Tauchen mit Erkältung – Wann ist es sicher, wann nicht?
Erkältet tauchen auf Koh Tao? Wann es gefährlich wird, welche Risiken drohen und wie du einen Barotrauma vermeidest. Mit klaren Regeln für Taucher.
Du hast deinen Tauchurlaub auf Koh Tao monatelang geplant – und dann erwischt es dich kurz vorher: Schnupfen, verstopfte Nase, Druck auf den Ohren. Darf man trotzdem tauchen?
Die kurze Antwort: Meistens nein. Und ich sage das als jemand, der genau diese Situation selbst durchgemacht hat – und die Konsequenzen kennt.
Hier erfährst du, was bei einer Erkältung unter Wasser passiert, welche Risiken drohen und wann Tauchen wirklich noch vertretbar ist.
Was passiert im Körper beim Tauchen mit Erkältung?
Beim Tauchen musst du ständig Druckausgleich machen – in den Ohren, den Nasennebenhöhlen und der Stirnhöhle. Das funktioniert über schmale Verbindungskanäle zwischen diesen Hohlräumen und dem Außenbereich.
Bei einer Erkältung sind diese Kanäle entzündet, geschwollen und oft mit Schleim verstopft. Die Folge: Luft kann nicht mehr frei zirkulieren. Wenn der Druck beim Abtauchen steigt, können sich diese eingeschlossenen Lufträume nicht anpassen.
Das nennt sich Barotrauma – und es ist schmerzhaft bis ernsthaft gefährlich.
Betroffene Bereiche beim Erkältungs-Tauchen
Ohren: Die Eustachische Röhre verbindet das Mittelohr mit dem Rachenraum. Ist sie durch Schleim blockiert, kannst du nicht ausgleichen. Das Resultat: Ohr-Squeeze, im schlimmsten Fall ein Trommelfellriss.
Nasennebenhöhlen: Frontal-, Kiefer- und Stirnhöhlen sind luftgefüllte Räume, die ebenfalls ausgeglichen werden müssen. Eine verstopfte Nasenschleimhaut blockiert die kleinen Öffnungen. Beim Abstieg entsteht Unterdruck in den Höhlen – das fühlt sich an wie ein Nagel im Gesicht.
Beim Aufstieg: Noch tückischer ist das Barotrauma beim Aufstieg. Hat sich während des Tauchgangs Schleim gelöst und die Verbindungswege blockiert, kann sich Luft beim Auftauchen nicht mehr ausdehnen – sogenanntes Reverse Squeeze, das oft intensiver schmerzt als beim Abstieg.
Die häufigsten Fehler bei erkälteten Tauchern
Abschwellende Nasensprays als “Lösung”
Viele Taucher greifen zu Nasensprays mit abschwellendem Wirkstoff – und tauchen dann trotzdem. Das ist gefährlich. Der Wirkstoff (meist Xylometazolin) hält 6–8 Stunden. Unter Wasser kann das Mittel jedoch früher nachlassen. Dann schwillt die Schleimhaut mitten im Tauchgang an – und der Druckausgleich funktioniert plötzlich nicht mehr.
Dieses “Rebound”-Phänomen kann bei einem Tauchgang von 45+ Minuten auftreten. Du bist dann tief, der Ausgleich blockiert, und der Aufstieg wird zur Qual.
Schmerz ignorieren und weitertauchen
Schmerz beim Ausgleichen ist ein klares Stop-Signal. Wer trotzdem weiter abtaucht, riskiert einen Trommelfellriss oder eine Einblutung in die Nasennebenhöhlen. Ich habe Taucher erlebt, die mit Blut aus der Nase auftauchten – was passiert ist, wenn man Druckausgleichsprobleme ignoriert.
”Es ist nur eine leichte Erkältung”
“Leicht” ist relativ. Selbst wenn du dich gut fühlst, können deine Schleimhäute noch angeschwollen sein. Der entscheidende Test ist nicht, wie du dich fühlst – sondern ob deine Luftwege frei sind.
Der Selbst-Test: Bist du fit zum Tauchen?
Bevor du ins Wasser gehst, mach diesen einfachen Test:
Valsalva-Test: Halte Nase und Mund zu und puste sachte. Kannst du beide Ohren leicht und schmerzfrei ausgleichen? Dann sieht es gut aus.
Nasendurchgängigkeit: Drücke ein Nasenloch zu und atme durch das andere. Geht das problemlos und ohne Druck? Dann das gleiche mit der anderen Seite.
Kieferhöhlen-Test: Beuge dich nach vorne (Oberkörper parallel zum Boden) und schüttle leicht den Kopf. Spürst du Druck oder Schmerz im Gesicht? Dann sind deine Nasennebenhöhlen betroffen.
Klare Regel: Wenn irgendeins dieser Tests unangenehm ist, nicht tauchen.
Wann ist Tauchen noch vertretbar?
Es gibt Situationen, in denen leichte Erkältungssymptome das Tauchen nicht zwingend ausschließen – aber das Risiko bleibt immer erhöht.
Möglicherweise noch okay:
- Nur leichtes Schnupfen ohne Nase zu (klarer Sekret, keine Verstopfung)
- Kein Druck auf Ohren oder Nasennebenhöhlen
- Druckausgleich auf Meereshöhe problemlos möglich
- Kein Fieber, keine Halsbeschwerden
- Geplante Tauchtiefe unter 10 Meter
Definitiv nicht tauchen:
- Verstopfte Nase oder eines/beide Ohren zu
- Druckgefühl im Gesicht oder Kopf
- Husten oder Schleim in der Lunge
- Fieber (ab 37,5°C)
- Halsschmerzen oder Mandelentzündung
- Druckausgleich bereits auf Oberfläche schwierig
Was tun, wenn du trotzdem tauchen willst?
Option 1: Tauchgang flach halten
Wenn du milde Symptome hast und unbedingt ins Wasser möchtest, begrenze die Tiefe auf 5–8 Meter. Dort ist der Druckunterschied deutlich geringer. Ein Schnorcheltag wäre allerdings die bessere Wahl – du bist trotzdem im Wasser, ohne Risiko.
Option 2: Warten lohnt sich
Auf Koh Tao kannst du täglich tauchen. Eine Pause von 2–3 Tagen kostet dich ein paar Tauchgänge, aber kein dauerhafter Schaden. Ein Trommelfellriss hingegen bedeutet 4–6 Wochen Tauchpause – und das mitten in deinem Urlaub.
Option 3: Ohrentropfen als Prävention
Taucher, die anfällig für Ohrprobleme sind, schwören auf Ohrentropfen als vorbeugenden Schutz. Das verhindert zwar keine Erkältung, aber hält den Gehörgang gesund. Bewährt haben sich zum Beispiel Ear Pro Ohrenspray* – ein auf Meerwasserbasis formuliertes Mittel, das ich selbst nach jedem Tauchgang benutze.
Was tun bei Schmerzen während des Tauchgangs?
Wenn du mitten in einem Tauchgang Schmerzen beim Ausgleichen bekommst:
- Stopp. Nicht weiter abtauchen.
- Langsam 1–2 Meter auftauchen – oft löst sich der Druckunterschied dadurch.
- Sanft versuchen auszugleichen (Valsalva – nicht zu fest pressen).
- Wenn kein Ausgleich möglich: kontrolliert auftauchen, Tauchgang abbrechen.
- Nicht wieder abtauchen an diesem Tag.
Schmerz ist ein Signal – kein Hindernis, das du ignorieren kannst.
Welche Risiken entstehen durch ein Barotrauma?
Ein nicht behandeltes Barotrauma kann zu ernsthaften Komplikationen führen:
Trommelfellriss: Schmerzhaft, heilbar, aber verbunden mit Tinnitus und vorübergehendem Hörverlust. Heilungszeit: 4–8 Wochen ohne Tauchen.
Sinusbarotrauma: Einblutung in die Nasennebenhöhlen. Betroffene tauchen mit Blut aus Nase oder Mund auf – erschreckend, aber meist harmlos. Trotzdem: Arzt aufsuchen.
Innerohr-Barotrauma: Selten, aber schwerwiegend. Kann zu dauerhaftem Hörverlust oder Schwindel führen. Entsteht durch zu starkes Pressen beim Ausgleichsversuch.
Luft in der Augenhöhle: Extrem selten, entsteht bei Tauchmaskenproblemen kombiniert mit Erkältung.
Tauchen in Koh Tao: Was du vor Ort tun kannst
Wenn du auf Koh Tao erkältet ankommst oder dich während des Urlaubs erkältest:
Sprich offen mit deiner Tauchschule. Seriöse Instructors wie bei Big Blue Diving oder anderen führenden Schulen auf der Insel werden dir sagen, ob du fit genug bist. Sie lieber vorher zu fragen als hinterher einen Arzt aufsuchen.
Es gibt eine Tauchkammer auf Koh Samui. Bei schweren Barotraumas oder Dekompressionsproblemen ist die nächste Druckkammer auf Koh Samui (~2 Stunden mit Fähre). Das ist kein Katastrophenplan, sondern Teil einer guten Tauchversicherung.
Gönn dir Auszeit im Wasser. Koh Tao ist wunderschön auch ohne Pressluftflasche. Schnorcheln an Shark Bay oder ein Kajakausflug nach Koh Nang Yuan sind wertvolle Alternativen.
Fazit: Lieber einen Tag warten als wochenlang Pause
Die Faustregel erfahrener Taucher lautet: “When in doubt, sit it out.” Eine Erkältung beim Tauchen zu ignorieren ist keine Zähigkeit – es ist ein vermeidbares Risiko.
Zwei bis drei Tage Pause bei einer leichten Erkältung kosten dich vielleicht 4–6 Tauchgänge. Ein Trommelfellriss kostet dich den Rest des Urlaubs und eventuell noch mehr.
Ich habe auf Koh Tao Taucher getroffen, die mit blutenden Ohren aus dem Wasser kamen – weil sie dachten, ein bisschen Schnupfen sei kein Problem. Es war ein Problem.
Warte, bis du wirklich fit bist. Das Meer läuft nirgendwo weg.
FAQ: Häufige Fragen zum Tauchen mit Erkältung
Kann ich Nasenspray nehmen und dann tauchen? Das ist riskant. Abschwellende Mittel (Xylometazolin) halten 6–8 Stunden, können aber unter Wasser früher nachlassen. Wenn das Mittel während des Tauchgangs nachlässt, schwillt die Schleimhaut wieder an – und du kannst nicht mehr ausgleichen. Nur in begründeten Ausnahmefällen und bei sehr flachen Tauchgängen akzeptabel.
Wie lange nach einer Erkältung muss ich warten? Mindestens bis alle Symptome vollständig abgeklungen sind. Ideal sind 24–48 Stunden symptomfreie Zeit, bevor du wieder tauchst. Bei schwereren Erkältungen mit Ohrbeteiligung: bis der Arzt grünes Licht gibt.
Ich hab beim Tauchen geblutet aus der Nase – was tun? Tauchgang sofort abbrechen. Auf dem Boot Blutung stoppen (Kopf leicht nach vorne neigen, nicht zurück). Wenn die Blutung stark ist oder nicht aufhört: Arzt auf Koh Tao aufsuchen (z. B. Ban’s Diving Resort hat ärztliche Betreuung vor Ort). Dokumentiere Tiefe und Dauer des Tauchgangs.
Kann ich Schnorcheln gehen, wenn ich erkältet bin? In der Regel ja – Schnorcheln erfordert keinen Druckausgleich (du bleibst ja an der Oberfläche). Ausnahme: Wenn du Apnoe-Tauchgänge planst oder regelmäßig abtauchst, gelten die gleichen Einschränkungen wie beim Gerätetauchen.
Hilft Meerwasser bei der Erkältung? Salzwasser hat eine leicht desinfizierende Wirkung und kann die Schleimhäute ausspülen – in der Nase angewendet (Nasendusche). Ins Meer zu springen bei laufender Nase ist kein Heilmittel und auch kein Tauchen-Ersatz. Das Wasser reizt die ohnehin geschwollenen Schleimhäute eher zusätzlich.
Affiliate-Hinweis: Mit * markierte Links sind Amazon-Affiliate-Links. Du zahlst denselben Preis – ich erhalte eine kleine Provision, die diese Seite unterstützt.