Reisetipps 8 Min. Lesezeit

Tauchen mit Erkältung – Wann ist es sicher, wann nicht?

Erkältet tauchen auf Koh Tao? Wann es gefährlich wird, welche Risiken drohen und wie du einen Barotrauma vermeidest. Mit klaren Regeln für Taucher.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 7. September 2026
Taucher hält sich die Nase zu für den Druckausgleich – Vorsicht bei Erkältung unter Wasser
Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir eine kleine Provision – für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Du hast deinen Tauchurlaub auf Koh Tao monatelang geplant, und dann erwischt es dich kurz vorher: Schnupfen, verstopfte Nase, Druck auf den Ohren. Darf man trotzdem tauchen?

Die kurze Antwort: Meistens nein. Und ich sage das als jemand, der genau diese Situation selbst durchgemacht hat, und die Konsequenzen kennt.

Hier erfährst du, was bei einer Erkältung unter Wasser passiert, welche Risiken drohen und wann Tauchen wirklich noch vertretbar ist.

Was passiert im Körper beim Tauchen mit Erkältung?

Beim Tauchen musst du ständig Druckausgleich machen, in den Ohren, den Nasennebenhöhlen und der Stirnhöhle. Das funktioniert über schmale Verbindungskanäle zwischen diesen Hohlräumen und dem Außenbereich.

Bei einer Erkältung sind diese Kanäle entzündet, geschwollen und oft mit Schleim verstopft. Die Folge: Luft kann nicht mehr frei zirkulieren. Wenn der Druck beim Abtauchen steigt, können sich diese eingeschlossenen Lufträume nicht anpassen.

Das nennt sich Barotrauma, und es ist schmerzhaft bis ernsthaft gefährlich.

Betroffene Bereiche beim Erkältungs-Tauchen

Ohren: Die Eustachische Röhre verbindet das Mittelohr mit dem Rachenraum. Ist sie durch Schleim blockiert, kannst du nicht ausgleichen. Das Resultat: Ohr-Squeeze, im schlimmsten Fall ein Trommelfellriss.

Nasennebenhöhlen: Frontal-, Kiefer- und Stirnhöhlen sind luftgefüllte Räume, die ebenfalls ausgeglichen werden müssen. Eine verstopfte Nasenschleimhaut blockiert die kleinen Öffnungen. Beim Abstieg entsteht Unterdruck in den Höhlen, das fühlt sich an wie ein Nagel im Gesicht.

Beim Aufstieg: Noch tückischer ist das Barotrauma beim Aufstieg. Hat sich während des Tauchgangs Schleim gelöst und die Verbindungswege blockiert, kann sich Luft beim Auftauchen nicht mehr ausdehnen, sogenanntes Reverse Squeeze, das oft intensiver schmerzt als beim Abstieg.

Die häufigsten Fehler bei erkälteten Tauchern

Abschwellende Nasensprays als “Lösung”

Viele Taucher greifen zu Nasensprays mit abschwellendem Wirkstoff, und tauchen dann trotzdem. Das ist gefährlich. Der Wirkstoff (meist Xylometazolin) hält 6–8 Stunden. Unter Wasser kann das Mittel jedoch früher nachlassen. Dann schwillt die Schleimhaut mitten im Tauchgang an, und der Druckausgleich funktioniert plötzlich nicht mehr.

Dieses “Rebound”-Phänomen kann bei einem Tauchgang von 45+ Minuten auftreten. Du bist dann tief, der Ausgleich blockiert, und der Aufstieg wird zur Qual.

Sicherer ist isotonisches Meersalzspray. Es spült die Schleimhäute, ohne abschwellend zu wirken, und hat kein Rebound-Risiko. Abtei Meersalz Nasenspray* passt in jede Tauchtasche und hilft, die Nase vor dem Einstieg frei zu halten. Ersetzen tut es aber keine ernsthafte Erkältung.

Schmerz ignorieren und weitertauchen

Schmerz beim Ausgleichen ist ein klares Stop-Signal. Wer trotzdem weiter abtaucht, riskiert einen Trommelfellriss oder eine Einblutung in die Nasennebenhöhlen. Ich habe Taucher erlebt, die mit Blut aus der Nase auftauchten, was passiert ist, wenn man Druckausgleichsprobleme ignoriert.

”Es ist nur eine leichte Erkältung”

“Leicht” ist relativ. Selbst wenn du dich gut fühlst, können deine Schleimhäute noch angeschwollen sein. Der entscheidende Test ist nicht, wie du dich fühlst, sondern ob deine Luftwege frei sind.

Der Selbst-Test: Bist du fit zum Tauchen?

Bevor du ins Wasser gehst, mach diesen einfachen Test:

Valsalva-Test: Halte Nase und Mund zu und puste sachte. Kannst du beide Ohren leicht und schmerzfrei ausgleichen? Dann sieht es gut aus.

Nasendurchgängigkeit: Drücke ein Nasenloch zu und atme durch das andere. Geht das problemlos und ohne Druck? Dann das gleiche mit der anderen Seite.

Kieferhöhlen-Test: Beuge dich nach vorne (Oberkörper parallel zum Boden) und schüttle leicht den Kopf. Spürst du Druck oder Schmerz im Gesicht? Dann sind deine Nasennebenhöhlen betroffen.

Klare Regel: Wenn irgendeins dieser Tests unangenehm ist, nicht tauchen.

Wann ist Tauchen noch vertretbar?

Es gibt Situationen, in denen leichte Erkältungssymptome das Tauchen nicht zwingend ausschließen, aber das Risiko bleibt immer erhöht.

Möglicherweise noch okay:

  • Nur leichtes Schnupfen ohne Nase zu (klarer Sekret, keine Verstopfung)
  • Kein Druck auf Ohren oder Nasennebenhöhlen
  • Druckausgleich auf Meereshöhe problemlos möglich
  • Kein Fieber, keine Halsbeschwerden
  • Geplante Tauchtiefe unter 10 Meter

Definitiv nicht tauchen:

  • Verstopfte Nase oder eines/beide Ohren zu
  • Druckgefühl im Gesicht oder Kopf
  • Husten oder Schleim in der Lunge
  • Fieber (ab 37,5°C)
  • Halsschmerzen oder Mandelentzündung
  • Druckausgleich bereits auf Oberfläche schwierig

Tauchen mit leichter Erkältung: Ab wann ist es vertretbar?

Tauchen mit leichter Erkältung ist möglich, wenn die Nase frei ist, der Druckausgleich auf Meereshöhe problemlos funktioniert und kein Druck auf Ohren oder Stirn besteht. Bleibt die Tauchtiefe unter 10 Meter und brichst du beim ersten Anzeichen von Beschwerden ab, ist das Risiko vertretbar. Im Zweifel: einen Tag warten.

Der Unterschied zwischen “leicht” und “problematisch” liegt nicht darin, wie du dich insgesamt fühlst, sondern in einer einzigen Frage: Sind deine Atemwege vollständig frei?

Was “leicht” bedeuten muss, bevor du ins Wasser gehst:

  • Nase ist frei (nicht nur “halbwegs”), kein Schleimgefühl
  • Beide Ohren gleichen problemlos aus, kein Knacken oder Druck
  • Keine verstopften Stirn- oder Kieferhöhlen (kein Gesichtsdruck beim Vorbeugen)
  • Kein Husten, keine Verschleimung in den Bronchien

Wenn auch nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist: kein Tauchen. Was sich wie “ich bin fast wieder fit” anfühlt, reicht für den Druckausgleich auf 15 oder 20 Meter nicht aus.

Auf Koh Tao gilt zusätzlich: Viele Tauchgänge führen zu Spots wie dem Chumphon Pinnacle, der Tiefen von 18 bis 36 Metern erreicht. Wer erkältet ist, sollte dort nicht rein. Flache Riffe unter 10 Meter sind eine Alternative, aber kein Freifahrtschein.

Tauchen mit Halsschmerzen: Was wirklich dahintersteckt

Halsschmerzen allein schließen das Tauchen nicht aus. Entscheidend ist der Grund: Leichte Reizungen ohne Schluckbeschwerden und freie Nase sind anders zu bewerten als eine bakterielle Angina mit Fieber. Im Zweifel gilt kein Tauchen. Halsentzündungen können auf die Ohren übergreifen und den Druckausgleich ernsthaft beeinträchtigen.

Der Rachenraum ist anatomisch eng mit dem Mittelohr verbunden. Eine Entzündung dort schwillt schnell auf die Eustachische Röhre über. Das merkst du nicht immer an der Oberfläche, aber beim Abtauchen auf 5 Meter schon.

Wann Halsschmerzen kein Problem sind:

  • Reine Reizhalsschmerzen, zum Beispiel nach dem Schnarchen oder durch trockene Klimaanlage
  • Keine Schluckbeschwerden, kein Fieber
  • Nase vollständig frei, Ohrenausgleich funktioniert
  • Keine Lymphknoten geschwollen im Halsbereich

Wann Halsschmerzen ein Stoppsignal sind:

  • Schlucken schmerzt stark
  • Fieber ab 37,5°C
  • Ohren fühlen sich voll an oder Druck beim Ausgleichen
  • Erkältung noch im vollen Gang, Hals ist nur ein Symptom davon

Für den Tauchurlaub: Eine kompakte ratiopharm-Reiseapotheke* gehört ins Gepäck. Schmerzmittel und Lutschtabletten helfen, leichte Reizungen zu überbrücken, ersetzen aber keine medizinische Einschätzung bei echten Halsschmerzen vor dem Tauchen.

Was tun, wenn du trotzdem tauchen willst?

Option 1: Tauchgang flach halten

Wenn du milde Symptome hast und unbedingt ins Wasser möchtest, begrenze die Tiefe auf 5–8 Meter. Dort ist der Druckunterschied deutlich geringer. Ein Schnorcheltag wäre allerdings die bessere Wahl, du bist trotzdem im Wasser, ohne Risiko.

Option 2: Warten lohnt sich

Auf Koh Tao kannst du täglich tauchen. Eine Pause von 2–3 Tagen kostet dich ein paar Tauchgänge, aber kein dauerhafter Schaden. Ein Trommelfellriss hingegen bedeutet 4–6 Wochen Tauchpause, und das mitten in deinem Urlaub.

Option 3: Ohrentropfen als Prävention

Taucher, die anfällig für Ohrprobleme sind, schwören auf Ohrentropfen als vorbeugenden Schutz. Das verhindert zwar keine Erkältung, aber hält den Gehörgang gesund. Bewährt haben sich zum Beispiel Ear Pro Ohrenspray*, ein auf Meerwasserbasis formuliertes Mittel, das ich selbst nach jedem Tauchgang benutze.

Was tun bei Schmerzen während des Tauchgangs?

Wenn du mitten in einem Tauchgang Schmerzen beim Ausgleichen bekommst:

  1. Stopp. Nicht weiter abtauchen.
  2. Langsam 1–2 Meter auftauchen, oft löst sich der Druckunterschied dadurch.
  3. Sanft versuchen auszugleichen (Valsalva, nicht zu fest pressen).
  4. Wenn kein Ausgleich möglich: kontrolliert auftauchen, Tauchgang abbrechen.
  5. Nicht wieder abtauchen an diesem Tag.

Schmerz ist ein Signal, kein Hindernis, das du ignorieren kannst.

Welche Risiken entstehen durch ein Barotrauma?

Ein nicht behandeltes Barotrauma kann zu ernsthaften Komplikationen führen:

Trommelfellriss: Schmerzhaft, heilbar, aber verbunden mit Tinnitus und vorübergehendem Hörverlust. Heilungszeit: 4–8 Wochen ohne Tauchen.

Sinusbarotrauma: Einblutung in die Nasennebenhöhlen. Betroffene tauchen mit Blut aus Nase oder Mund auf, erschreckend, aber meist harmlos. Trotzdem: Arzt aufsuchen.

Innerohr-Barotrauma: Selten, aber schwerwiegend. Kann zu dauerhaftem Hörverlust oder Schwindel führen. Entsteht durch zu starkes Pressen beim Ausgleichsversuch.

Luft in der Augenhöhle: Extrem selten, entsteht bei Tauchmaskenproblemen kombiniert mit Erkältung.

Tauchen in Koh Tao: Was du vor Ort tun kannst

Wenn du auf Koh Tao erkältet ankommst oder dich während des Urlaubs erkältest:

Sprich offen mit deiner Tauchschule. Seriöse Instructors wie bei Big Blue Diving oder anderen führenden Schulen auf der Insel werden dir sagen, ob du fit genug bist. Sie lieber vorher zu fragen als hinterher einen Arzt aufsuchen.

Es gibt eine Tauchkammer auf Koh Samui. Bei schweren Barotraumas oder Dekompressionsproblemen ist die nächste Druckkammer auf Koh Samui (~2 Stunden mit Fähre). Das ist kein Katastrophenplan, sondern Teil einer guten Tauchversicherung.

Gönn dir Auszeit im Wasser. Koh Tao ist wunderschön auch ohne Pressluftflasche. Schnorcheln an Shark Bay oder ein Kajakausflug nach Koh Nang Yuan sind wertvolle Alternativen.

Fazit: Lieber einen Tag warten als wochenlang Pause

Die Faustregel erfahrener Taucher lautet: “When in doubt, sit it out.” Eine Erkältung beim Tauchen zu ignorieren ist keine Zähigkeit, es ist ein vermeidbares Risiko.

Zwei bis drei Tage Pause bei einer leichten Erkältung kosten dich vielleicht 4–6 Tauchgänge. Ein Trommelfellriss kostet dich den Rest des Urlaubs und eventuell noch mehr.

Ich habe auf Koh Tao Taucher getroffen, die mit blutenden Ohren aus dem Wasser kamen, weil sie dachten, ein bisschen Schnupfen sei kein Problem. Es war ein Problem.

Warte, bis du wirklich fit bist. Das Meer läuft nirgendwo weg.


FAQ: Häufige Fragen zum Tauchen mit Erkältung

Kann ich Nasenspray nehmen und dann tauchen? Das ist riskant. Abschwellende Mittel (Xylometazolin) halten 6–8 Stunden, können aber unter Wasser früher nachlassen. Wenn das Mittel während des Tauchgangs nachlässt, schwillt die Schleimhaut wieder an, und du kannst nicht mehr ausgleichen. Nur in begründeten Ausnahmefällen und bei sehr flachen Tauchgängen akzeptabel.

Wie lange nach einer Erkältung muss ich warten? Mindestens bis alle Symptome vollständig abgeklungen sind. Ideal sind 24–48 Stunden symptomfreie Zeit, bevor du wieder tauchst. Bei schwereren Erkältungen mit Ohrbeteiligung: bis der Arzt grünes Licht gibt.

Ich hab beim Tauchen geblutet aus der Nase, was tun? Tauchgang sofort abbrechen. Auf dem Boot Blutung stoppen (Kopf leicht nach vorne neigen, nicht zurück). Wenn die Blutung stark ist oder nicht aufhört: Arzt auf Koh Tao aufsuchen (z. B. Ban’s Diving Resort hat ärztliche Betreuung vor Ort). Dokumentiere Tiefe und Dauer des Tauchgangs.

Kann ich Schnorcheln gehen, wenn ich erkältet bin? In der Regel ja. Schnorcheln erfordert keinen Druckausgleich (du bleibst ja an der Oberfläche). Ausnahme: Wenn du Apnoe-Tauchgänge planst oder regelmäßig abtauchst, gelten die gleichen Einschränkungen wie beim Gerätetauchen.

Hilft Meerwasser bei der Erkältung? Salzwasser hat eine leicht desinfizierende Wirkung und kann die Schleimhäute ausspülen, in der Nase angewendet (Nasendusche). Ins Meer zu springen bei laufender Nase ist kein Heilmittel und auch kein Tauchen-Ersatz. Das Wasser reizt die ohnehin geschwollenen Schleimhäute eher zusätzlich.

Kann ich mit leichter Erkältung tauchen? Mit leichter Erkältung ist Tauchen möglich, wenn die Nase vollständig frei ist, der Druckausgleich auf Meereshöhe schmerzfrei klappt und kein Druck auf Ohren oder Stirn besteht. Tiefe unter 10 Meter halten und beim ersten Anzeichen von Beschwerden sofort abbrechen. Im Zweifel: lieber einen Tag warten.

Darf man mit Halsschmerzen tauchen? Leichte Halsreizung ohne Fieber und mit freier Nase schließt Tauchen nicht automatisch aus. Starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Fieber sind ein klares Stop-Signal: Eine Rachenentzündung kann auf die Ohren übergreifen und den Druckausgleich unmöglich machen. Bei Unsicherheit: Tauchlehrer vor dem Einstieg fragen.


Affiliate-Hinweis: Mit * markierte Links sind Amazon-Affiliate-Links. Du zahlst denselben Preis, ich erhalte eine kleine Provision, die diese Seite unterstützt.

#erkältung tauchen #tauchen schnupfen #druckausgleich probleme #tauchsicherheit #koh tao #barotrauma #tauchen leichte erkältung #tauchen halsschmerzen