Tauchspots 8 Min. Lesezeit

Junkyard Reef Koh Tao: Fitnessgeräte & Riff

Das Junkyard Reef vor Sairee Beach liegt in 8–12 m Tiefe und beherbergt Froschfische, Nudibranchs und versunkene Toilettenschüsseln. Alles zum Makro-Spot.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 6. August 2026
Bunte Weichkorallen auf versenktem Fitnessgerät am Junkyard Reef Koh Tao
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Wenn du auf Koh Tao von einem Tauchspot hörst, an dem Fitnessgeräte, Toilettenschüsseln und Waschbecken auf dem Meeresgrund liegen, klingt das erst mal nach einem schlechten Scherz. Das Junkyard Reef — auf Deutsch in etwa „Schrottplatz-Riff” — ist keiner. Ich bin dort in den letzten Jahren weit über 50 Mal ins Wasser gegangen, und jedes Mal finde ich etwas, das ich vorher nicht gesehen habe. Wer Makrofotografie liebt oder einfach versteht, wie künstliche Riffe funktionieren, erkennt schnell: Hier steckt mehr dahinter als der kuriose Name vermuten lässt.

Was ist das Junkyard Reef auf Koh Tao?

Das Junkyard Reef ist ein absichtlich versenktes künstliches Riff vor Sairee Beach auf einer Tiefe von 8–12 Metern, rund 100–200 Meter vom Ufer entfernt. Ausrangiertes Altmetall, Fitnessgeräte, Toilettenschüsseln und Skulpturen bilden das Substrat, auf dem sich in den vergangenen Jahren Weichkorallen, Schwämme und eine dichte Makrofauna angesiedelt haben. Der Spot ist ganzjährig tauchbar, nahezu strömungslos und gilt heute als einer der besten Makro-Tauchplätze der Insel — und das bei einer Wassertemperatur, die das ganze Jahr zwischen 28 und 30 °C liegt.

Wie das Junkyard Reef entstand — und warum Schrott das Riff rettet

Koh Taos natürliche Riffe stehen unter Druck. Ankerabrieb, zu viele Taucher an denselben Spots und Korallenbleiche durch erhöhte Wassertemperaturen haben dem Ökosystem zugesetzt. Die Zahlen aus dem Reef Check Thailand-Programm belegen seit Jahren einen Rückgang lebendiger Korallenbedeckung in flachen Riffen des Golfs von Thailand.

Ab etwa 2010 begannen lokale Tauchschulen auf Koh Tao, einen anderen Weg auszuprobieren: Statt die natürlichen Riffe weiter zu belasten, versenkten sie ausrangierte Objekte kontrolliert im Sand vor Sairee Beach. Das Metall und die Betonteile funktionieren als Siedlungssubstrat — eine harte Oberfläche, an der sich Korallen-Larven festsetzen können. Weichkorallen wachsen auf Koh Tao vergleichsweise schnell; binnen weniger Jahre waren die ersten Objekte vollständig bewachsen.

Das Prinzip kennt man vom Versenken von Kriegsschiffen — hier funktioniert es mit Alltagsgegenständen und in kleinem Maßstab. Für die Umweltbilanz auf Koh Tao rechnet sich das: Tauchgänge verteilen sich besser über die Insel, und empfindliche Naturkorallen werden entlastet. Mehr zu den aktiven Restaurierungsprojekten auf der Insel findest du im Post über Korallenrestaurierung auf Koh Tao.

Was du am Junkyard Reef siehst

Die Makro-Stars des Spots

Das Junkyard Reef gehört zu den Spots, an denen Geduld direkt belohnt wird. Die Nudibranchs — Nacktschnecken — sind dabei meine persönlichen Favoriten. Koh Tao beherbergt über 40 dokumentierte Nudibranch-Arten, und das Junkyard Reef ist einer der verlässlichsten Spots auf der Insel, um seltene Exemplare zu finden. Ich habe dort schon Chromodoris-Arten in leuchtendem Blau gesehen, die ich an den natürlichen Riffen in Jahren nicht entdeckt hatte.

Harlekin-Garnelen sind ein weiteres Highlight — kleine, auffällig gemusterte Tiere, die sich unter Metallplatten und in Hohlräumen zwischen den versenkten Objekten verstecken. Froschfische (Anglerfische) sitzen bewegungslos auf Schwämmen und sind selbst aus 50 cm Abstand kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden; ich habe dort schon mehrere verschiedene Farbmorphen an einem einzigen Tauchgang gezählt. Gespensterpfeifenfische tauchen vor allem in der Nähe von Seegras und losen Strukturen auf. Unscheinbar, bis man plötzlich begreift, was man da vor sich hat.

Die Objekte selbst

Ein Crosstrainer, auf dem Weichkorallen wachsen. Hanteln, die zu Korallensockeln geworden sind. Toilettenschüsseln, aus denen Schwämme sprießen. Das ist so absurd wie es klingt — und genau das macht den Spot so eigentümlich. Die Natur hat die Objekte inzwischen vollständig in Besitz genommen. Viele Taucher, die ich zum ersten Mal dort hingeführt habe, mussten lachen, als sie den Crosstrainer erkannten. Kurz danach kam die Bewunderung.

Zwischen den Fitnessgeräten und Sanitärobjekten stehen auch Metallskulpturen, die von lokalen Künstlern und Tauchschulen eigens für den Spot gefertigt wurden. Sie geben dem Junkyard Reef einen dritten Charakter neben Kuriositätenkabinett und Naturschutzprojekt.

Was gelegentlich vorbeischwimmt

Trotz der geringen Tiefe gibt es hier echte Überraschungen. Igelfische hängen oft träge zwischen den Strukturen; aufgeblasen haben sie einen Durchmesser von bis zu 40 cm und sind dann kaum zu verfehlen. Kraken schauen aus Spalten heraus, wenn man ruhig genug wartet. Fledermausfische sind kein täglicher Anblick, aber regelmäßige Bewohner des Spots — mit ihrem flachen Körper und den flügelartigen Flossen eine der ungewöhnlichsten Silhouetten, die mir im Golf von Thailand begegnet sind.

Mein Tipp: Setz dich mal auf den Sand, atme ruhig und warte drei Minuten. Das Junkyard Reef lebt in Zeitlupe — wer sich bewegt, sieht weniger als wer wartet.

Junkyard Reef tauchen — Planung, Tiefe und Bedingungen

MerkmalDetails
Tiefe8–12 m
Strömungkeine / minimal
Sichtweite5–15 m (morgens am besten)
Wassertemperatur28–30 °C (Dez–Feb 26–27 °C)
ZertifizierungOpen Water (und aufwärts)
Beste Tageszeit07:00–09:00 Uhr
Entfernung vom Ufer100–200 m vor Sairee Beach

Die Einstiegsdaten sind unkompliziert: 8–12 m Tiefe, keine nennenswerte Strömung, keine Drift. Die Sichtweite schwankt je nach Tageszeit und Wetterlage zwischen 5 und 15 m, wobei morgens die besten Chancen auf Fernsicht bestehen — das Sediment ist noch nicht aufgewühlt, und der Bootsverkehr vor Sairee Beach hat noch nicht begonnen.

Die Wassertemperatur liegt ganzjährig bei 28–30 °C; in den kühleren Monaten Dezember bis Februar kann sie kurzfristig auf 26–27 °C sinken. Für diese Bedingungen reicht ein 3-mm-Shorty wie der Cressi Med X vollkommen aus — alles Dickeres ist bei diesen Temperaturen im flachen Wasser schlicht unangenehm warm.

Für wen der Spot geeignet ist: das Junkyard Reef gehört zu den sanftesten Tauchplätzen auf Koh Tao. Viele Tauchschulen — Ban’s Diving, Crystal Dive, New Heaven und andere — nutzen ihn als Checkout-Dive für frisch zertifizierte Open-Water-Taucher. Das passt gut: Wer gerade seinen ersten Kurs abgeschlossen hat und in einem kontrollierten Umfeld seine Auftriebskontrolle üben möchte, findet hier ideale Bedingungen. Wer auf der Insel seinen Kurs machen will, findet alle Infos im Post über den Open-Water-Kurs auf Koh Tao.

Erfahrene Makro-Fotografen kommen gerade wegen der geringen Tiefe immer wieder zurück. Längere Grundzeiten bedeuten mehr Zeit mit den Tieren, und ohne Dekompressionsstress kannst du eine Stunde und länger in 10 m verbringen.

Makrofotografie am Junkyard Reef

Kamera-Empfehlungen

Das Junkyard Reef ist einer der wenigen Spots auf Koh Tao, an dem du ohne eigenes Unterwasserkamera-Setup echtes Bedauern nach Hause trägst. Der OM System Tough TG-7 ist meine Standardempfehlung für alle, die noch keine eigene Unterwasserausrüstung haben. Tauchsicher bis 15 m ohne Gehäuse, Makro-Modus mit bis zu 1 cm Fokusabstand und ein Rohformat-Output, der in der Nachbearbeitung echten Spielraum lässt. Mit dem passenden OM System PT-059 Unterwassergehäuse erweiterst du die Tauchtiefe auf bis zu 45 m und gewinnst die Möglichkeit, externe Blitzgeräte anzuschließen — ein spürbarer Qualitätssprung für ernsthafte Makroaufnahmen.

Licht ist entscheidend

In 10 m Tiefe kommt noch ausreichend natürliches Licht an, aber die Farben beginnen bereits zu verblassen. Rot verschwindet zuerst, dann Orange. Wer satte, naturgetreue Farben auf Fotos haben will, braucht eine eigene Lichtquelle. Die Wurkkos DL10R Tauchlampe mit 4.500 Lumen bringt die Nudibranchs und Weichkorallen auf dem Bildschirm zum Leuchten — ich verwende sie seit über einem Jahr und würde sie nicht tauschen. Für saubere, erschütterungsfreie Aufnahmen lohnt sich außerdem ein stabiler Nitescuba NS10 Kameragriff, der die Lampe fest in Position hält, ohne dass du beim Auslösen das gesamte Setup verwackelst.

Verhalten unter Wasser

Am Junkyard Reef gibt es eine Regel, die alles andere überschreibt: kein Sediment aufwirbeln. Der Boden rund um die Strukturen ist feiner Sand, der bei jeder unkontrollierten Bewegung für zehn Minuten die gesamte Sicht zerstört — deine und die aller anderen, die gleichzeitig tauchen. Neutral auftarieren, bevor du ein Tier fotografierst. Flossen weg vom Boden halten. Nie eine Struktur anfassen, um dich zu stabilisieren — Weichkorallen sind fragil, und Harlekin-Garnelen verlassen ihren Platz für Stunden, wenn sie gestört werden.

Halte außerdem mindestens 30 cm Abstand von Nudibranchs und Froschfischen. Diese Tiere sind langsam und haben keine effektive Fluchtreaktion — Stress durch zu nahen Kontakt schadet ihnen, auch wenn du es nicht bemerkt.

Insider: Froschfische wechseln ihre Farbe über Wochen hinweg an die Farbe des Schwamms, auf dem sie sitzen. Schau beim nächsten Tauchgang nach demselben Objekt — und stell dich auf eine andere Farbe ein.

Wer tiefer in die Unterwasserfotografie einsteigen will, findet im Post über Makrofotografie auf Koh Tao eine vollständige Ausrüstungsübersicht mit konkreten Kamera-Setups für jeden Budgetrahmen.

Fazit: Was ich dir empfehle

Das Junkyard Reef hat keine dramatischen Momente. Kein Haifisch zieht vorbei, kein Wrack zum Durchschwimmen. Was es hat, ist Dichte: mehr Makroleben auf engem Raum als an den meisten anderen Spots der Insel, und eine Mischung aus Kuriosität und echtem Naturschutzgedanken, die ich auf Koh Tao so nirgendwo sonst gesehen habe.

Plane einen frühen Tauchgang zwischen 7 und 9 Uhr, nimm eine Lampe mit, und gib dir mindestens 60 Minuten. Schau langsam. Hier lohnt sich Geduld mehr als jede durchgetaktete Runde. Wer Koh Taos gesamte Vielfalt kennenlernen will, findet in der Übersicht der besten Tauchspots auf Koh Tao einen guten Ausgangspunkt für die weitere Routenplanung.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich eine Genehmigung für das Junkyard Reef? Nein. Der Spot liegt in den allgemeinen Tauchgewässern rund um Koh Tao und ist ohne Sondergenehmigung zugänglich — weder als Taucher mit Tauchschule noch als zertifizierter Independent-Diver.

Welche Tauchschule bietet Tauchgänge hier an? Fast alle größeren Tauchbasen auf der Insel: Ban’s Diving Resort, Crystal Dive, New Heaven Dive School und Big Blue Diving fahren regelmäßig dorthin. Der Spot wird oft als Checkout-Dive für Open-Water-Kurse genutzt und taucht in den Fun-Dive-Programmen vieler Schulen auf.

Ist das Junkyard Reef auch für Schnorchler geeignet? Eingeschränkt. Die flachsten Objekte liegen in etwa 8 m Tiefe, der Großteil liegt tiefer. An ruhigen Tagen mit guter Sicht lässt sich ein Teil der Strukturen von der Oberfläche erahnen, aber das eigentliche Makroleben erschließt sich nur beim Tauchen.

Was unterscheidet das Junkyard Reef vom HTMS Sattakut-Wrack? Das HTMS Sattakut ist ein 55 m langes Kriegsschiff in 18–30 m Tiefe — ein Spot für erfahrene Taucher mit Wrackzertifizierung. Das Junkyard Reef liegt deutlich flacher, hat keine Strömung und ist für Open-Water-Taucher ohne Vorkenntnisse geeignet. Dafür fehlt die Penetrations-Erfahrung und die dramatische Größe des Wracks.

Wann ist die beste Tageszeit für Makrofotografie? Zwischen 7 und 9 Uhr morgens: minimaler Bootsverkehr, ruhiges Wasser, Sichtweiten bis 15 m. Nachmittags nimmt der Verkehr vor Sairee Beach spürbar zu, und das Sediment ist nach dem ersten Tauchgangbetrieb bereits aufgewühlt — Sichtweiten von 5–8 m sind dann realistisch.

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