Sicherheitsstopp beim Tauchen: Warum 3 Minuten auf 5 Metern so wichtig sind
Sicherheitsstopp beim Tauchen: Was er bewirkt, warum auf 5 Metern, wie lang und was passiert wenn du ihn weglässt. Alles was Taucher wissen müssen.
„Der Sicherheitsstopp dauert drei Minuten und ist eigentlich egal.” Ich habe diesen Satz von einem Divemaster auf Koh Tao gehört — und er ist falsch. Nicht gefährlich falsch, aber falsch genug, um ihn richtigzustellen. Denn der Sicherheitsstopp gehört zu den einfachsten und wirkungsvollsten Maßnahmen, mit denen du das Risiko einer Dekompressionskrankheit reduzierst. Und wer täglich zwei bis vier Tauchgänge auf Koh Tao macht, sollte das verstehen.
Kurz & knapp: Was ist der Sicherheitsstopp?
Der Sicherheitsstopp ist ein dreiminütiger Halt auf 5 Metern Tiefe am Ende jedes Tauchgangs. Er gibt dem Körper zusätzliche Zeit, im Gewebe gelösten Stickstoff abzubauen, bevor du an die Oberfläche steigst. Er ist bei Freizeittauchgängen innerhalb der Nullzeiten technisch nicht verpflichtend — wird aber von allen Tauchorganisationen dringend empfohlen und von erfahrenen Tauchern konsequent gemacht.
Die Physik dahinter: Was passiert ohne Sicherheitsstopp?
Wenn du tauchst, atmest du Druckluft, die anteilig zu 79 % aus Stickstoff besteht. Unter dem erhöhten Druck in der Tiefe löst sich dieser Stickstoff im Blut und im Gewebe. Je tiefer und länger du tauchst, desto mehr Stickstoff reichert sich an.
Beim Aufstieg sinkt der Umgebungsdruck. Der gelöste Stickstoff muss jetzt über die Lungen abgeatmet werden. Das funktioniert, wenn du langsam genug aufsteigst — der Körper schafft es, den Stickstoff kontrolliert abzugeben. Steigst du zu schnell auf, entsteht das bekannte Problem: Stickstoffblasen im Gewebe, was zu einer Dekompressionskrankheit führen kann.
Der Sicherheitsstopp auf 5 Metern fügt dem kontrollierten Aufstieg eine letzte Pufferphase hinzu. In dieser Zone — bei nur noch 1,5 bar Absolutdruck — gibt der Körper überraschend viel restlichen Stickstoff ab. Studien zeigen, dass ein korrekt durchgeführter Sicherheitsstopp die im Gewebe verbleibende Stickstoffmenge messbar reduziert, verglichen mit einem direkten Aufstieg.
Warum 5 Meter und nicht 3 Meter?
Viele Taucher kennen die Regel „3 Minuten auf 3 bis 5 Metern”. Die exakte Tiefe variiert je nach Ausbildungsorganisation leicht, aber 5 Meter hat sich als praktischer Standard durchgesetzt — aus einem einfachen Grund.
Auf 3 Metern Tiefe bist du sehr nah an der Oberfläche. Kleine Schwankungen durch Wellen, Strömung oder schlechte Tarierkontrolle treiben dich schnell nach oben. Wer auf 5 Metern stoppt, hat mehr Spielraum. Ein unkontrollierter Auftrieb von 3 Metern auf die Oberfläche ist harmlos — ein unkontrollierter Auftrieb von 5 Metern auf 2 Meter und dann sofort hoch ist immer noch akzeptabler als von 3 Metern auf null.
Kurzum: 5 Meter ist robuster gegenüber Tarierfehler. Gerade für Anfänger und Taucher mit weniger Erfahrung in der Auftriebskontrolle ist die etwas größere Tiefe ein sicherer Puffer.
Wie lange? Die Unterschiede zwischen 3 und 5 Minuten
Der Standard für den Sicherheitsstopp ist 3 Minuten. In bestimmten Situationen empfehlen Tauchinstruktoren 5 Minuten:
- Nach einem Tauchgang nahe an den Nullzeiten (du warst lange tief)
- An einem Tag mit drei oder vier Tauchgängen hintereinander
- Wenn du bei einem Wiederholungstauchgang bereits erhöhte Gewebesättigung hast
- Nach dem letzten Tauchgang eines mehrtägigen intensiven Tauchprogramms
Auf Koh Tao, wo viele Taucher morgens und nachmittags je zwei Tauchgänge machen, empfehle ich generell, beim letzten Tauchgang des Tages mindestens 5 Minuten auf 5 Metern zu machen. Der Mehraufwand: 2 Minuten. Der Nutzen: spürbar weniger kumulative Stickstoffbelastung.
Pflicht oder Empfehlung? Die klare Antwort
Bei Nullzeittauchgängen (also Tauchgängen, bei denen du keine Dekompressionsaufenthalte berechnen musst) ist der Sicherheitsstopp nach PADI- und SSI-Standard nicht verpflichtend, aber dringend empfohlen. Es gibt technisch gesehen keine Dekopflicht.
Bei Dekompressionstauchgängen (Tauchgänge, bei denen du die Nullzeit überschritten hast) ist ein Dekostopp auf bestimmten Tiefen hingegen Pflicht — das ist etwas anderes als der Sicherheitsstopp. Wer diese Stopps ignoriert, riskiert direkt eine Dekompressionskrankheit.
Der Sicherheitsstopp liegt also in einer Mittelzone: technisch kein Muss, praktisch unverzichtbar. Kein erfahrener Taucher lässt ihn weg.
So machst du einen guten Sicherheitsstopp
Ein Sicherheitsstopp klingt einfach — ist es im Prinzip auch — aber es gibt ein paar häufige Fehler:
Die Tiefe halten
Die größte Herausforderung für Anfänger: auf 5 Metern bleiben, ohne kontinuierlich auf- oder abzutreiben. Hierbei zeigt sich die Auftriebskontrolle in ihrer ganzen Bedeutung.
Tipps:
- Möglichst wenig Luft in die Tarierweste pumpen. Kleine Anpassungen, ruhiges Atmen.
- Ankerleine oder Boje nutzen. Die meisten Tauchboote auf Koh Tao lassen eine Ankerleine hängen — halte dich sanft daran fest. Das stabilisiert auf 5 Metern enorm.
- SMB aufblasen. Wenn du eine Signalboje (SMB) dabeihat, ist der Sicherheitsstopp der richtige Moment, sie aufzublasen und an die Oberfläche zu schicken. So weißt du, wo du bist, das Boot weiß, wo du bist, und du hast eine Leine zum Halten.
Eine Signalboje (SMB) gehört zur Grundausrüstung jeden Tauchers — besonders auf Koh Tao, wo manchmal mehrere Boote auf engstem Raum operieren.
Die Zeit messen
Verlass dich nicht auf dein Gefühl. Drei Minuten fühlen sich unter Wasser wie eine Minute an — oder wie zehn, je nach Situation. Dein Tauchcomputer zeigt dir die Tiefe und eine Stoppuhr an, mit der du die Zeit zuverlässig messen kannst. Die meisten modernen Tauchcomputer haben sogar einen eingebauten Sicherheitsstopp-Timer, der aktiv wird, sobald du auf 5 Meter steigst.
Ruhig atmen
Keine hektischen Bewegungen. Kein hektisches Luftablassen. Im Sicherheitsstopp atmet man tief und gleichmäßig — das unterstützt die Stickstoffabgabe über die Lunge am effektivsten.
Mehrere Tauchgänge am Tag: Warum der Sicherheitsstopp dann noch wichtiger wird
Auf Koh Tao machen viele Taucher 2 bis 4 Tauchgänge am Tag — beim Open Water Kurs, beim Advanced Kurs oder beim Fun Diving. Das bedeutet: Der Körper hat nicht immer genug Zeit zwischen den Tauchgängen, um den gesamten Stickstoff abzubauen.
Jeder Folgetauchgang startet mit einer erhöhten Baseline-Stickstoffbelastung. Der Sicherheitsstopp beim zweiten, dritten und vierten Tauchgang hat dann überproportional viel Wirkung — weil du von Anfang an mehr Stickstoff im Gewebe hast, der beim Auftauchen kontrolliert abgebaut werden muss.
Meine persönliche Regel auf Koh Tao: Sicherheitsstopp immer, mindestens 3 Minuten, beim letzten Tauchgang des Tages eher 5. Und nach einem intensiven Mehrtages-Programm mit vier Tauchgängen täglich gönne ich mir den letzten Tag immer mit nur einem Tauchgang oder keinem — damit der Körper sich vollständig erholen kann.
Mehr zu den physiologischen Zusammenhängen findest du im Artikel über Dekompressionskrankheit: Symptome, Ursachen und Prävention.
Was tun, wenn du den Sicherheitsstopp nicht machen konntest?
Manchmal läuft es nicht wie geplant. Du hast zu wenig Luft für einen Sicherheitsstopp, der Tauchgang musste wegen einer Strömung abgebrochen werden oder das Boot hat Signal gegeben.
Wenn du ohne Sicherheitsstopp aufgetaucht bist:
- Ruhig bleiben. Bei einem Normaltauchgang weit innerhalb der Nullzeiten und einem einzigen Tauchgang an diesem Tag ist das Risiko trotzdem gering.
- Auf Symptome achten. In den ersten 24 Stunden nach dem Tauchgang auf Gelenkschmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ungewöhnliche Erschöpfung achten.
- Nicht sofort wieder abtauchen. Warte mindestens 1 bis 2 Stunden, bevor du den nächsten Tauchgang machst.
- Bei Symptomen sofort handeln. Viel Wasser trinken, Sauerstoff atmen, die nächste Druckkammer kontaktieren. Die nächste Druckkammer für Koh Tao ist in Koh Samui.
Für regelmäßige Taucher und Tauchurlaube lohnt sich außerdem eine Tauchversicherung für Thailand — DAN oder ähnliche Anbieter decken die Druckkammerbehandlung ab, die mehrere Tausend Euro kosten kann.
FAQ: Sicherheitsstopp beim Tauchen
Muss ich den Sicherheitsstopp machen, wenn mein Computer keinen verlangt? Technisch nein — wenn du innerhalb der Nullzeiten geblieben bist, ist kein Pflicht-Dekostopp erforderlich. Aber der Sicherheitsstopp wird trotzdem von allen erfahrenen Tauchern und Organisationen dringend empfohlen. Mach ihn einfach.
Was ist der Unterschied zwischen Sicherheitsstopp und Dekostopp? Ein Dekostopp ist bei Dekompressionstauchgängen (Überschreiten der Nullzeit) verpflichtend und kommt in verschiedenen Tiefen. Ein Sicherheitsstopp ist bei normalen Tauchgängen eine freiwillige aber sehr empfohlene Zusatzmaßnahme auf 5 Metern. Beides dient dem kontrollierten Stickstoffabbau.
Wie tief muss ich für den Sicherheitsstopp sein? Standard ist 5 Meter. Zwischen 3 und 6 Metern ist es akzeptabel. Wichtig ist, die Tiefe möglichst konstant zu halten und nicht kontinuierlich hin- und her zu treiben.
Kann ich den Sicherheitsstopp verkürzen, wenn ich wenig Luft habe? Wenn du wirklich fast leer bist, ist natürlich Aufstieg besser als zu warten bis der Atemregler schluckt. Plane aber von Anfang an genug Luft für den Sicherheitsstopp ein. Als Faustregel: mindestens 50 bar sollten zu Beginn des Aufstiegs im Tank sein.
Macht es einen Unterschied, ob ich an der Ankerleine oder frei schwebe? Funktionell kaum — aber an der Leine ist es deutlich einfacher, die Tiefe konstant zu halten. Gerade für weniger erfahrene Taucher macht eine Ankerleine den Sicherheitsstopp stressfreier und effektiver.
Wie verhalte ich mich beim Sicherheitsstopp, wenn ich eine SMB aufblasen muss? Blas die SMB auf, bevor du mit dem Stopp anfängst. Das geht am besten in 6 bis 8 Metern Tiefe: SMB aufblasen, Leine ausrollen lassen, dann auf 5 Meter steigen und dort 3 Minuten verweilen. So bist du optimal sichtbar und hast eine Leine, an der du dich halten kannst.
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