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Dornenkronen-Seestern auf Koh Tao: Schönheit und Bedrohung

Dornenkronen-Seestern (COTS) auf Koh Tao: Biologie, Riffschäden, Populationsexplosionen und wie du bei Removal Dives helfen kannst.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 15. März 2026
Dornenkronen-Seestern Acanthaster planci auf einem Korallenriff auf Koh Tao, Thailand

Es gibt Tiere, die auf dem ersten Blick so beeindruckend aussehen, dass man ihretwegen taucht. Der Dornenkronen-Seestern ist eines davon. Bis zu 80 Zentimeter im Durchmesser, mit bis zu 21 Armen, bedeckt mit 2–4 Zentimeter langen Giftstacheln, die in einem Spektrum von Orangerot bis Violettblau schimmern.

Er ist zweifellos eines der spektakulärsten Tiere auf dem Riff. Und er ist sein schlimmster Feind.

Dornenkronen-Seestern auf Koh Tao — die Kurzantwort

Der Dornenkronen-Seestern (Acanthaster planci), international als Crown-of-Thorns Starfish oder COTS bekannt, ist ein großer Raubseestern aus der Familie Acanthasteridae. Er erreicht Durchmesser von typischerweise 25–50 Zentimetern, in Ausnahmefällen bis zu 80 Zentimetern, und trägt 8–21 Arme, die vollständig mit giftigen Stacheln bedeckt sind.

Ein einziger A. planci kann bis zu 6 Quadratmeter Korallenriff pro Jahr abtöten. Bei Populationsexplosionen — sogenannten COTS-Ausbrüchen — können Tausende von Individuen gemeinsam ganze Riff-Abschnitte in Wochen zerstören.

Auf Koh Tao wird A. planci ganzjährig in Tiefen von 5–30 Metern gesichtet, mit höherer Dichte auf strukturreichen Außenriffen.

Wie frisst der Dornenkronen-Seestern Korallen?

Die Fressmethode von Acanthaster planci ist biologisch außergewöhnlich und für die Korallen verheerend.

Der Seestern klettert auf einen Korallenstock und positioniert sich über dem Ziel-Polyp. Dann stülpt er seinen Cardiacmagen durch die Mundöffnung nach außen — ähnlich wie ein Handschuh, der von innen nach außen gewendet wird. Dieser ausgestülpte Magen breitet sich über die Korallenoberfläche aus und sekretiert Verdauungsenzyme, die das lebende Korallengewebe direkt auflösen. Die verdauten Nährstoffe werden dann in den Magen zurückgezogen.

Was zurückbleibt, ist das weiße Kalkskelett der Koralle — vollständig von lebendem Gewebe befreit. Diese gebleicht aussehenden, toten Korallenstrukturen sind das unmittelbare Kennzeichen eines COTS-Befalls.

A. planci frisst bevorzugt schnell wachsende Steinkorallen-Arten wie Acropora und Pocillopora, verschmäht aber auch andere Steinkorallen-Gattungen nicht. Weichkorallen und nicht-koralline Strukturen werden in der Regel gemieden.

Populationsexplosionen: Warum wird der COTS zur Plage?

Acanthaster planci ist in kleinen Populationen ein natürlicher Teil des Riff-Ökosystems. Er frisst schnell wachsende Korallen-Pionierarten und gibt langsamer wachsenden, aber langlebigeren Arten Raum — ein regulierender Effekt.

Das Problem entsteht, wenn die Population explodiert. Eine einzige Seesternin legt in einer Laichsaison bis zu 60 Millionen Eier — eine Zahl, die kaum vorstellbar ist. Unter normalen Bedingungen überleben davon verschwindend wenige die planktonische Larvalphase. Unter bestimmten Bedingungen jedoch, überleben deutlich mehr:

Überfischung der natürlichen Fressfeinde. Der wichtigste natürliche Fressfeind des adulten COTS ist die Riesentritonschnecke (Charonia tritonis). Diese wird seit Jahrzehnten massiv als Dekorationsobjekt gesammelt. In Riffen ohne ausreichend C. tritonis verliert der adulte COTS seine wichtigste Regulierung.

Nährstoffeintrag durch Landwirtschaft und Abwässer. COTS-Larven ernähren sich in der planktonischen Phase von Phytoplankton. Erhöhte Nährstoffkonzentrationen im Wasser (durch Düngemittelabfluss, ungeklärte Abwässer) führen zu Phytoplankton-Blüten, die deutlich mehr Larven überleben lassen.

Erhöhte Wassertemperaturen können ebenfalls die Laichproduktivität steigern.

Wenn diese Faktoren zusammenkommen, entstehen COTS-Ausbrüche. Das australische Great Barrier Reef hat zwischen 1960 und 2012 etwa 50 Prozent seiner Korallenbedeckung verloren — ein erheblicher Anteil davon durch COTS-Ausbrüche.

Koh Taos Bekämpfungsmaßnahmen: Removal Dives

Auf Koh Tao koordinieren mehrere Tauchschulen und die lokale Meeresschutzorganisation New Heaven Reef Conservation Program regelmäßige COTS Removal Dives — Tauchgänge, bei denen Dornenkronen-Seesterne manuell vom Riff gesammelt und anschließend in der Tiefe oder an Land entsorgt werden.

Die Methode ist aufwendig und umstritten (ein verletzter COTS kann Unmengen Eier freisetzen), aber bei korrekter Durchführung wirksam: Seesterne werden in verschlossene Plastiksäcke verpackt und nicht zerstückelt. Zerstückelung — ein verbreiteter Fehler — tötet das Tier nicht, sondern produziert im schlimmsten Fall aus jedem Arm ein neues Individuum.

Professionelle Removal-Teams auf Koh Tao verwenden Behälter mit Essig oder trockenem Einpacken in Kunststoff. Die gesammelten Tiere werden an Land biologisch abgebaut oder tief vergraben.

Kannst du als Taucher helfen?

Ja. Viele Tauchschulen auf Koh Tao bieten COTS Removal Dives als reguläre Tauchgänge an — oft ohne Aufpreis, manchmal als dediziertes Conservation Dive Programm. Du brauchst dafür mindestens einen Open Water Zertifikat, idealerweise etwas Taucherfahrung.

Was du direkt beitragen kannst: Sichtungen von Dornenkronen-Seesternen an deiner Tauchschule oder dem Reefcheck-Programm melden. Selbst wenn du nicht an einem Removal Dive teilnimmst, helfen Sichtungsdaten bei der Population-Überwachung.

Mehr über nachhaltiges Tauchen und aktiven Riffschutz auf Koh Tao erklärt der Artikel nachhaltiges Tauchen auf Koh Tao.

Stich-Gefahr: Was passiert bei Kontakt mit den Stacheln?

Die Stacheln von Acanthaster planci sind giftig. Das Toxin — ein Gemisch aus Saponinen — wird durch Wunden in die Haut eingebracht, wenn ein Stachel abbricht und im Gewebe steckenbleibt (die Stacheln sind retrograd gezahnt und brechen leicht ab).

Symptome: Starker Schmerz, lokale Schwellung, Rötung, in seltenen Fällen Übelkeit und systemische Reaktionen. Ernsthaftere Verläufe sind extrem selten, aber möglich.

Erste Hilfe: Stacheln vorsichtig mit einer Pinzette entfernen, Wunde mit heißem Wasser (so heiß wie verträglich, mindestens 45°C) behandeln — Hitze denaturiert das Protein-basierte Toxin. Wunde säubern, auf Infektionszeichen beobachten. Bei starken Reaktionen ärztliche Hilfe aufsuchen.

Beim Tauchen gilt: A. planci ist gut sichtbar und langsam. Vorsichtiger Abstand (30 cm) und keine Bewegung in seine Richtung reicht aus.


FAQ: Dornenkronen-Seestern auf Koh Tao

Wie erkenne ich den Dornenkronen-Seestern? Unmöglich zu verwechseln. Großer Seestern (25–80 cm Durchmesser) mit 8–21 Armen, vollständig bedeckt mit 2–4 cm langen Giftstacheln in Orangerot bis Violettblau. Auf Korallenriffen in 5–30 Metern Tiefe.

Was tun, wenn ich auf einen COTS gestochen werde? Stacheln vorsichtig entfernen (nicht abbrechen!), Wunde sofort mit heißem Wasser (45°C, 30–60 Minuten) behandeln. Das Protein-basierte Toxin wird durch Hitze zerstört. Bei starker Schwellung oder systemischen Reaktionen Arzt aufsuchen.

Warum soll man einen COTS nicht zerschneiden? Zerstückelung tötet den Seestern nicht sicher. Bei einigen Seesternarten kann jedes Armfragment zu einem neuen Individuum regenerieren. Außerdem können verletzte COTS massenhaft Eier freisetzen — das genaue Gegenteil des beabsichtigten Effekts.

Wann ist COTS-Saison auf Koh Tao? Acanthaster planci ist ganzjährig präsent. Laichsaison ist typischerweise in den Sommermonaten (Mai–September) bei steigenden Wassertemperaturen. Sichtungen häufen sich nicht stark saisonal.

Frisst der COTS alle Korallen? Nein — A. planci bevorzugt schnell wachsende Steinkorallen-Pionierarten (Acropora, Pocillopora). Weichkorallen, Massivkorallen und nicht-koralline Strukturen werden deutlich seltener gefressen.


Fazit: Der schönste Feind des Riffs

Der Dornenkronen-Seestern ist faszinierend, schön und gefährlich — nicht für Taucher, sondern für das Riff, auf dem wir tauchen. Kein anderes einzelnes Tier ist für so viel Korallenverlust im Indopazifik verantwortlich.

Auf Koh Tao wird aktiv dagegen gearbeitet. Als Taucher kannst du Teil dieser Arbeit sein — oder zumindest verstehen, was passiert, wenn du einen dieser stachligen Orangeroten auf dem Riff siehst.


Artidentifikation nach WoRMS (World Register of Marine Species). Wissenschaftliche Quellen: Birkeland & Lucas (1990), Acanthaster planci: Major Management Problem of Coral Reefs; De’ath et al. (2012), PNAS (Great Barrier Reef Korallenbedeckung).

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