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Putzerlippfisch auf Koh Tao: Putzerstationen entdecken

Riff-Symbiose hautnah: Finde die Putzerstationen des Bluestreak Cleaner Wrasse auf Koh Tao, mit Spot-Tipps, Foto-Guide und FAQ.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 2. September 2026
Bluestreak Cleaner Wrasse an einer Putzstation am Korallenriff von Koh Tao
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White Rock, 12 Meter Tiefe, angenehme Strömung. Ein Zackenbarsch steht reglos neben einem Korallenstock. Ungewöhnlich passiv für ein Tier, das sonst immer gerne den Bereich wechselt. Ich treibe näher, halte die Luft an. Dann sehe ich es: Ein schlankes, kaum fingerlanges Tier läuft über die Flanke des Zackenbarsches, stochert mit dem Maul in den Kiemenspalten, tanzt kurz zurück. Blau, dunkel, leuchtend gestreift. Ein Putzerlippfisch bei der Arbeit, Labroides dimidiatus, der Bluestreak Cleaner Wrasse.

Für mich ist das immer noch einer der befriedigendsten Anblicke auf Koh Tao. Nicht weil er selten wäre, sondern weil er zeigt, wie viel in diesem Riff gerade gleichzeitig passiert, und wie wenig man davon sieht, wenn man einfach nur durchtaucht.

Was ist ein Putzerlippfisch, und wo findet man ihn auf Koh Tao?

Der Bluestreak Cleaner Wrasse (Labroides dimidiatus) ist ein bis 14 cm langer Lippfisch, der sich auf die Reinigung anderer Fische spezialisiert hat. Er lebt an festen Putzstationen im Riff (ein bestimmter Korallenstock, ein Überhang, eine Riffkuppe) und empfängt dort Kunden wie ein Betrieb auf Bestellung. Die Erkennungsmerkmale sind eindeutig: ein dunkler, fast schwarzblauer Körper mit einem leuchtend blauen Längsstreifen, der vom Maul bis zur Schwanzflosse zieht.

Auf Koh Tao findet man ihn an fast jedem Riffspot, sobald man gezielt schaut. Die bekanntesten Stationen liegen auf White Rock in 8–15 Metern Tiefe und auf Twins zwischen 5 und 14 Metern, beide ideal für den Open Water Diver und beide ohne Spezialausrüstung erreichbar. Weitere regelmäßige Beobachtungsorte sind Hin Wong Bay und Shark Island.

Die Art ist von der IUCN als Least Concern eingestuft, also nicht gefährdet. Das macht sie nicht weniger interessant: Auf Koh Tao ist die Interaktion in natürlicher Dichte zu beobachten, nicht reduziert durch Befischung oder Habitatverlust.

Insider: Wenn du bei deiner Tauchbasis explizit sagst, dass du Putzerstationen sehen möchtest, wählt ein guter Divemaster die Route bewusst so, dass er bekannte Stationen ansteuert. Das macht einen enormen Unterschied gegenüber einem Standardrundgang.

Das Verhalten an der Putzstation: Was du beobachten wirst

Der Putzerlippfisch eröffnet seine Station nicht einfach dadurch, dass er da ist. Er tanzt. Einen charakteristischen Zickzack-Tanz: eine rhythmische Auf-und-Ab-Bewegung mit leicht gespreizten Flossen, aus mehreren Metern Entfernung sichtbar. Dieses Signal bedeutet: Putzstation geöffnet, Kunden willkommen.

Der Kunde antwortet mit seiner Körperhaltung. Ein Fisch, der gereinigt werden möchte, hält inne, öffnet die Kiemendeckel, spreizt die Flossen leicht, manche öffnen das Maul. Dieser passive Wartezustand ist ungewöhnlich. Ein Zackenbarsch, der sonst bei jeder Annäherung das Weite sucht, steht plötzlich still und lässt zu, dass ein weit kleineres Tier seine Kiemen berührt.

Was der Putzerlippfisch dabei entfernt, sind vor allem Ektoparasiten: Gnathiidae (Gnathiiden-Isopoden, die in die Haut bohren) und Argulidae (Karpfenläuse). Beide Gruppen befallen tropische Riffische regelmäßig, und ein gesunder Riff-Fisch braucht den Putzservice genauso regelmäßig wie ein Hund seinen Tierarztbesuch.

Muränen, Riffhaie, Barrakudas: alle kommen an aktive Putzstationen, alle zeigen dort dasselbe passive Warteverhalten gegenüber einem Fisch, der eine Mahlzeit sein könnte. Feldstudien haben belegt, dass das keine einseitige Entscheidung des Raubtiers ist. Putzerlippfische produzieren offenbar Substanzen, die über den Hautkontakt die Aggressions- und Fluchtbereitschaft des Kunden biochemisch reduzieren. Die genauen Wirkmechanismen werden noch erforscht, aber die Wirkung ist dokumentiert.

Putzerstationen auf Koh Tao: die besten Spots und Tiefen

Ich habe Chumphon Pinnacle über 100× betaucht und zähle die Putzerstationen dort nicht mehr. Aber wenn ich einen Gast explizit zu Putzerlippfischen führen will, dann meist nicht dorthin. Die Strecke zur Pinnacle dauert 40 Minuten vom Pier, das Boot ist meistens voller, und der Drift macht stilles Beobachten schwieriger.

White Rock ist mein Erstwahl-Spot für Putzerstationen. Der Rücken des Rifffelsens in 8–12 Metern ist ein Mosaik aus Korallenköpfen, und an mindestens drei davon sitzt permanent eine aktive Station. Wassertemperatur liegt zwischen 28 und 30 °C, Sichtweite meist 10–20 Meter, kein Drift. Für Erstbeobachter ideal.

Twins liegt nur ein paar Minuten Bootsfahrt von White Rock entfernt. Der flachere Teil des Riffes, zwischen 5 und 10 Metern, hat mehrere gut eingesessene Stationen. Die hohe Fischdichte bedeutet, dass die Stationen regelmäßig besucht werden. Man wartet selten lange, bis ein Kunde erscheint.

Hin Wong Bay ist weniger betaucht und ruhiger. Stationen dort sind weniger touristisch „abgearbeitet”, die Fische reagieren etwas weniger konditioniert auf Taucherpräsenz. Für Fotografen lohnt sich der längere Weg.

Shark Island, direkt vor Aow Leuk, bietet durch seine dichte Riffstruktur mit Überhängen und Hohlräumen gute Habitate. Putzerstationen teilen sich hier manchmal dieselben Korallenstöcke wie die Putzergarnelen (Lysmata amboinensis). Eine Doppelbeobachtung ist also möglich.

SpotTiefeSchwierigkeitBeste Zeit
White Rock8–15 mOWDfrüh morgens
Twins5–14 mOWDmorgens / nachmittags
Hin Wong Bay10–20 mOWDnachmittags
Shark Island5–18 mOWDmorgens

Putzerlippfisch fotografieren: Technik und Ausrüstung

Die Herausforderung beim Fotografieren von Putzerstationen ist nicht das Finden, sondern das Nahekommen ohne Stören. Der Putzerlippfisch ist nicht sonderlich scheu. Das Problem ist der Kunde. Rückt man zu schnell vor, bricht der Fisch die Wartehaltung ab und schwimmt weg. Damit ist die Station für die nächsten Minuten abgebrochen.

Ich nähere mich immer von unten oder seitlich, nie frontal, und halte mindestens 30 Sekunden auf Abstand, bevor ich näher heranschwimme. Den Atemrhythmus verlangsamen, denn Blasen erschrecken. Dann langsam vorrücken, bis man auf 30–40 cm heran ist.

Für Makroaufnahmen ist eine dedizierte Kompaktkamera mit Makromodus deutlich angenehmer als eine GoPro. Ich benutze die OM System TG-7. Sie fokussiert bis auf 1 cm Abstand, hat einen eingebauten Makroständer und liefert bei den Lichtverhältnissen auf Koh Tao scharfe Ergebnisse ohne externes Blitzlicht. Mit dem PT-059 Unterwassergehäuse ist die Kamera bis 45 Meter druckwasserdicht, und alle Tasten bleiben bedienbar. Das zählt, wenn man schnell zwischen Normalmodus und Makromodus wechseln will, ohne den Kunden zu erschrecken.

Wer mit dem Smartphone unterwegs ist, kann das DiveVolk Seatouch 4 Max Plus nutzen, ein wasserdichtes Gehäuse mit Touchscreen-Bedienung unter Wasser. Für Putzerstationsfotografie reicht der Nahfokus moderner Smartphones bei gutem Licht aus. Kein Ersatz für dedizierte Makroausrüstung, aber für Taucher, die keine extra Kamera mitschleppen wollen, eine ehrliche Alternative.

Mein Tipp: Kein direktes Anleuchten mit der Taucherlampe auf die Putzstation. Das blendet den Lippfisch und seinen Kunden und bricht die Interaktion ab. Wenn du Kunstlicht brauchst, halte die Lampe in einem 45°-Winkel seitlich und diffusiere wenn möglich.

Belichtungstechnisch: Koh Tao hat in 10 Metern noch genug natürliches Licht. ISO 400, Blende f/4–f/5.6, Verschlusszeit 1/125 s als Ausgangspunkt. Dann je nach tatsächlichem Licht anpassen. Der Putzerlippfisch bewegt sich schnell, also lieber etwas schneller belichten als Bewegungsunschärfe riskieren.

Ökologie der Putzstation: warum das Riff ohne sie nicht funktioniert

Klingt übertrieben, ist es aber nicht. Wissenschaftliche Feldstudien haben belegt, was passiert, wenn man Putzerstationen aus einem Riffabschnitt entfernt. Publiziert hat dazu unter anderem Alexandra Grutter, die jahrelang an Great Barrier Reef-Stationen geforscht hat. Innerhalb von wenigen Wochen steigt die Parasitenbelastung der ansässigen Fische messbar an. Die Fische reiben sich häufiger an Korallen. Einige verlassen das Gebiet dauerhaft.

Putzerstationen sind keine nette Zusatzleistung des Riffs. Sie sind Teil der Hygiene-Infrastruktur. Labroides dimidiatus entfernt pro Fisch und Besuch zwischen 5 und 30 Parasiten. Über einen Tag versorgt eine einzige Station bis zu mehrere hundert Fische. Auf einem dicht belebten Spot wie White Rock laufen dutzende solcher Stationen parallel.

Die Parasiten selbst, Gnathiiden und Argulidae, sind keine Harmlosigkeiten. Gnathiiden-Larven bohren sich in die Haut und saugen Blut, was Wunden hinterlässt, die sich infizieren können. Ein Fisch ohne Zugang zu Putzerstationen kämpft auf Dauer gegen eine steigende Parasitenbelastung, die seine Immunabwehr schwächt.

Diese kleinen 14-cm-Fische halten das Riff gesund. Wer das weiß, denkt beim nächsten Tauchgang zweimal nach, bevor er näher heranschwimmt als nötig.

Mehr über die Tierwelt des Riffs auf Koh Tao gibt es in der Übersicht der Fische und Meerestiere auf Koh Tao.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich den Bluestreak Cleaner Wrasse, ohne ihn mit dem Sabertoothblenny zu verwechseln?

Labroides dimidiatus hat den charakteristischen blauen Längsstreifen auf dunklem Körper, der vom Maul bis zum Schwanzende zieht. Die Verwechslung mit dem Sabertoothblenny (Aspidontus taeniatus) ist ein klassisches Problem. Der Blenny hat fast identische Färbung und ahmt den Lippfisch bewusst nach, um sich Fischen zu nähern und in sie hineinzubeißen, statt sie zu putzen. Der Unterschied liegt im Verhalten: Der echte Cleaner Wrasse macht den Zickzack-Tanz und bleibt bei Kundenkontakt ruhig. Der Blenny ist scheuer, nervöser, weicht schnell aus. Auch die Mundposition hilft: Beim Blenny sitzt das Maul weiter unten am Kopf.

Muss ich einen bestimmten Tauchschein haben, um Putzerstationen zu sehen?

Nein. Open Water Diver reicht für alle genannten Spots. White Rock geht bis 30 Meter, aber die aktivsten Putzerstationen liegen auf dem Riff-Rücken zwischen 8 und 15 Metern, also vollständig im OWD-Rahmen. Twins ist sogar noch flacher. Wichtiger als der Tauchschein ist das ruhige Tauchen: Wer unkontrolliert sinkt oder mit Flossen gegen Korallen schlägt, wird Putzerstationen nie aus der Nähe sehen.

Kann ich den Putzerlippfisch anfassen oder den Putzvorgang stören?

Nein, und zwar aus einem konkreten Grund: Eine gestörte Putzstation ist für die nächsten Stunden nicht mehr aktiv. Der Putzerlippfisch braucht Zeit, um sich neu zu akklimatisieren, und die wartenden Fische kehren erst nach einer Weile zurück. Jede Störung schadet den Riffbewohnern, die auf den Putzservice angewiesen sind. Das eigene verpatzte Foto ist dabei das kleinere Problem.

Gibt es auf Koh Tao auch andere Putzerfischarten?

Ja. Labroides bicolor, der Bicolor Cleaner Wrasse, ist auf Koh Tao ebenfalls präsent, allerdings seltener und auf tieferen Spots. An denselben Stationen wie Labroides dimidiatus findet man häufig auch Putzergarnelen (Lysmata amboinensis), die denselben Service für andere Kundengruppen erbringen. Eine kombinierte Putzstation mit Lippfisch und Garnele am selben Korallenstock ist an Shark Island schon vorgekommen.

Wann sieht man Putzerstationen am besten, morgens oder nachmittags?

Früh morgens und spät nachmittags sind die Stationen am aktivsten. Raubfische sind zu diesen Zeiten auf Nahrungssuche aktiv und nutzen die Putzstation vor oder nach der Jagd. Mittags sind viele Fische in Ruhephasen, die Nachfrage sinkt. Der erste Tauchgang des Tages (meist 07:00–09:00 Uhr) oder der späte Nachmittagsgang (15:00–17:00 Uhr) bietet die besten Chancen auf eine wirklich betriebsame Station.


Sag bei der nächsten Buchung deiner Tauchbasis, dass du Putzerstationen sehen willst. Dann bekommst du einen Divemaster, der gezielt zu White Rock oder Twins führt, dort die Spots auf dem Riff-Rücken kennt, und dir zeigt, wie man sich einer Station nähert, ohne sie zu stören. Kein großer Aufwand. Und es macht aus einem normalen Tauchgang einen, der noch nach Jahren hängen bleibt.

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