Pemuteran: Wie es sich anfühlt, dort zu wohnen
Pemuteran abseits der Tauchbasis: ein Fischerdorf an der trockenen Nordküste Balis, in dem um zehn das Licht ausgeht. Eindrücke, Tagesrhythmus und was überrascht.
Wer nur zum Tauchen kommt, sieht von Pemuteran drei Dinge: die Basis, das Boot und das Bett. Ich war lange genug da, um zu merken, dass der Ort selbst der eigentliche Unterschied zu jedem anderen Tauchziel ist, an dem ich war. Nach fünfzehn Jahren Koh Tao mit seinen Sairee-Beach-Bars war das eine ziemliche Umstellung.
Pemuteran in einem Absatz
Pemuteran ist ein Fischerdorf an der Nordwestküste Balis, im Regierungsbezirk Buleleng, das sich über wenige Kilometer entlang der Küstenstraße zieht. Es gibt eine Hauptstraße, ein paar Seitenwege zum Strand, eine Handvoll Tauchbasen, Warungs und Resorts.
Was es nicht gibt: Nachtleben, Verkehr, Hektik, Straßenbeleuchtung außerhalb der Ortsmitte. Die Küchen schließen gegen 21:30 Uhr. Wer damit ein Problem hat, sollte woanders tauchen.
Die trockene Seite von Bali
Das Erste, was mich überrascht hat, war die Landschaft. Bali ist im Kopf grün: Reisterrassen, Regenwald, Wasserfälle. Der Nordwesten ist das nicht.
Pemuteran liegt im Regenschatten der Zentralberge. Die Wolken laden ihr Wasser im Süden und im Hochland ab, hier kommt ein Bruchteil davon an. Das Ergebnis sieht aus wie eine andere Insel: trockene Hänge, Dornbüsche, Bäume, die im Januar halb kahl stehen, staubige Wege. Zwischen den Hügeln stehen Kakteen. Kakteen, auf Bali.
Für Taucher ist das ein Geschenk, auch wenn es erst mal seltsam aussieht. Wenig Regen heißt wenig Süßwasser mit Sediment im Meer, und genau deswegen ist die Sicht hier im Januar besser als an den grünen Küsten des Südens. Die Landschaft, die karg wirkt, ist der Grund für das klare Wasser vor der Tür.
Der Tagesrhythmus
Ein Tag in Pemuteran hat eine feste Form, und man fällt schneller hinein, als man denkt.
Fünf Uhr: Die Hähne fangen an. Nicht einer, sondern alle gleichzeitig, im ganzen Tal. Wer hier Ohrstöpsel dabei hat, ist im Vorteil.
Sechs bis sieben: Der Ort ist wach. Am Strand werden die Auslegerboote klargemacht, auf der Straße fahren die ersten Roller, in den Höfen wird gefegt. Die Frauen legen die morgendlichen Opfergaben aus, kleine geflochtene Blattschalen mit Reis, Blüten und einem Räucherstäbchen, vor Läden, Türen und auf Motorrädern. Man lernt schnell, nicht draufzutreten.
Acht bis fünfzehn: Tauchzeit. Der Ort ist in dieser Phase erstaunlich leer.
Sechzehn bis achtzehn: Die produktivste Stunde des Tages. Es kühlt ab, die Kinder sind auf der Straße, am Strand wird Fußball gespielt, die Boote kommen zurück. Wer nur taucht und dann im Zimmer verschwindet, verpasst genau das.
Ab zwanzig Uhr: Es wird ruhig. Ab zweiundzwanzig Uhr ist der Ort dunkel und still.
Mein Tipp: Nimm dir mindestens einen Nachmittag ohne Tauchgang. Nicht für ein Programm, sondern um an der Straße zu sitzen und zu schauen. Der Ort erklärt sich nicht in der Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen.
Was sich anders anfühlt als in Thailand
Der Vergleich drängt sich auf, wenn man aus dem Golf von Thailand kommt.
Kein Backpacker-Ökosystem. Auf Koh Tao ist die halbe Insel auf junge Reisende ausgelegt: Hostels, Bars, Tattoo-Studios, Pancake-Stände. In Pemuteran gibt es das nicht, weil die Anreise zu lang und der Ort zu klein ist. Die Gäste sind eher Paare, Familien und Taucher mittleren Alters, die zwei Wochen bleiben.
Der Tourismus ist Zusatz, nicht Grundlage. Das Dorf funktioniert auch ohne Gäste. Es wird gefischt, Landwirtschaft betrieben, gebaut. Auf Koh Tao ist praktisch jeder Job irgendwie mit Tauchen verbunden; hier ist die Tauchbranche einer von mehreren Zweigen.
Religion ist sichtbar, ständig. Opfergaben, Tempelanlagen in jedem Grundstück, Prozessionen, Gamelan-Musik aus dem Nichts. Auf Bali ist das kein Kulturprogramm für Gäste, sondern Alltag, der nebenher läuft.
Es ist dunkel. Wirklich dunkel. Außerhalb der Ortsmitte gibt es keine Straßenbeleuchtung, und wenn du abends vom Warung zurückläufst, brauchst du Licht. Ich habe die Tauchlampe benutzt, was funktioniert, aber unpraktisch ist. Wer schlau ist, hat eine kleine Stirn- oder Taschenlampe im Gepäck, die nichts wiegt und abends jeden Weg löst.
Was im Ort ist
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, das ist der Rahmen, in dem man sich bewegt:
- Warungs entlang der Hauptstraße, familiengeführt, einfache Räume, sehr gutes Essen
- Resort-Restaurants am Strand, teurer, ruhiger, mit Meerblick
- Ein paar Läden für Wasser, Snacks, Sonnencreme, SIM-Karten
- Tauchbasen, teils eigenständig, teils an Resorts angeschlossen
- Der Strand, dunkler Sand, flach abfallend, mit den Booten der Fischer
- Tempel, sowohl im Ort als auch der bekannte Küstentempel einige Kilometer östlich, bei dem eine große Makakengruppe lebt
Kein Geldautomat an jeder Ecke, keine Kette, kein Supermarkt im westlichen Sinn. Bargeld solltest du mitbringen oder im nächsten größeren Ort ziehen.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Länger bleiben oder gar nicht kommen. Die Anreise von Denpasar dauert drei bis vier Stunden. Für zwei Nächte lohnt sich das nicht. Ab fünf, sechs Nächten kippt es, und man kommt in den Rhythmus des Orts.
Früher aufstehen. Die schönste Zeit ist zwischen sechs und acht, wenn es kühl ist, die Boote rausfahren und das Licht flach über die Bucht kommt. Ich habe die erste Woche verschlafen, weil ich im Koh-Tao-Modus war und dachte, der Tag beginnt mit dem Bootsbriefing.
Packwürfel benutzen. Klingt banal, aber bei zwei Standorten mit Umzug dazwischen und feuchter Tauchausrüstung im selben Koffer war das der Unterschied zwischen Ordnung und Chaos. Ich nutze Kompressions-Packwürfel, seit ich zweimal an derselben Stelle nach demselben T-Shirt gesucht habe.
Was ich dir empfehle: Plan Pemuteran nicht als Tauchstopp, sondern als Ort. Die Riffe sind gut, aber sie sind nicht der Grund, warum ich wiederkommen würde. Wie es beim Essen aussieht, steht im Beitrag über die Warungs, und was den Umgang mit den Leuten angeht, im Beitrag über Begegnungen in Nordbali.
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt man ohne eigenes Fahrzeug zurecht? Gut, solange du in der Ortsmitte wohnst. Die Basen holen Gäste meist ab, die Warungs sind zu Fuß erreichbar. Für alles darüber hinaus gibt es Roller zu mieten und Fahrer, die dich für einen vereinbarten Preis fahren.
Gibt es WLAN und Mobilfunk? Ja, in den Unterkünften meist stabil genug für Nachrichten und Streaming, gelegentlich mit Ausfällen. Mobilfunk funktioniert im Ort zuverlässig, in den Hügeln dahinter nicht überall.
Wie ist das Wetter im Januar? Warm, feucht, mit kurzen heftigen Regengüssen, meist nachmittags. Deutlich trockener als der Süden Balis. Die Details zur Tauchsaison stehen im Beitrag zum Tauchen in Pemuteran.
Lohnt sich Pemuteran für Nichttaucher? Eingeschränkt. Schnorcheln am Biorock-Feld, der Nationalpark, Wasserfälle und heiße Quellen im Umland, viel Ruhe. Wer Programm und Abwechslung braucht, wird den Ort nach drei Tagen leer finden.
Sollte ich vorher Indonesisch lernen? Ein paar Wörter reichen und öffnen erstaunlich viel. Englisch funktioniert überall dort, wo Tourismus stattfindet, aber schon ein „selamat pagi” verändert die Begegnung.