Tauchcomputer richtig einstellen: Anleitung für Einsteiger 2026
Tauchcomputer einrichten, einstellen und richtig ablesen – die komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung für Einsteiger. Nitrox, Sicherheitsstopp, Einheiten und mehr.
Du hast deinen ersten eigenen Tauchcomputer. Du hast ihn ausgepackt, die Batterie eingelegt oder aufgeladen — und dann schaust du auf das Display und fragst dich: Was muss ich jetzt eigentlich einstellen? Was bedeutet das alles? Und wie lese ich das unter Wasser richtig ab?
Diese Frage stellt sich fast jeder Taucher, der seinen ersten Computer kauft. Die Antwort ist einfacher als du denkst — und gleichzeitig wichtig genug, um sie einmal gründlich anzugehen.
Tauchcomputer einstellen – Kurzantwort
Vor dem ersten Einsatz stellst du an deinem Tauchcomputer Datum und Uhrzeit, Einheitensystem (Meter/Celsius), Sicherheitsstopp, Konservatismus und — wenn du Nitrox tauchst — die Sauerstoffkonzentration ein. Die meisten dieser Einstellungen bleiben dauerhaft gespeichert und müssen nur einmal konfiguriert werden. Die Nitrox-Einstellung wird vor jedem Tauchgang mit Nitrox-Flasche neu gesetzt.
Schritt 1: Erste Einrichtung — die Grundeinstellungen
Wenn du deinen Tauchcomputer zum ersten Mal einschaltest, musst du einige Grundeinstellungen vornehmen. Die genaue Menüführung ist modellabhängig — konsultiere dazu die Bedienungsanleitung deines Computers. Die Einstellungen selbst sind aber bei fast allen Computern identisch.
Datum und Uhrzeit
Stelle das aktuelle Datum und die Uhrzeit ein. Das ist nicht nur für das Tauchlogbuch im Computer wichtig — der Computer berechnet auch deine Oberflächenpausen auf Basis der Uhrzeit. Wenn Datum und Uhrzeit falsch sind, stimmt das Stickstoffprofil in deinem Log nicht.
Einheitensystem: Meter oder Fuß, Celsius oder Fahrenheit
Für deutsche Taucher: Immer Meter und Celsius einstellen. Das ist das in Europa und Thailand verwendete System. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass ein Computer ab Werk auf Imperial (Fuß/Fahrenheit) eingestellt ist — dann findest du die Umstellung in den System-Einstellungen.
Sprache
Viele Computer bieten mehrere Sprachen. Deutsch ist bei gängigen Modellen wie Suunto, Cressi oder Mares verfügbar.
Schritt 2: Sicherheitsstopp einstellen
Der Sicherheitsstopp ist einer der wichtigsten Parameter. Er bestimmt, ob dein Computer einen 3-Minuten-Stopp bei 5 Metern automatisch anzeigt — und ob er als “Empfehlung” oder als “Pflicht” behandelt wird.
Was bedeutet “empfohlener” vs. “verpflichtender” Sicherheitsstopp?
Bei den meisten Computern gibt es zwei Einstellungsoptionen:
Empfohlener Sicherheitsstopp: Der Computer zeigt den Stopp an, aber wenn du einfach weiterfährst und auftauchst, zählt das nicht als Verstoß. Du bekommst keine Warnung.
Aktivierter Pflicht-Sicherheitsstopp: Steigst du aus dem Stoppfenster auf, bevor die Zeit abgelaufen ist, gibt es einen Alarm. Bei manchen Computern sperrt er für eine Wartezeit.
Empfehlung: Aktiviere den Sicherheitsstopp als Standardverhalten. Nach Tauchgängen tiefer als 10 Meter ist ein 3-Minuten-Stopp bei 5 Metern gute Praxis — nicht nur Pflicht. Mehr dazu im Sicherheitsstopp-Guide.
Schritt 3: Konservatismus einstellen
Fast jeder Tauchcomputer erlaubt es, den Konservatismus-Grad einzustellen — also wie “vorsichtig” der Algorithmus deine Stickstoffaufnahme und damit deine Nullzeiten berechnet.
Typische Einstellungen sind P0 bis P5 (Suunto) oder vergleichbare Skalen (manchmal als “Conservatism Level 1–3”). Niedriger Wert = kürzere Nullzeiten, höherer Wert = längere Nullzeiten (vorsichtiger).
Was sollst du als Einsteiger nehmen?
Einsteiger und Gelegenheitstaucher: Mittlere oder hohe Konservatismus-Stufe. Dein Körper reagiert möglicherweise empfindlicher auf Stickstoff als der eines erfahrenen Vieltauchers, und du bist weniger geübt darin, Aufstiegsgeschwindigkeit und Stopp-Zeiten präzise einzuhalten.
Fortgeschrittene und regelmäßige Taucher: Mittlere Stufe als guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Nutzbarkeit.
Was du nicht tun solltest: Konservatismus auf Maximum reduzieren, um mehr Tauchzeit zu haben. Das ist der häufigste Fehler bei jungen Tauchern. Die gewonnenen Minuten sind nicht das Risiko wert.
Schritt 4: Nitrox einstellen — wenn du Enriched Air tauchst
Wenn du Nitrox (Enriched Air) tauchst — also ein Gasgemisch mit mehr als 21 % Sauerstoff — musst du das deinem Tauchcomputer mitteilen. Tust du es nicht, berechnet er mit 21 % Sauerstoff (Normluft) und gibt dir möglicherweise falsche oder zu kurze Nullzeiten an.
Wie du Nitrox einstellst
Vor jedem Nitrox-Tauchgang:
- Öffne das Menü des Tauchcomputers (meist durch Halten einer Taste)
- Wähle den Nitrox-Modus oder die Gasmix-Einstellung
- Gib die Sauerstoffkonzentration (% O₂) deiner Flasche ein — z.B. 32 % für EAN32
- Bestätige und verlasse das Menü
Die Zahl auf deiner Flasche findest du auf dem Aufkleber, der nach jeder Befüllung angebracht wird. Lies sie selbst ab — verlasse dich nicht auf die Aussage des Tauchboots.
Wichtig: Wenn du nach einem Nitrox-Tauchgang wieder auf Normluft (Pressluft) zurückwechselst, musst du auch den Computer wieder auf 21 % zurückstellen. Manche Computer setzen das automatisch zurück, andere nicht — check es.
Was ist der MOD — und warum zeigt ihn dein Computer?
Der MOD (Maximum Operating Depth) ist die maximale Tiefe, in der du deine Nitrox-Mischung noch sicher atmen kannst, ohne das Risiko einer Sauerstoffvergiftung zu überschreiten. Je höher der Sauerstoffgehalt deiner Mischung, desto flacher ist der MOD.
Für EAN32: MOD ≈ 34 m
Für EAN36: MOD ≈ 29 m
Dein Computer zeigt den MOD an und warnt dich, wenn du ihn überschreitest. Das ist kein theoretischer Wert — nimm die Warnung ernst.
Schritt 5: Was du unter Wasser abliest
Sobald du den Tauchcomputer ins Wasser hältst oder ihn aktivierst, wechselt er in den Tauchmodus. Diese Werte werden dir während des Tauchgangs angezeigt:
| Anzeige | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Tiefe (m) | Aktuelle Tiefe in Metern |
| Max. Tiefe | Maximale Tiefe dieses Tauchgangs |
| Zeit (min) | Bisherige Tauchzeit in Minuten |
| NDL / Nullzeit (min) | Wie viele Minuten du auf dieser Tiefe noch bleiben kannst, ohne Deko-Stopp |
| Wassertemperatur | In Celsius |
| Aufstiegsrate | Aktuell (gut wenn kein Pfeil oder kein Alarm) |
Die Nullzeit ist der wichtigste Wert. Sie schrumpft mit zunehmender Tiefe und Tauchzeit. Wenn sie gegen null geht, musst du aufsteigen. Wenn du sie überschreitest, wechselt der Computer in den Dekompressionsmodus — das bedeutet: Du hast obligatorische Deko-Stopps auf dem Weg nach oben. Das willst du als Sporttaucher vermeiden. Plane so, dass die Nullzeit immer eine Sicherheitsmarge behält.
Schritt 6: Aufstieg und Sicherheitsstopp
Beim Aufstieg achtet dein Computer auf zwei Dinge:
Aufstiegsgeschwindigkeit: Die meisten Computer erlauben 9–10 Meter pro Minute maximal. Wenn du schneller auftauchst, gibt es einen Alarm — typischerweise ein Piep-Ton und ein Pfeil-Symbol. Bremse sofort. Kontrolliertes, langsames Aufsteigen ist kein Luxus, sondern Grundschutz gegen Dekompressionskrankheit.
Sicherheitsstopp: Bei etwa 5–6 Metern beginnt der Computer, den 3-Minuten-Countdown zu zählen. Bleib ruhig in der Tiefe, gleiche deinen Auftrieb aus und warte. Danach auftauchen.
Schritt 7: Nach dem Tauchgang — Logbuch und Oberflächenpause
Nach dem Tauchgang wechselt dein Computer automatisch in den Oberflächenmodus. Hier siehst du:
- Maximale Tiefe des letzten Tauchgangs
- Tauchzeit gesamt
- Stickstoffsättigung / No-Fly-Zeit — wann du wieder fliegen darfst
- Bei manchen Modellen: Empfehlung für die minimale Oberflächenpause
Die No-Fly-Zeit ist der Zeitraum, in dem du nach dem Tauchen nicht in ein Flugzeug einsteigen solltest — der Druckverlust in der Kabine kann Stickstoff-Blasen auslösen. Mehr dazu im Fliegen-nach-dem-Tauchen-Guide.
Lies den Tauchgang auch in deinem Tauchlogbuch nach — entweder manuell oder über die App deines Computers (falls vorhanden).
Die häufigsten Fehler beim Tauchcomputer
Nitrox nicht umgestellt: Du tauchst Enriched Air, aber der Computer ist auf 21 % eingestellt. Dann bekommen du falsche Nullzeiten und weißt nichts vom MOD.
Konservatismus auf Minimum: Um mehr Nullzeit zu gewinnen. Das ist der Fehler, den erfahrene Tauchinstruktoren am häufigsten bei Tauchschülerinnen und -schülern sehen.
Tauchcomputer nicht akklimatisiert: Ein Tauchcomputer, der direkt aus der Hitze (Boot, Tauchbag) ins Wasser kommt, kann kurz falsche Temperaturwerte anzeigen. Kein Sicherheitsproblem, aber gut zu wissen.
Tauchcomputer für einen Tauchgang geteilt: Niemals. Jeder Taucher braucht seinen eigenen Computer. Ein Computer speichert das individuelle Stickstoffprofil eines Tauchers — zwei Taucher können unmöglich denselben Computer nutzen, wenn einer von ihnen gerade getaucht hat.
Welcher Tauchcomputer für Einsteiger?
Wenn du noch keinen Computer hast und überlegst, welchen du kaufen sollst, sind für Koh Tao und Warmwassertauchen diese Modelle besonders empfehlenswert:
Budget-Einsteiger: Der Cressi Leonardo ist der günstigste zuverlässige Computer auf dem Markt — einfaches Interface, gut lesbares Display, solider Algorithmus. Ideal wenn du noch nicht sicher bist, wie intensiv du weiter tauchen wirst.
Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Suunto Zoop Novo ist der klassische Allrounder. Gut lesbar auch bei Nacht, Nitrox-fähig, mit Freediving-Modus. Für den Alltag auf Koh Tao praktisch optimal.
Für Vieltaucher und Fortgeschrittene: Der Garmin Descent G2 ist ein Premium-Tauchcomputer mit GPS, Smartwatch-Funktionen und exzellentem Display. Sinnvoll wenn du regelmäßig und intensiv tauchst oder Nitrox und mehrere Gasmischungen nutzt.
Einen ausführlichen Vergleich aller Modelle findest du im Tauchcomputer-Vergleich.
FAQ: Tauchcomputer einstellen und benutzen
Muss ich meinen Tauchcomputer nach jedem Tauchgang ausschalten? Nein und in vielen Fällen solltest du das auch nicht. Solange dein Computer im Oberflächenmodus ist, trackt er die Stickstoff-Abgabe deines Körpers — das ist für die Planung des nächsten Tauchgangs wichtig. Ausschalten nach dem letzten Tauchgang des Tages ist in Ordnung.
Was bedeutet “Lock” oder “Tauchcomputer gesperrt” nach einem Tauchgang? Manche Computer sperren sich für einen gewissen Zeitraum nach einem Tauchgang, in dem ein Deko-Stopp übertreten wurde. Das ist eine Sicherheitsfunktion — der Computer verhindert damit, dass du sofort wieder tauchen gehst. Warte, bis die Sperre abläuft.
Was tue ich, wenn mein Computer mitten beim Tauchen ausfällt? Tauche sofort kontrolliert auf. Mache einen Sicherheitsstopp bei 5 Metern, auch wenn du nicht weißt, wie lange du schon getaucht bist oder wie tief du warst. Ohne Computer tauchst du nicht mehr weiter. Das ist kein übertriebenes Protokoll — ohne Nullzeitinformation ist Tauchen ein unkontrolliertes Risiko.
Kann ich meinen Tauchcomputer auch zum Schnorcheln nutzen? Ja. Die meisten Computer haben einen Oberflächenmodus und einen Freediving-Modus. Zum Schnorcheln ohne Abtauchen brauchst du ihn nicht aktiv — aber er schadet auch nicht.
Wie oft muss ich die Batterie wechseln oder laden? Das hängt stark vom Modell ab. Austauschbare Batterien (z.B. CR2450) halten typischerweise 1–2 Jahre bei normalem Gebrauch. Aufladbare Modelle wie der Garmin Descent laden per USB-C und halten mehrere Wochen. Immer vor einem Tauchtrip den Ladezustand prüfen.
Fazit
Ein Tauchcomputer ist kein Spielzeug und kein Luxus — er ist dein wichtigstes Sicherheitsinstrument. Aber er kann diese Rolle nur übernehmen, wenn du ihn richtig einstellst und weißt, was du auf dem Display siehst.
Einmal korrekt konfiguriert, läuft er zuverlässig. Die wichtigsten Einstellungen — Konservatismus, Sicherheitsstopp und Nitrox — sind in fünf Minuten gesetzt. Was danach kommt, ist Übung: Display lesen, Nullzeit im Auge behalten, Aufstiegsgeschwindigkeit kontrollieren.
Und wenn du den Dreh raus hast, wirst du dich fragen, wie du jemals ohne getaucht bist.