Die besten Tauch-Apps für Android und iOS
Welche Tauch-Apps lohnen sich wirklich? MySSI, Deepblu, Windy & Co. im Praxistest, mit Koh-Tao-Tipps für Logbuch, Spots und Meerestiere.
Mein Smartphone liegt vor jedem Tauchgang kurz auf der Bootsreling. Nicht zum Fotografieren, das erledigt die GoPro, sondern für einen schnellen Blick auf Windy. Nebenan macht der Guide der anderen Schule dasselbe. Das sagt eigentlich schon alles darüber, welche Tauch-Apps auf Koh Tao wirklich zählen und welche nur auf dem Papier gut aussehen.
Ich tauche seit über 15 Jahren auf und um Koh Tao, habe weit über 500 Tauchgänge im Logbuch und nutze täglich Apps: fürs Logbuch, für den Wettercheck, für Meerestiere. Hier ist, was sich bewährt hat.
Welche Tauch-Apps sind wirklich empfehlenswert?
Die kurze Antwort: MySSI, PADI App, Deepblu, Subsurface Mobile, iNaturalist und Windy. Alle kostenlos, alle für iOS und Android. Für Koh Tao ist Windy die wichtigste Einzelapp, noch vor jedem digitalen Logbuch, denn Wind- und Wellenprognosen entscheiden jeden Morgen darüber, ob die Boote zur West- oder zur Ostküste fahren. Deepblu eignet sich als Social-Logbuch mit Community-Anschluss, Subsurface Mobile für technisch orientierte Taucher mit Bluetooth-fähigen Computern.
Logbuch-Apps: digitaler Ersatz oder Ergänzung?
Digitale Logbücher ersetzen das physische Heft auf Koh Tao für rund 80 % der Alltagssituationen. Für Zertifizierungsnachweise und bestimmte Kursabschlüsse fragen manche Schulen aber noch nach dem klassischen Heft. Nimm beides mit.
MySSI ist für SSI-Taucher schlicht Pflicht. Die App ist kostenlos und speichert deine Zertifikate, Logbucheinträge und Tauchgänge direkt mit dem SSI-Profil verknüpft. Auf Koh Tao sind geschätzte 4 von 10 Tauchschulen SSI-Partner, und wer dort seinen Open Water macht, trägt die Daten ohnehin in die App ein. Der Sync läuft automatisch. Die Oberfläche ist sauber.
PADI App funktioniert analog für PADI-Taucher. Zertifikate abrufbar, digitaler C-Card-Nachweis, Spotsuche über PADI Dive Sites. Die App kann Tauchgänge offline speichern und später synchronisieren. Das hilft, wenn der Handyempfang auf dem Boot fehlt, was auf Koh Tao häufig vorkommt.
Deepblu geht einen anderen Weg: Social-Logbuch mit Community-Feed, Profilfotos aus dem Tauchgang, Kommentarfunktion. Du kannst Tauchgänge mit Tauchdaten aus kompatiblen Computern (Bluetooth-Sync) anreichern, Unterwasserfotos anhängen und mit anderen Tauchern teilen. Die kostenlose Version reicht. Premium schaltet erweiterte Statistiken frei. Wer seinen Tauchfortschritt dokumentieren und gleichzeitig Anschluss an die internationale Taucher-Community sucht, liegt mit Deepblu gut.
Subsurface Mobile ist die Open-Source-Lösung für alle, die es genau wissen wollen. Bluetooth-Sync mit Shearwater (Teric, Peregrine, Tern), Suunto-Computern über kompatible Schnittstellen und Garmin Descent. Die App zeigt vollständige Deko-Profile, Gasverbrauchskurven und Thermokline-Daten in einer Detailtiefe, die kein anderes kostenloses Tool erreicht. Für Gelegenheitstaucher mit zwei Wochen Koh Tao ist das zu viel des Guten. Für jemanden, der 50+ Tauchgänge pro Jahr macht und seinen Computer ernst nimmt, ist es das beste digitale Logbuch.
Mein Tipp: Bei Kursabschlüssen wie dem Rescue Diver oder Advanced Open Water fragen manche Koh-Tao-Schulen noch nach dem physischen Logbuch. Ein klassisches Taucherlogbuch als Backup kostet wenig und schützt vor unangenehmen Überraschungen am Kurstag.
Mehr zum sinnvollen Führen deines Logbuchs, digital wie analog, erkläre ich in meinem Artikel über digitales und physisches Tauchlogbuch im Vergleich.
Tauchbedingungen und Spotsuche: Windy ist der Standard
Windy ist die wichtigste App auf Koh Tao. Das sage nicht nur ich. Praktisch alle lokalen Diveguides schauen morgens zuerst dort rein.
Koh Tao liegt zwischen zwei Monsunphasen: Westmonsun (Mai–Oktober) bringt raue See auf der Westseite, Nordostmonsun (November–April) auf der Ostseite. Die Entscheidung, welche Küste heute angefahren wird, fällt oft gegen 06:00 Uhr morgens, und sie basiert auf Wind in km/h und Wellenhöhe in Metern, nicht auf der allgemeinen Regenprognose.
Windy zeigt genau das: Wind, Böen, Swell, Wellenhöhe auf einer animierten Karte. Die Daten kommen aus mehreren Wettermodellen gleichzeitig (ECMWF, GFS, ICON), Koh Tao ist auf der Karte präzise abgebildet. Wer auf der Ostküste tauchen will, also Chumphon Pinnacle, Sail Rock oder White Rock, und nicht weiß, ob die Boote fahren, schaut auf Windy.
DivePlanit ist eine internationale Spot-Datenbank mit Koh-Tao-Einträgen: HTMS Sattakut-Wrack, Chumphon Pinnacle, Sail Rock, Twins. Nützlich für Erstbesucher, die Spots mit Bewertungen und Tiefenangaben suchen. Für lokale Entscheidungen ersetze ich es durch eigene Erfahrung und Windy.
Die PADI App hat unter „Dive Sites” eine offline-fähige Spot-Suche. Für die Reiseplanung brauchbar. Für tagesaktuelle Bedingungen auf Koh Tao reicht sie nicht.
Meerestiere bestimmen: Fish-ID und Citizen Science
iNaturalist hat auf Koh Tao eine aktive Community. Du lädst nach dem Tauchgang ein scharfes Foto hoch und wartest die KI- und Crowd-Bestimmung ab, was bei ungewöhnlichen Arten oft weniger als eine Stunde dauert. Manchmal geht es schneller.
Ich habe damit schon mehrere Nacktschnecken-Arten (Nudibranchia), unbekannte Krabben und einen ungewöhnlichen Falterfisch identifiziert, denn aus über 700 Beobachtungen rund um Koh Tao liefert die Datenbank genug Vergleichsmaterial. Die KI-Erkennung (Computer Vision) trifft häufige Arten gut, bei seltenen springt die Community ein. Für Citizen-Science-Projekte wie Reef Check und Dive Against Debris ist iNaturalist die erste Wahl zur Dokumentation.
Seek funktioniert ähnlich, arbeitet aber mit Echtzeit-Kamera: Du hältst das Handy auf ein Tier und siehst sofort einen Bestimmungsvorschlag. Unter Wasser ist das unpraktisch. An Land für Pflanzen, Vögel und Insekten Koh Taos aber überraschend nützlich.
Reef Life Survey App unterstützt strukturierte Zählmethoden für wissenschaftliche Datenerhebung. Für normale Taucher nicht nötig. Für alle, die aktiv an Reef Check-Projekten auf Koh Tao teilnehmen, jedoch sinnvoll.
Insider: Die iNaturalist-Aktivität auf Koh Tao ist seit der Reef Check-Partnerschaft gewachsen. Wer nach einem Tauchgang etwas Seltsames fotografiert hat, sollte es dort eintragen, auch für die lokale Meeresschutz-Dokumentation.
Deko-Rechner und Tauchcomputer-Apps
Apps rechnen keine Dekompressionstabellen. Das ist Aufgabe deines Tauchcomputers am Handgelenk. Was die Apps hier leisten: Datensynchronisation, Tauchprofilanalyse, Wartungserinnerungen.
Garmin Dive App synchronisiert per Bluetooth mit dem Garmin Descent G2. Nach dem Tauchgang landen alle Daten automatisch in der App, also Tiefenprofil, Gewebesättigung und Gasverbrauch. Die Darstellung ist übersichtlich. Die Verbindung ins Garmin-Ökosystem läuft ohne Umwege.
Shearwater Cloud ist der beste Daten-Viewer für Shearwater-Nutzer. Wer einen Shearwater Tern besitzt, kann Tauchgänge per Bluetooth einlesen und in der Cloud detailliert analysieren: Gradient-Faktor-Kurven, M-Wert-Sättigungen, Gasblasenwachstum nach verschiedenen Modellen. Für technische Taucher ist das interessant. Für normale Sporttaucher auf Koh Tao eher akademisch.
Suunto App funktioniert für neuere Suunto-Modelle mit Bluetooth. Der klassische Suunto Zoop Novo, ein bewährter Einsteiger-Tauchcomputer, hat kein Bluetooth und synchronisiert über das Suunto-Kabelinterface am PC, nicht per App. Wer einen Zoop hat, braucht dafür die Desktop-Software Suunto DM5, nicht die mobile App.
DAN DiveAlert ist eine Notfall-Informations-App der Divers Alert Network: Tauchunfall-Symptome, nächste Druckkammer, Notrufnummern. Kein Deko-Tool, kein Logbuch, reine Sicherheitsreferenz. Auf Koh Tao ist die nächste Druckkammer in Surat Thani (~2,5 Stunden), was die App klar ausweist. Für mich gehört sie auf jedes Taucher-Smartphone.
Praxisnote: Wer zwei bis drei Wochen auf Koh Tao taucht und einen normalen Open-Water-Tauchgang bis 18 Meter macht, braucht keine Deko-App. Die Tauchschule gibt ein vollständiges Briefing, der Tauchcomputer am Handgelenk übernimmt die Berechnung. Apps helfen erst, wenn du regelmäßig tauchst, mehrere Computer besitzt oder deine Tauchprofile langfristig auswerten möchtest.
Eine ausführliche Übersicht der besten Tauchcomputer für verschiedene Budgets findest du im Tauchcomputer-Vergleich für Koh Tao. Wie du deinen Computer vor dem ersten Tauchgang richtig einstellst, erkläre ich in der Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Tauchcomputer einstellen.
Was ich dir empfehle
Drei Apps, die ich nie wieder missen möchte:
- Windy vor dem ersten Kaffee, jeden Morgen auf Koh Tao
- MySSI oder PADI App, je nach deiner Organisation, für Zertifikate und Logbuch
- iNaturalist nach dem Tauchgang, wenn du etwas gesehen hast, das du nicht kennst
Deepblu macht Sinn, wenn dir die Community etwas bedeutet. Subsurface Mobile, wenn du technisch tauchst oder deine Computerdaten wirklich auswerten willst. Und DAN DiveAlert: kostet nichts, gehört aber auf jedes Taucher-Smartphone.
Alle sechs Apps sind kostenlos. Installieren, ausprobieren, behalten was bleibt. Und auf Koh Tao: jeden Morgen Windy öffnen.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es eine App, die offline Deko-Tabellen anzeigt? Subsurface Mobile speichert Tauchdaten offline, berechnet aber keine eigenständigen Deko-Pläne. Das übernimmt der Tauchcomputer am Handgelenk. Keine App sollte den Computer am Handgelenk ersetzen.
Ist die PADI App und die MySSI App dasselbe? Nein. PADI und SSI sind konkurrierende Tauchorganisationen mit eigenen Apps, Zertifizierungssystemen und Schulungsstandards. Dein Zertifikat liegt immer bei der Organisation, die dich ausgebildet hat. Wer einen PADI Open Water hat, nutzt die PADI App, wer SSI zertifiziert ist, die MySSI App.
Kann ich Deepblu statt eines physischen Logbuchs für Kurse nutzen? Auf Koh Tao akzeptieren die meisten Tauchschulen digitale Logbücher problemlos. Für Kursabschlüsse wie den Rescue Diver oder Divemaster wird manchmal noch das physische Logbuch verlangt. Am besten vorher bei der jeweiligen Schule nachfragen.
Welche App zeigt die Bedingungen auf Koh Tao zuverlässig? Windy ist der Standard unter Koh-Tao-Diveguides. Wind und Wellenhöhe entscheiden, welche Küste angefahren wird, nicht die allgemeine Regenprognose. Morgens um 06:00 Uhr auf Windy schauen, dann weißt du, ob die Boote zur West- oder Ostküste fahren.
Taugt iNaturalist wirklich zur Meerestier-Bestimmung? Ja, wenn das Foto scharf genug ist. Bei Nacktschnecken, Krebstieren und ungewöhnlichen Fischarten liefert die Community oft innerhalb weniger Stunden eine verlässliche Artbestimmung. Koh Tao hat eine aktive iNaturalist-Community, die regelmäßig neue Beobachtungen bewertet.