Three Rocks Koh Tao: Makro-Geheimtipp im Südwesten
Three Rocks Koh Tao: Seepferdchen, Nacktschnecken & Rotfeuerfische an einem der ruhigsten Makro-Spots der Insel. Tipps für Tauchgang & Fotografie.
Wer auf Koh Tao ausschließlich Hammerhaie und Walhaie jagt, übersieht einen der schönsten Spots der Insel fast zwangsläufig. Three Rocks liegt diskret vor der Südwestküste und trägt einen denkbar schlichten Namen. Auf keinem Tauchspot-Radar der Insel steht er weit oben. Zu Unrecht, finde ich. Wer langsam genug taucht, wird hier mit einem Makro-Kosmos belohnt, den man beim schnellen Vorbeischwimmen komplett verpasst.
Was ist Three Rocks — Kurzantwort
Three Rocks ist ein Tauchspot vor der Südwestküste Koh Taos, benannt nach drei markanten Granitfelsformationen, die aus dem sandigen Meeresboden aufsteigen. Der Spot reicht von 8 bis 18 m Tiefe und hat keine nennenswerte Strömung. Ab PADI Open Water Diver ist er für alle Zertifizierungsstufen geeignet. Das Besondere sitzt im Kleinen. Zwischen Seegraswiesen, Felsspalten und locker verteilten Korallenstöcken lebt eine dichte Makrofauna aus Seepferdchen, Nacktschnecken, Rotfeuerfischen und Schrotflintenkrebsen, in einer Dichte, die ich an vergleichbar zugänglichen Spots selten gesehen habe.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Tiefe | 8–18 m |
| Sichtweite | 10–20 m (saisonabhängig) |
| Wassertemperatur | 28–30 °C |
| Strömung | keine bis minimal |
| Level | Open Water aufwärts |
| Besonderheit | Seepferdchen, Nacktschnecken, Nachttauchen |
Lage und Anfahrt
Three Rocks befindet sich an der Südwestküste Koh Taos, ungefähr 800 m nördlich von Shark Island. Von den Hauptpiers in Sairee Beach oder Mae Haad sind es mit dem Tauchboot 10 bis 15 Minuten, je nach Bootstyp und Wellengang. Angesteuert wird der Spot seltener als die Klassiker im Norden oder Osten der Insel. Genau das macht ihn so ruhig.
Die meisten Tauchschulen binden Three Rocks in Kombi-Fahrten mit Shark Island ein: Shark Island als erster Tauchgang mit mehr Strömung und Riffstruktur, Three Rocks danach als entspannter Makro-Tauchgang mit kürzerem Sicherheitsstopp. Diese Reihenfolge hat einen praktischen Grund. Nach dem zweiten Tauchgang bewegen sich die meisten Taucher von selbst ruhiger.
Insider: Wer Three Rocks früh morgens ansteuert (erster Tauchgang ab 07:30 Uhr), hat den Spot oft komplett für sich. Um 09:00 Uhr liegen dort manchmal drei Boote gleichzeitig. Und die Seepferdchen verschwinden bei zu viel Unterwasserlärm schnell in tieferes Terrain.
Tierwelt — was du wirklich siehst
Große Tiere erwartet hier niemand. Wer das akzeptiert und sein Tempo drosselt, sieht dafür eine Kleintier-Dichte, die man vom schnellen Riffwandern schlicht nicht kennt.
Nacktschnecken sind das erste Argument für einen Besuch. An den Granitfelsen und auf dem sandigen Grund darunter leben mehrere Arten gleichzeitig: Chromodoris annae mit ihrem blauweißen Streifenmuster taucht regelmäßig auf, ebenso verschiedene Phyllidia-Arten mit ihren charakteristischen Warzen. Wer in einer 60-Minuten-Session weniger als fünf Arten sieht, ist zu schnell getaucht. Mehr über die häufigsten Arten der Region erkläre ich im Nacktschnecken-Guide für Koh Tao.
Seepferdchen sind der Hauptgrund, warum viele Taucher Three Rocks immer wieder anfragen. In den Seegraswiesen bei 8 bis 12 m Tiefe leben Hippocampus kuda (das Gelbe Seepferdchen) und Hippocampus spinosissimus (das Dornige Seepferdchen) in kleinen Gruppen. Die Population ist stabil. An keinem anderen Spot auf Koh Tao habe ich so verlässlich Seepferdchen gesehen wie hier. Details zur Biologie und zum besten Beobachtungsverhalten liest du im Seepferdchen-Guide für Koh Tao.
Rotfeuerfische (Pterois volitans) halten sich tagsüber in Felsspalten und unter Überhängen auf, oft so reglos, dass man sie beim ersten Vorbeitauchen glatt übersieht. Abends werden sie aktiv und jagen vor den Felsen. Beim Nachttauchgang schweben sie frei durchs Wasser, Flossenspitzen weit gespreizt. Tagsüber Möbelstück, nachts Jäger.
Schrotflintenkrebse (Alpheidae, auch Knallkrebse genannt) hört man eher, als dass man sie sieht. Das charakteristische Knacken ist an Three Rocks überall präsent. Wenn ein Guide auf eine bestimmte Felsspalte zeigt, lohnt sich genaues Hinschauen: Die Krebse teilen ihren Bau oft mit Grundeln, die als Wächter fungieren.
Gartenale findet man auf sandigen Freiflächen zwischen den Felsen. Dutzende dieser schlanken Tiere strecken sich aus dem Sand und ziehen sich sofort zurück, wenn man sich zu schnell annähert. Langsam auf Kniehöhe absinken, mindestens zwei Meter Abstand halten, warten. Dann kommen sie wieder.
Makrofotografie an Three Rocks
Three Rocks ist einer der besten Makrofoto-Spots auf Koh Tao. Keine Strömung, wenig Besucher, und die Tierwelt sitzt nicht drei Meter entfernt in einem Riffabbruch, sondern auf Augenhöhe auf sandigen Flächen. Selten wirbelt jemand Sediment auf, und das merkt man im Bild.
Für Makrofotografie an Three Rocks empfehle ich zwei Kamerasysteme, je nach Budget:
Die OM System TG-7 ist auf Koh Tao die meistgenutzte Makrokamera unter Gelegenheitstauchern. Sie ist bis 15 m wasserdicht, hat einen ausgezeichneten Makromodus und passt in jede Tauchausrüstungs-Tasche. Wer tiefer als 15 m taucht oder ernsteres Rauschen in den Schatten vermeiden will, nimmt die TG-7 im OM System PT-059-Gehäuse, das bis 45 m wasserdicht ist und optionale Makrolinsen-Vorsätze aufnimmt. Dieses Duo ist an Three Rocks der Standard unter Fotoenthusiasten. Mehr Kamera braucht hier kaum jemand.
Für ernsthafte Unterwasserfotografie mit Spiegelreflexkamera oder Systemkamera braucht man entsprechend größeres Gepäck. Ob sich das für Two-Tank-Trips vom Sairee Beach aus lohnt, muss jeder selbst beurteilen. Mehr Ausrüstungstipps speziell für Koh-Tao-Bedingungen habe ich im Makrofotografie-Guide für Koh Tao zusammengefasst.
Mein Tipp: Selbst wenn du keine eigene Kamera hast, lohnt sich eine Tauchlampe. Die Wurkkos DL10R mit 4.500 Lumen bringt die Farben in Felsspalten zum Leuchten und lässt dich Nacktschnecken sehen, die im Tageslicht schlicht blass wirken. An Three Rocks trage ich sie bei jedem Tauchgang. Auch ohne Kamera.
Beim Fotografieren gilt eine Regel, die ich jedem Guide-Assistenten in meinen ersten Koh-Tao-Jahren beigebracht habe: Seepferdchen niemals mit dem Licht direkt anblasen. Sie sind lichtempfindlich und reagieren auf plötzliche Helligkeit mit Flucht. Seitlich einleuchten, kurz warten, dann fotografieren.
Beste Reisezeit und Bedingungen
Three Rocks funktioniert das ganze Jahr. Die Hauptsaison von Dezember bis April bringt die besten Sichtweiten, an klaren Tagen bis zu 20 m. Das Wasser ist ruhig, und die Bootsfahrten von Sairee dauern kaum 10 Minuten. Die Wassertemperatur liegt dann bei 28–29 °C, in einzelnen Jahren sinkt sie im Januar und Februar auf 26–27 °C in tieferen Lagen.
Von Mai bis Oktober bleibt Three Rocks gut tauchbar, auch wenn die Sichtweite auf 10–15 m zurückgehen kann. Der Ostmonsun bringt gelegentlich Wellengang auf die Westseite, was Bootsfahrten manchmal etwas rauer macht. Unter Wasser bleibt es trotzdem meist ruhig.
Die Seepferdchen-Population zeigt keine starke saisonale Schwankung. Zwischen Mai und September habe ich die Tiere allerdings häufiger in flacheren Bereichen gesehen, möglicherweise weil weniger Boote ankern und sie sich weiter in offenes Gelände trauen.
An Three Rocks reicht ein 2,5–3 mm Shorty. Alles Dickere ist bei 28–30 °C Quälerei, selbst wenn man 60 Minuten taucht. Der Cressi Shorty für Warmwasser ist mein Standard auf Koh Tao: leicht, enganliegend genug, dass man keine Luft staut, und auch für drei Tauchgänge täglich gut tragbar. Wer kälteempfindlich ist, nimmt einen 3 mm Ganzanzug. 5 mm oder mehr braucht hier wirklich niemand.
Insider: An Tagen mit Ostwind ist Three Rocks auf der Westseite Koh Taos oft der ruhigste Spot der Insel. Bleiben alle anderen Boote im Hafen, tauchst du ihn mit etwas Glück fast allein.
Häufig gestellte Fragen
Ist Three Rocks auf Koh Tao für Anfänger geeignet?
Ja, Three Rocks ist mit einer maximalen Tiefe von 18 m und keinerlei Strömung ideal für Open-Water-Taucher. Der flache Bereich bei 8–12 m ist auch für frisch Zertifizierte gut tauchbar, und die ruhigen Bedingungen erlauben es, die Tarierung in Ruhe zu üben.
Wann sieht man Seepferdchen an Three Rocks?
Seepferdchen tummeln sich in den Seegraswiesen bei 8–12 m Tiefe, am häufigsten morgens zwischen 07:00 und 09:00 Uhr. Besonders hoch sind die Chancen von Mai bis September, wenn der Spot seltener besucht wird und die Tiere sich in offenerem Gelände aufhalten.
Was unterscheidet Three Rocks von Shark Island?
Shark Island liegt nur wenige Hundert Meter entfernt und hat mehr Hartkorallen und deutlich mehr Bootsverkehr. Three Rocks ist kleiner und ruhiger. Wer Zeit und Stille für Fotografie braucht und nicht zwischen zwanzig anderen Tauchern durch ein Riff navigieren will, ist hier richtig.
Brauche ich einen eigenen Makro-Guide an Three Rocks?
Für den ersten Besuch empfiehlt sich ein erfahrener Guide. Sie finden Kleintiere (insbesondere Seepferdchen und gut getarnte Nacktschnecken), die man als Neuling leicht übersieht, und kennen die aktuellen Verstecke. Nach ein bis zwei geführten Tauchgängen kann man den Spot gut eigenständig erkunden.
Kann ich an Three Rocks Nachttauchen?
Ja, Nachttauchgänge lohnen sich: Gartenale verlassen ihre Röhren und sind einfacher zu beobachten, Kraken und Tintenfische werden aktiv, und die Rotfeuerfische jagen offen vor den Felsen. Ein leistungsstarkes Tauchlicht ist Pflicht.
Was ich dir empfehle: Plane Three Rocks für den zweiten Tauchgang eines Tages ein, wenn du schon etwas ruhiger und kontrollierter im Wasser bist. Bring eine Makrolinse oder zumindest eine gute Lampe mit. Und sag deinem Guide vor dem Tauchgang explizit, dass du Seepferdchen sehen willst, dann führt er entsprechend langsam. Wer das macht, verlässt Three Rocks selten enttäuscht.