Tauchlogbuch führen: Warum, wie – und die besten Apps
Alles über das Tauchlogbuch: Warum du deine Tauchgänge aufzeichnen solltest, was reingehört und welche Apps Papierbücher ablösen. Mit Tipps aus der Praxis.
Nach meinem ersten Tauchgang auf Koh Tao bekam ich vom Instructor ein kleines Heft in die Hand gedrückt: mein Logbuch. Ich füllte es pflichtbewusst aus – Datum, Tiefe, Dauer – und dachte, das war’s. Erst später verstand ich, was ein gut geführtes Logbuch wirklich bedeutet.
Ein Tauchlogbuch ist mehr als eine Sammlung von Zahlen. Es ist dein persönliches Tauchergedächtnis, ein Nachweis für Erfahrung und – richtig genutzt – ein Werkzeug, das dich als Taucher besser macht.
Was ist ein Tauchlogbuch und warum brauchst du eines?
Ein Tauchlogbuch (englisch: dive log) ist die chronologische Aufzeichnung deiner Tauchgänge. Jeder Eintrag dokumentiert die wichtigsten Parameter eines Tauchgangs: Ort, Tiefe, Dauer, Sichtweite, Wassertemperatur, Begleitung und besondere Beobachtungen.
Die wichtigsten Gründe, ein Logbuch zu führen
Nachweis von Erfahrung: Viele Tauchschulen und Dive-Operatoren verlangen beim Buchen bestimmter Tauchgänge oder Kurse einen Nachweis über Anzahl und Art deiner Tauchgänge. Kein Logbuch bedeutet oft: kein Zugang. Auf Koh Tao zum Beispiel verlangen die meisten Schulen für Deep Diver Specialties oder einen Divemaster-Kurs eine dokumentierte Mindesttauchzahl.
Selbstreflexion und Lernkurve: Wenn du nach 50 Tauchgängen schaust, was du am Anfang notiert hast – wie viel Luft du verbraucht hast, welche Probleme beim Druckausgleich aufgetaucht sind, welche Tiere du das erste Mal gesehen hast – erkennst du deinen Fortschritt. Das ist motivierend und lehrreich.
Sicherheitsrelevante Daten: Falls du jemals medizinisch behandelt werden musst (Dekompressionsunfall, Barotrauma), ist dein Logbuch wertvolle Dokumentation. Es zeigt dem behandelnden Arzt exakt: wo, wie tief, wie lange, wie oft.
Erinnerung: Koh Tao, Chumphon Pinnacle, 28 Meter, Walhai-Sichtung. Das vergisst man nicht so leicht – aber in 10 Jahren wird man froh sein, es aufgeschrieben zu haben.
Was gehört in jeden Logbuch-Eintrag?
Ein vollständiger Eintrag enthält folgende Felder:
Pflichtfelder (immer)
| Feld | Beispiel |
|---|---|
| Tauchgangs-Nummer | #47 |
| Datum | 12.04.2026 |
| Tauchort | White Rock, Koh Tao |
| Maximale Tiefe | 18 m |
| Tauchzeit (Grundzeit) | 52 min |
| Einstieg | 09:15 Uhr |
| Luftverbrauch Start | 200 bar |
| Luftverbrauch Ende | 60 bar |
| Buddy / Instructor | Max M. |
| Unterschrift Buddy | ✓ |
Empfohlene Felder (sehr nützlich)
| Feld | Beispiel |
|---|---|
| Wassertemperatur | 29°C |
| Sichtweite | ~15 m |
| Strömung | leicht |
| Tarierung | 2 kg Blei |
| Anzugtype | 3 mm Shorty |
| Bemerkungen | Zitronenhai, 3 Schildkröten gesehen |
Optionale Felder
- Wetterbedingungen
- Meeresgang
- Einstiegsmethode (Rückwärtsrolle, Riesenschritt)
- Tauchart (Boot, Shore)
- Sichtung besonderer Tiere
- Zeichnung der Tauchroute
Je mehr du einträgst, desto wertvoller wird das Logbuch langfristig.
Papierbuch vs. digitale App: Was ist besser?
Das ist die Frage, die sich fast jeder Taucher nach ein paar Wochen stellt. Die Antwort hängt davon ab, was du priorisierst.
Papierbuch: Vorteile
Analog und unzerstörbar (fast): Du brauchst keine App, kein WLAN, keinen Akku. Das Buch funktioniert immer.
Unterschriften und Stempel: Viele Tauchschulen wollen einen Beweis, dass du wirklich dabei warst. Im Papierbuch unterschreiben Buddy und Instructor – das ist für offizielle Zertifizierungen und manche Dive-Operatoren nach wie vor der Standard.
Persönlicher Charakter: Du kannst skizzieren, Postkarten einkleben, Fotos hinzufügen. Manche Logbücher sind kleine Kunstwerke.
Für das Papierbuch empfehle ich eines der hochwertigen Taucher-Logbücher auf Amazon* – am besten wasserfest, mit vorgedruckten Feldern und genug Platz für 100–200 Einträge.
Digitale App: Vorteile
Immer dabei: Dein Smartphone hast du sowieso. Keine extra Ausrüstung.
Statistiken und Auswertungen: Apps rechnen automatisch aus, wie viele Tauchgänge du gemacht hast, wie dein durchschnittlicher Luftverbrauch ist, welche Orte du am häufigsten besucht hast.
GPS und Karten: Viele Apps zeigen die exakte Position des Tauchgangs auf einer Karte an.
Kopplung mit Tauchcomputern: Moderne Apps synchronisieren automatisch mit Tauchcomputern wie dem Suunto Zoop Novo oder Garmin Descent. Die Daten werden direkt übertragen – Tiefenprofil, Grundzeit, Luftverbrauch.
Cloud-Backup: Du verlierst nie Daten, egal wie oft du dein Logbuch verlierst.
Meine Empfehlung: Beides
Auf Koh Tao führe ich ein kompaktes Papierbuch für offizielle Eintragungen und Unterschriften – und halte zusätzlich alles in einer App fest. So habe ich das Beste aus beiden Welten.
Die besten Tauch-Apps für digitale Logbücher
Subsurface (kostenlos, Open Source)
Das umfassendste und datenschutzfreundlichste Tool. Verfügbar für Desktop und Mobilgeräte, unterstützt direkten Import aus fast allen Tauchcomputern via Bluetooth oder USB. Steil Lernkurve, aber kostenlos und extrem mächtig.
Für wen: Technik-affine Taucher, die volle Kontrolle über ihre Daten wollen.
PADI App (kostenlos mit Basis-Abo)
Die offizielle App des PADI-Verbands. Logbuch integriert, direkte Verknüpfung mit deinen PADI-Zertifizierungen. Zeigt dein e-Card-Profil und ermöglicht das Teilen deines Logbuchs. Die Daten bleiben bei PADI.
Für wen: PADI-Taucher, die alles in einem Ökosystem haben wollen.
Diviac Log
Schlanke, moderne App mit schöner Benutzeroberfläche. Unterstützt GPS-Tagging, Fotoalben je Tauchgang, Statistiken und Community-Features. Kostenlos mit optionalem Premium-Upgrade.
Für wen: Taucher, die Wert auf Design und Community legen.
OceanDive
Praktische App mit einfacher Bedienung. Gut geeignet als Einstieg, bietet alle wichtigen Felder ohne Overload.
Für wen: Freizeit-Taucher, die einfach ihre Tauchgänge dokumentieren wollen.
Tipps für ein besseres Logbuch
1. Direkt nach dem Tauchgang eintragen
Der Luftverbrauch, die Sichtung des Fangschreckenkrebs, das besondere Licht am Chumphon Pinnacle – das alles ist direkt nach dem Tauchgang noch frisch. Warte nicht auf den Abend.
2. Spezifisch schreiben
Statt “schöner Tauchgang” lieber: “Schildkröte am Eingang zur Höhle, Seeigel-Teppich bei 12 m, Napoleonfisch folgte uns 10 Minuten lang.” Diese Beschreibungen sind in fünf Jahren noch wertvoll.
3. Tarierung dokumentieren
Notiere Bleimenge und Anzugtype. Das hilft dir zu verstehen, warum du mit 2 kg zu leicht oder zu schwer warst – und wie du dich verbessert hast.
4. Luftverbrauch verfolgen
Der Luftverbrauch (in Liter pro Minute) zeigt deinen Entspannungsgrad unter Wasser. Erfahrene Taucher verbrauchen deutlich weniger. Wenn du diesen Wert über Monate verfolgst, siehst du deutlich, wie entspannter du wirst.
5. Besondere Begegnungen skizzieren
Eine schnelle Bleistift-Skizze des Tauchplatzes oder eines unbekannten Tieres ist später Gold wert – beim Bestimmen der Art oder beim Erinnern an das Layout des Spots.
Logbücher und Zertifizierungen auf Koh Tao
Wer auf Koh Tao höhere Kurse machen will, sollte wissen:
- Advanced Open Water: Kein formales Logbuch vorgeschrieben, aber du brauchst Nachweis von mindestens 18 zertifizierten Tauchgängen.
- Rescue Diver: Mindestens 29 geloggte Tauchgänge empfohlen.
- Divemaster: PADI verlangt offiziell 40 geloggte Tauchgänge (SSI 50) – viele Schulen verlangen mehr.
- Deep Specialty / Nitrox: Kein festes Minimum, aber Logs geben dem Instructor Sicherheit.
Wenn du vorhast, auf Koh Tao eine Karriere im Tauchen zu starten, fange von Tauchgang #1 an mit dem Logbuch. Jeder Eintrag zählt.
Muss ich alles loggen?
Das ist eine Glaubensfrage unter Tauchern. Manche loggen jeden Schnorchel-Ausflug, andere nur “echte” Tauchgänge mit Pressluft.
Meine Empfehlung: Logge mindestens alle Scuba-Tauchgänge vollständig. Freediving-Einheiten kannst du separat erfassen, falls du magst – viele Freediving-Apps (wie Depth Gauge oder Atmos) haben eigene Logbuchfunktionen.
Das Logbuch ist für dich, nicht für andere. Mach es so, dass es dir nützt.
Fazit: Das Logbuch lohnt sich immer
Ein geführtes Tauchlogbuch ist einer der günstigsten Investitionen in deine Sicherheit und deinen Fortschritt als Taucher. Es kostet dich nach jedem Tauchgang 3–5 Minuten – und gibt dir langfristig wertvolle Daten, Erinnerungen und Nachweise.
Ob Papierbuch oder App: Hauptsache, du fängst an. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.
FAQ: Häufige Fragen zum Tauchlogbuch
Muss ich als Anfänger sofort ein Logbuch führen? Ja – und dein Open Water Kurs wird wahrscheinlich sogar ein Logbuch-Template mitliefern. Die ersten Tauchgänge sind die wertvollsten zum Festhalten, weil du damals noch alles neu erlebt hast.
Welches Papierbuch empfiehlst du konkret? Für Anfänger ein gutes Tauchlogbuch mit Spiralbindung* – Spiralbindung liegt flacher, lässt sich leichter einschlagen. Für Fortgeschrittene gibt es wasserfeste Varianten, die auch mal einen Spritzer überstehen.
Kann ich eine Tauchschule finden, wenn ich kein Logbuch habe? Ja, viele Operatoren akzeptieren auch dein PADI-Zertifikat als Nachweis. Ohne jeglichen Nachweis wird es bei anspruchsvolleren Spots oder Tiefen schwierig. Bring im Zweifel beides mit.
Wie synchronisiere ich meinen Tauchcomputer mit einer App? Das kommt auf das Modell an. Suunto, Garmin und Shearwater nutzen meist Bluetooth. Ältere Modelle benötigen ein USB-Kabel und das Desktop-Programm des Herstellers (oder Subsurface). In der App des Herstellers findest du detaillierte Anleitungen.
Was mache ich, wenn ich ein Logbuch verloren habe? Kontaktiere die Tauchschulen, bei denen du gelernt hast – viele führen eigene Aufzeichnungen. PADI und SSI haben online Zertifizierungsdatenbanken, in denen deine absolvierten Kurse gespeichert sind. Für die Tauchgang-Zahlen zwischen den Kursen gibt es leider oft keinen Ersatz außer Eigenaussage.
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