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Korallenbleiche auf Koh Tao: Ursachen, Folgen & Tipps

Korallenbleiche auf Koh Tao: Warum Korallen bleichen, welche Riffe sich erholt haben und wie du als Taucher aktiv zum Schutz beitragen kannst.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 21. März 2026
Gebleichte weiße Korallen neben gesunden bunten Korallen auf einem Riff vor Koh Tao, Thailand
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Du tauchst ab und erwartest die Farben, die du von Fotos kennst – Violett, Gelb, leuchtendes Orange. Stattdessen siehst du Weiß. Ganze Abschnitte des Riffs wie in Schnee getaucht, gespenstisch still. Keine Fische zwischen den Ästen, kein Gewimmel um die Blöcke.

Das ist Korallenbleiche. Und auf Koh Tao ist sie kein abstraktes Problem aus Dokumentarfilmen – sie ist etwas, das du unter Wasser mit eigenen Augen sehen kannst.

Korallenbleiche auf Koh Tao — die Kurzantwort

Korallenbleiche entsteht, wenn die Wassertemperatur über einen längeren Zeitraum 1–2 °C über dem saisonalen Durchschnitt liegt. Die Korallen stoßen dann ihre symbiotischen Algen (Zooxanthellen) ab, verlieren ihre Farbe und ihre wichtigste Energiequelle. Auf Koh Tao haben schwere Bleichereignisse 2010, 2016 und 2020 große Teile der Flachwasserriffe betroffen. Viele Riffe haben sich seitdem teilweise erholt – aber die Abstände zwischen den Ereignissen werden kürzer, und das ist das eigentliche Problem.

Was genau passiert bei der Korallenbleiche?

Korallen sind keine Pflanzen. Sie sind Tiere – winzige Polypen, die in Kalkgehäusen sitzen. Ihre Farbe bekommen sie nicht von sich selbst, sondern von mikroskopisch kleinen Algen, die in ihrem Gewebe leben: den Zooxanthellen (Gattung Symbiodinium).

Diese Beziehung ist eine der elegantesten Symbiosen der Natur. Die Algen betreiben Photosynthese und liefern der Koralle bis zu 90 Prozent ihrer Energie. Im Gegenzug bietet die Koralle den Algen Schutz und Nährstoffe. Beide brauchen einander.

Wenn das Wasser zu warm wird – ab etwa 30,5–31 °C im Golf von Thailand – geraten die Zooxanthellen unter Stress. Ihre Photosynthese produziert dann Sauerstoffradikale, die für die Koralle toxisch werden. Die Koralle stößt die Algen ab. Was bleibt, ist das weiße Kalkskelett, durchscheinend ohne die Farbpigmente der Algen.

Wichtig: Gebleichte Korallen sind nicht sofort tot. Sie sind geschwächt, hungern, sind anfälliger für Krankheiten – aber wenn die Temperaturen innerhalb von 4–8 Wochen wieder sinken, können die Zooxanthellen zurückkehren. Bleibt die Hitze länger, sterben die Korallen ab.

Die Bleichereignisse auf Koh Tao

2010: Das erste große Warnsignal

Im Frühsommer 2010 stiegen die Wassertemperaturen im Golf von Thailand auf über 31 °C – ein Rekord für die Region. Die Flachwasserriffe rund um Koh Tao, besonders in Tiefen von 1–6 Metern, waren massiv betroffen. Schnell wachsende Acropora-Korallen (Tisch- und Geweihkorallen) erlitten Verluste von 50–80 Prozent an einigen Standorten.

2016: Das globale Bleiche-Ereignis trifft Thailand

Das El-Niño-Jahr 2016 brachte die schlimmste globale Korallenbleiche seit Beginn der Aufzeichnungen. Weltweit waren 75 Prozent aller tropischen Riffe betroffen. Im Golf von Thailand hielten die erhöhten Temperaturen von April bis August an – deutlich länger als 2010.

Auf Koh Tao waren besonders betroffen:

  • Japanese Garden (Koh Nang Yuan) – Flachwasserbereiche bis 8 Meter mit schwerer Bleiche
  • Mango Bay – Großflächige Bleiche der Tischkorallen im Nordbereich
  • Aow Leuk – Seegraswiesen gesund, aber angrenzende Korallenfelder stark gebleicht
  • Twins – Mäßige Bleiche in den oberen Bereichen, tiefere Zonen weniger betroffen

Die Erholungsphase nach 2016 dauerte an vielen Stellen 2–3 Jahre. Einige Acropora-Bestände sind nie zurückgekehrt.

2020: Erneuter Stress, aber bessere Resilienz

Im Frühjahr 2020 stiegen die Temperaturen erneut. Diesmal war die Bleiche weniger flächendeckend als 2016, aber dennoch sichtbar – vor allem in Flachwasserbereichen unter 5 Metern. Interessanterweise zeigten einige Riffe, die 2016 schwer getroffen waren, eine bessere Widerstandsfähigkeit. Wissenschaftler vermuten, dass die überlebenden Korallenkolonien entweder hitzetolerantere Zooxanthellen-Stämme aufgenommen haben oder genetisch widerstandsfähiger waren.

Welche Riffe haben sich erholt?

Die Nachricht ist gemischt – aber nicht nur schlecht.

Gute Erholung:

  • Chumphon Pinnacle – Die tieferen Bereiche (12–30 m) waren kaum betroffen und sind weiterhin einer der artenreichsten Tauchplätze der Insel
  • Southwest Pinnacle – Ähnlich wie Chumphon profitieren tiefere Pinnacles von kühleren Wassertemperaturen
  • Shark Island – Die Fächerkorallen und Weichkorallen an der Südseite zeigen gute Erholung
  • White Rock – Solide Erholung im mittleren Tiefenbereich (8–15 m)

Langsame oder geringe Erholung:

  • Japanese Garden (Flachwasser 1–5 m) – Ehemals dichte Acropora-Felder sind teilweise durch Algenrasen ersetzt
  • Mango Bay (Nordseite) – Korallensterblichkeit war hoch; Neubesiedlung findet statt, aber langsam
  • Lighthouse Bay (flache Bereiche) – Sichtbare Lücken, wo früher durchgehende Korallenbedeckung war

Korallenschutzprojekte auf Koh Tao

Koh Tao ist nicht nur ein Ort, an dem Korallen sterben. Es ist einer der wenigen Orte in Thailand, an dem aktiv und strukturiert an ihrer Wiederherstellung gearbeitet wird.

New Heaven Reef Conservation Program

Das New Heaven Reef Conservation Program ist die bekannteste Naturschutzorganisation der Insel. Gegründet 2007, betreibt sie:

  • Korallen-Nurseries – Korallenbruchstücke werden auf künstliche Strukturen aufgezogen und nach 6–12 Monaten auf geschädigte Riffabschnitte umgepflanzt
  • Riff-Monitoring – Regelmäßige Datenerhebungen zur Korallenbedeckung, Artenvielfalt und Bleichungszustand
  • Künstliche Riffstrukturen – Über 100 Strukturen aus Beton und Stahl auf dem Meeresgrund, die neuen Korallen Siedlungsfläche bieten
  • Bildungsprogramme – Conservation Diver Kurse, bei denen du lernst, wie man Riffe kartiert und Korallen transplantiert

Du kannst an einem Conservation Diver Kurs teilnehmen – das ist eine der sinnvollsten Aktivitäten, die du als Taucher auf Koh Tao machen kannst.

DMCR (Department of Marine and Coastal Resources)

Die thailändische Regierungsbehörde DMCR überwacht die Korallengesundheit im gesamten Golf von Thailand. Auf Koh Tao betreiben sie Monitoring-Stationen und arbeiten mit lokalen Tauchschulen zusammen. Ihre Daten zeigen: Die Korallenbedeckung um Koh Tao lag vor den Bleichereignissen bei durchschnittlich 40–50 Prozent. Nach 2016 fiel sie an einigen Standorten auf unter 20 Prozent. Aktuelle Messungen zeigen eine langsame Erholung auf 25–35 Prozent.

Community-Initiativen

Viele Tauchschulen auf Koh Tao beteiligen sich an Riffschutz-Programmen:

  • Regelmäßige Reef Check Surveys zur Bestandsaufnahme
  • Dive Against Debris – Unterwasser-Müllsammelaktionen
  • COTS Removal Dives – Entfernung von Dornenkronen-Seesternen, die geschädigte Riffe zusätzlich bedrohen

Was du als Taucher tun kannst

Korallenbleiche wird durch den globalen Klimawandel verursacht. Das klingt nach einem Problem, das zu groß für den Einzelnen ist. Aber direkt vor Ort – unter Wasser – macht dein Verhalten einen echten Unterschied.

Reef-safe Sonnencreme verwenden

Herkömmliche Sonnencremes enthalten Oxybenzon und Octinoxat – Chemikalien, die nachweislich Korallenbleiche auslösen, selbst in winzigen Konzentrationen. Jedes Mal, wenn du mit Sonnencreme ins Wasser gehst, spülst du diese Stoffe direkt auf das Riff.

Verwende stattdessen mineralische reef-safe Sonnencreme mit Zinkoxid oder Titandioxid (ohne Nanopartikel). Oder noch besser: Trage einen UV-Rashguard – der schützt besser als jede Creme und belastet das Wasser gar nicht.

Tarierung perfektionieren

Schlechte Tarierung ist die häufigste Ursache für direkte Riffschäden durch Taucher. Ein einziger Flossenschlag kann eine Koralle zerstören, die 10 Jahre zum Wachsen gebraucht hat. Auf einem durch Bleiche geschwächten Riff wiegt jeder mechanische Schaden doppelt schwer.

Wenn du unsicher bist: Buche einen Peak Performance Buoyancy Spezialkurs. Das ist keine Anfängersache – selbst erfahrene Taucher profitieren davon.

Kein Kontakt mit Korallen

Nicht berühren, nicht draufstehen, nicht draufknien. Auch nicht „nur kurz abstützen”. Jede Berührung kann die Schleimschicht der Koralle beschädigen und Krankheitserregern Zugang verschaffen. Auf einem gebleichten Riff, wo die Korallen bereits im Überlebensmodus sind, kann das den Unterschied zwischen Erholung und Absterben bedeuten.

Verantwortungsvoll Tauchschule wählen

Achte darauf, ob deine Tauchschule Mitglied bei Green Fins ist oder sich an Conservation-Programmen beteiligt. Schulen, die ihre Boote über Riffgebieten ankern (statt Mooring-Bojen zu nutzen), richten erheblichen Schaden an. Mehr dazu in unserem Artikel über nachhaltiges Tauchen auf Koh Tao.

Mitmachen

Nimm an einem Beach Cleanup teil, melde dich für einen Conservation Diver Kurs an, oder unterstütze das New Heaven Reef Conservation Program. Selbst ein einzelner Tauchgang, bei dem du Müll einsammelst, macht einen Unterschied.

Zukunftsausblick: Wie geht es weiter mit den Korallen?

Die Wissenschaft ist ehrlich: Es wird schlimmer, bevor es besser wird. Die globale Erwärmung sorgt dafür, dass Bleichereignisse häufiger und intensiver auftreten. Zwischen 1980 und 2000 lagen im Schnitt 25–30 Jahre zwischen schweren Bleichereignissen. Zwischen 2010 und 2020 waren es nur noch 3–6 Jahre. Das gibt den Korallen nicht genug Zeit zur vollständigen Erholung.

Aber es gibt Hoffnung:

  • Hitzetolerante Korallen: Forschungen zeigen, dass einige Korallenarten und -stämme genetisch besser an höhere Temperaturen angepasst sind. Diese „Super-Korallen” könnten die Grundlage zukünftiger Riffe bilden
  • Korallen-Restaurierung: Projekte wie die Nurseries auf Koh Tao beweisen, dass aktive Wiederherstellung funktioniert – wenn auch langsam
  • Marine Protected Areas: Thailand hat in den letzten Jahren mehrere Meeresschutzgebiete erweitert, einschließlich temporärer Schließungen von überlasteten Tauchplätzen
  • Lokaler Schutz macht einen Unterschied: Riffe, die weniger lokalen Stress erleiden (Überfischung, Verschmutzung, Ankerschäden), erholen sich nachweislich schneller von Bleichereignissen

Koh Tao hat einen entscheidenden Vorteil: Eine Community aus Tausenden von Tauchern, die jedes Jahr auf die Insel kommen und ein persönliches Interesse daran haben, dass die Riffe überleben. Das ist mehr, als die meisten Riffe auf der Welt haben.


FAQ: Korallenbleiche auf Koh Tao

Kann man auf Koh Tao noch gesunde Korallen sehen? Ja, absolut. Besonders an den tieferen Tauchplätzen wie Chumphon Pinnacle, Southwest Pinnacle und den unteren Bereichen von White Rock und Shark Island sind die Korallen in gutem Zustand. Auch viele Flachwasser-Spots zeigen aktive Erholung. Koh Tao hat immer noch beeindruckende Riffe – sie sehen nur anders aus als vor 15 Jahren.

Ist Korallenbleiche dasselbe wie Korallensterben? Nein. Gebleichte Korallen sind gestresst, aber noch am Leben. Wenn die Wassertemperatur innerhalb von 4–8 Wochen wieder sinkt, können sich die Zooxanthellen neu ansiedeln und die Koralle erholt sich. Erst bei lang anhaltender Hitze sterben die Korallen tatsächlich ab. Allerdings macht jede Bleiche die Koralle anfälliger für die nächste.

Wann ist die beste Zeit, um Korallenbleiche zu vermeiden? Die höchste Bleichungsgefahr besteht von März bis Juni, wenn die Wassertemperaturen ihren Höhepunkt erreichen. In den kühleren Monaten von November bis Februar sind die Riffe in der Regel am gesündesten und farbigsten. Das deckt sich auch mit der besten Tauchsaison auf Koh Tao.

Was passiert mit den Fischen, wenn die Korallen bleichen? Korallenriffe sind Lebensraum für etwa 25 Prozent aller Meeresfischarten. Wenn Korallen sterben und nicht nachwachsen, verschwinden zunächst die korallenabhängigen Arten – Anemonenfische, Grundeln, kleine Riffbarsche. Größere Räuber folgen, weil ihre Beutetiere fehlen. Der Verlust der dreidimensionalen Riffstruktur trifft das gesamte Ökosystem.

Wie kann ich als Tourist Korallenschutzprojekte auf Koh Tao unterstützen? Am direktesten: Nimm an einem Conservation Diver Kurs bei New Heaven teil (ca. 2–3 Tage). Wenn du weniger Zeit hast, frag deine Tauchschule nach Reef Check Surveys oder Dive Against Debris Tauchgängen. Auch eine Spende an das New Heaven Reef Conservation Program hilft – sie finanzieren damit Monitoring-Equipment und Nursery-Strukturen.


Die Angaben zur Korallenbedeckung und Bleichereignissen basieren auf Monitoring-Daten des DMCR (Department of Marine and Coastal Resources, Thailand) und Berichten des New Heaven Reef Conservation Program. Globale Bleichedaten nach NOAA Coral Reef Watch.

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