser.

Sieht man auf Menjangan selbst auch Hirsche? Gelegentlich, die Insel ist nach ihnen benannt. Verlässlich ist es nicht, und die meisten Tauchtouren gehen ohnehin nicht an Land.

Wie hängt der Park mit dem Tauchen zusammen? Direkt: Die Tauchplätze rund um Menjangan liegen im Meeresteil des Parks. Daraus folgen die separate Parkgebühr sowie Anker- und Fangverbote, denen das Riff seinen guten Zustand verdankt. Details im Beitrag zu Menjangan.

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