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Tauchen Bleigürtel: Wie viel Blei brauchst du wirklich?

Wie viel Blei zum Tauchen? Mit Tabelle nach Körpergewicht und Anzug, Trim-Test-Anleitung und Tipps für Koh Tao. Bleigürtel richtig einstellen.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 8. September 2026
Taucher befestigt einen Bleigürtel vor dem Einstieg ins türkisfarbene Wasser auf Koh Tao
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„Wie viel Blei nehme ich?” Fast jeder Taucher fragt sich das neu, wenn er das Gewässer wechselt, einen anderen Anzug kauft oder nach längerer Pause wieder ins Wasser will. Eine universelle Antwort gibt es nicht. Es gibt aber klare Einflussfaktoren und einen simplen Feldtest, der die Frage in zwei Minuten beantwortet.

Zu viel Blei ist der häufigste Fehler bei Anfängern. Er kostet mehr Luft, macht die Tarierung hakelig und sorgt für unkontrollierte Auftriebsschwankungen. Zu wenig Blei ist das seltener diskutierte Gegenproblem: Wer permanent gegen den Auftrieb ankämpft, ist erschöpft, kommt nicht auf Tiefe und riskiert unkontrollierte Aufstiege.


Wie viel Blei brauche ich zum Tauchen?

Mit einem 3-mm-Anzug im Salzwasser brauchen die meisten Taucher 2–4 % des Körpergewichts als Blei — auf Koh Tao also oft nur 2–4 kg. Mit dickerem Neopren steigt der Wert auf 8–10 %. Ein Trim-Test im Wasser gibt die endgültige Antwort, Faustformeln sind nur der Startpunkt.

Körpergewicht3 mm Shorty (Salzwasser)5 mm Ganzanzug (Salzwasser)
55–65 kg1–2 kg3–4 kg
65–75 kg2–3 kg4–5 kg
75–90 kg3–4 kg5–7 kg
90+ kg4–5 kg7–9 kg

Die wichtigsten Einflussfaktoren

Neoprenanzug

Je dicker der Anzug, desto mehr Auftrieb erzeugt er — und desto mehr Blei braucht man, um das zu kompensieren. Neopren ist voller winziger Gasblasen. Die wollen hoch.

AnzugtypZusätzlicher Auftrieb (ca.)
Badehose / Rashguard0 kg
3 mm Shorty1–2 kg
3 mm Ganzkörper2–3 kg
5 mm Ganzkörper3–5 kg
7 mm Ganzkörper5–8 kg

Auf Koh Tao herrschen ganzjährig Wassertemperaturen von 28–30 °C. Ein 3-mm-Shorty wie der Cressi 3-mm-Shorty reicht vollkommen aus. Dicke Anzüge braucht hier niemand, und das macht sich direkt beim Blei bemerkbar.

Salzwasser vs. Süßwasser

Salzwasser ist dichter als Süßwasser und erzeugt mehr Auftrieb. Als Faustregel gilt: Im Meer braucht man 1–2 kg mehr Blei als im See. Wer zuletzt in einem deutschen See getaucht hat und nun auf Koh Tao ins Meer steigt, merkt diesen Unterschied unmittelbar.

Flaschentyp: Stahl oder Aluminium

Stahlflaschen sinken am Ende des Tauchgangs nach unten, wenn die Luft verbraucht ist. Aluminiumflaschen entwickeln hingegen bei niedrigem Inhalt positiven Auftrieb — sie wollen hoch. Wer eine Aluflasche verwendet, muss ca. 1–2 kg mehr Blei einplanen, um beim letzten Drittel des Tauchgangs noch neutral zu bleiben. Die meisten Tauchschulen auf Koh Tao nutzen Stahlflaschen. Kein Riesenunterschied, aber er zählt.

Körperkomposition

Menschen mit höherem Körperfettanteil sind natürlich auftriebsfreudiger als sehr muskulöse Taucher. Das lässt sich nicht pauschalisieren, aber erklärt, warum die Faustformel „8 % vom Körpergewicht” für manche sehr trifft und für andere überhaupt nicht stimmt. Wer sehr dünn ist oder wenig Körperfett hat, kann deutlich unter diesen Werten liegen.


Richtige Gewichtung auf Koh Tao: Konkrete Orientierung

Für typische Tauchgänge auf Koh Tao mit Stahlflasche und 3-mm-Shorty:

KörpergewichtEmpfohlener Startwert
55–65 kg1–2 kg
65–75 kg2–3 kg
75–90 kg3–4 kg
90+ kg4–5 kg

Diese Tabelle ist ein Ausgangspunkt. Die endgültige Antwort gibt der Trim-Test. Ein erfahrener Divemaster auf Koh Tao sieht nach wenigen Metern im Wasser sofort, ob jemand über- oder untergewichtet ist.


Der Trim-Test: Richtig auftarieren vor dem Tauchgang

Der Trim-Test ist der einzige zuverlässige Weg, die richtige Bleimenge zu bestimmen. Er dauert 2 Minuten und liefert ein klares Ergebnis.

So geht’s:

  1. Komplette Ausrüstung anlegen: BCD, Flasche, Neopren, Bleigurt
  2. BCD vollständig entleeren
  3. Im Wasser stehen (oder hängen), Lungen halb gefüllt
  4. Ruhig atmen – ohne aktive Bewegung

Interpretation:

  • Richtig: Du schwebst auf Augenhöhe der Wasseroberfläche. Wenn du ausatmest, sinkst du langsam; wenn du einatmest, steigst du leicht.
  • Zu schwer: Du sinkst sofort und kannst es ohne BCD-Luft nicht aufhalten.
  • Zu leicht: Du steigst auf, auch wenn du ausatmest, oder du musst aktiv strampeln, um auf der Stelle zu bleiben.

Am Ende des Tauchgangs — unter 50 Bar — lohnt sich ein kurzer Funktionscheck. Eine fast leere Flasche ist leichter und gibt mehr Auftrieb. Wer am Anfang gut tariert ist, kann gegen Ende zu leicht sein, wenn er nicht nachkorrigiert hat.


Zu viel Blei, warum es ein Problem ist

Übergewichtet zu sein ist unter Anfängern so verbreitet, dass es fast als normal gilt. Harmlos ist es nicht.

  • Mehr BCD-Luft nötig: Wer zu schwer ist, pumpt mehr Luft in den BCD, um neutral zu bleiben. Das vergrößert das verdrängte Volumen und macht die Auftriebsschwankungen unberechenbarer.
  • Höherer Luftverbrauch: Mehr BCD-Volumen bedeutet mehr Auf- und Abtaucharbeit. Das spürt man direkt am Manometer.
  • Schlechte Körperhaltung: Übergewichtete Taucher liegen oft kopflastig, weil das Blei am Hüftgürtel die Beine nach oben zieht.
  • Riffkontakt: Wer zu schwer ist, landet häufiger am Grund. Korallen leiden schnell darunter.

Lies auch: Wie du deinen Luftverbrauch beim Tauchen verbesserst. Übergewichtung ist einer der fünf häufigsten Ursachen für hohen Verbrauch.


Zu wenig Blei, unterschätzte Gefahr

Untergewichtet zu sein ist seltener, aber unterschätzt gefährlich:

  • Unkontrollierter Aufstieg: Wer ständig auftreibt und aktiv dagegen ankämpft, übersieht schnell den Sicherheitsstopp oder steigt zu schnell auf.
  • Erschöpfung: Konstantes Paddeln gegen den Auftrieb kostet unverhältnismäßig viel Energie. Nach dem Tauchgang merkt man, wie viel.
  • Sicherheitsstopp auf 5 Metern: Neutral zu schweben wird zur echten Herausforderung, wenn man zu leicht ist.

Gewichtssysteme: Bleigurt oder integrierte Taschen?

Bleigurt

Der klassische Bleigurt mit Schnellverschluss ist einfach, günstig und auf Koh Tao die häufigste Lösung der Tauchschulen. Der Schnellverschluss ist wichtig: Im Notfall muss das Gewicht schnell abwerfbar sein.

Tipps für den Bleigurt:

  • Gewichte gleichmäßig verteilen (nicht alle auf eine Seite)
  • Den Gurt so einstellen, dass er beim Einatmen nicht nach unten rutscht
  • Beim Anlegen: Bleigurt zuletzt anlegen, damit er nicht von der Flasche verdeckt wird

Integrierte Gewichtstaschen (BCD)

Viele moderne BCDs wie die Mares Dragon SLS haben integrierte Gewichtstaschen, die per Druckknopf abwerfbar sind. Das ist komfortabler und erlaubt eine bessere Gewichtsverteilung, kostet aber mehr.

Wer den Gurt ganz weglassen will, kann stattdessen Soft-Blei-Taschen nutzen. Die schieben sich direkt in BCD-Pockets oder Trimmtaschen, kein Gurt um die Hüfte nötig.

Tipp: Nie das gesamte Gewicht in die integrierten Taschen packen, immer einen Teil am Bleigurt belassen, um im Notfall flexibel zu sein.

Trimmgewichte

Fortgeschrittene Taucher setzen Trimmgewichte an der Flasche oder am BCD ein, um ihre Körperhaltung im Wasser zu optimieren. Wer beim Schweben immer leicht diagonal liegt (Kopf oben, Beine unten), braucht vielleicht zusätzliche Gewichte an den Tankbügeln statt am Becken.


Praxis-Tipps für Anfänger auf Koh Tao

Lass dich beraten. Die Divemaster auf Koh Tao sehen täglich Dutzende Taucher. Falsche Gewichtung erkennen sie nach wenigen Metern. Sag ruhig, wenn du unsicher bist.

Schreib die Gewichtung auf. Wenn du den richtigen Wert gefunden hast, kommt er ins Tauchlogbuch — Anzugtyp, Flasche, Gewässer. Beim nächsten Mal sparst du dir den Feldtest.

Erst Blei, dann BCD. Gewichtung und Tarierung sind zwei getrennte Schrauben. Die richtige Bleimenge zuerst einstellen, dann erst den BCD korrigieren. Wer das durcheinander bringt, dreht ewig.

Justieren ist normal. Kein Anfänger trifft das auf Anhieb. Zwei oder drei Tauchgänge zum Feinjustieren sind keine Ausnahme, sondern der Regelfall.

Wer das Thema vertiefen will: Der Peak Performance Buoyancy Kurs auf Koh Tao ist aus meiner Sicht eine der sinnvollsten Spezialisierungen überhaupt. Man lernt in einem Tag mehr über Tarierung als in zehn unkritischen Freizeitdives.


FAQ: Bleigürtel und Gewichtung

Wie viel Blei brauche ich als Anfänger auf Koh Tao? Mit einem 3-mm-Shorty und Stahlflasche im Salzwasser sind es für die meisten Taucher zwischen 2 und 4 kg. Der genaue Wert hängt vom Körperbau ab. Ein Trim-Test vor dem ersten Tauchgang gibt die Antwort.

Kann ich zu wenig Blei nehmen, um leichter zu werden? Ja, aber dann wirst du schwerer tarierbar und riskierst unkontrollierte Aufstiege. Blei ist kein Gewicht, das man aus Eitelkeit weglässt, es ist ein Sicherheitsmittel.

Macht es einen Unterschied, ob ich Blei am Gürtel oder im BCD trage? Ja. Blei am Becken wirkt anders auf die Körperhaltung als Blei am BCD. Wer Trimmprobleme hat (Kopf immer oben oder unten), sollte die Verteilung des Gewichts überdenken.

Muss ich die Gewichtung bei jedem Tauchgang neu einstellen? Nicht wenn Anzug, Flasche und Gewässer gleich bleiben. Bei einem Wechsel, z. B. von Süß- auf Salzwasser oder von 3 mm auf 5 mm Neopren, immer neu testen.

Was passiert, wenn ich beim Tauchen zu schwer bin und nicht aufsteigen kann? Den Schnellverschluss des Bleigurts öffnen und das Blei abwerfen. Deshalb ist ein funktionierender Schnellverschluss kein optionales Feature.


Fazit

Richtige Gewichtung klingt technisch, ist aber eigentlich einfach: Trim-Test machen, Wert notieren, beim nächsten Mal anpassen. Das dauert zwei Minuten und spart auf jedem Tauchgang Kraft und Luft.

Auf Koh Tao überrascht es viele, wie wenig Blei man hier braucht. Dünner Neopren, warmes Salzwasser, Stahlflasche — das ergibt für die meisten 2–4 kg, nicht 8. Wer von einem kälteren Tauchgebiet kommt und das vergisst, schleppt schnell 2 kg zu viel mit. Ein kurzer Test am Tauchsteg klärt das, bevor es ein Problem wird.

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