Wie viele Tauchgänge pro Tag sind sicher?
2–3 Tauchgänge pro Tag sind auf Koh Tao Standard. PADI erlaubt bis zu 4 — aber wann ist Schluss? Alles über Stickstoffakkumulation und Oberflächenpausen.
Drei Tauchgänge am Morgen, noch einer am Nachmittag und vielleicht ein Night Dive am Abend — auf Koh Tao klingt das verlockend, wenn das Wasser 29 °C warm ist, die Sicht 15–20 Meter beträgt und das Boot nur zehn Minuten zum nächsten Spot braucht. Aber wie viele Tauchgänge pro Tag sind physiologisch sinnvoll, und wann wird es gefährlich?
Die kurze Antwort: 2–3 Tauchgänge täglich, 4 als absolutes Maximum
2 bis 3 Recreational Dives pro Tag sind auf Koh Tao Standard und bei gesunden Tauchern sicher. PADI empfiehlt in seinen Ausbildungsunterlagen maximal 3–4 Recreational Dives täglich, sofern alle Tauchgänge innerhalb des No-Decompression-Limits (NDL) bleiben und die Oberflächenpausen eingehalten werden. Die meisten Tauchschulen auf Koh Tao fahren Morning Boat mit 2 Dives (ca. 08:30 Uhr und 10:30–11:00 Uhr) plus einen Afternoon Dive gegen 13:30–14:00 Uhr. Ein vierter Tauchgang als Night Dive ab 19:00 Uhr ist möglich — verlangt aber ausreichend Pause und einen Tauchcomputer, der deinen Reststickstoff kennt.
Was passiert in deinem Körper beim zweiten (und dritten) Tauchgang?
Reststickstoff und warum er zählt
Beim Tauchen atmest du Pressluft unter erhöhtem Umgebungsdruck. Stickstoff löst sich dadurch in deinem Körpergewebe — in Muskeln, Fettschichten, Gelenken, dem Nervensystem. Während des kontrollierten Auftauchens (Sicherheitsstopp bei 5 Metern für 3 Minuten, den jeder Tauchgang auf Koh Tao hat) und danach an der Oberfläche gibt dein Körper diesen Stickstoff wieder ab.
Das Problem: Er gibt ihn nicht vollständig ab, bevor du wieder ins Wasser steigst. Der verbleibende Reststickstoff zählt beim nächsten Tauchgang dazu. PADI beschreibt dieses Phänomen mit dem Begriff des Wiederholungs-Tauchgangs und berechnet die verbleibende Stickstoffbelastung als Residual Nitrogen Time (RNT) — dein NDL beim zweiten Tauchgang ist kürzer als beim ersten, weil du bereits mit einer Stickstoffladung startest.
Ein konkretes Beispiel vom Chumphon Pinnacle (~14 km nordwestlich von Koh Tao, 40 Minuten Bootsfahrt, Tiefe bis 36 Meter): Erster Tauchgang auf 25 Metern für 40 Minuten — NDL nach Bühlmann-Tabelle rund 40–45 Minuten. Beim zweiten Tauchgang auf gleicher Tiefe sinkt das NDL auf 25–30 Minuten. Du hast also deutlich weniger Spielraum.
Warum Oberflächenpausen nicht optional sind
PADI und SSI schreiben mindestens 1 Stunde Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen vor. Das ist kein Richtwert, sondern ein Sicherheitsmindeststandard. Die Bootspausen auf Koh Tao sind gut getaktet: zwischen Dive 1 und Dive 2 liegen 45–60 Minuten, zwischen Morning Boat und Afternoon Boat 1,5 bis 2 Stunden.
Dein Tauchcomputer trackt die Oberflächenpause automatisch und berechnet daraus dein Tissue-Sättigungsprofil. Er zeigt dir für den nächsten Tauchgang das verkürzte NDL an — oft als farbige Balkenanzeige oder direkt als Minutenzahl. Ignorierst du diese Anzeige, riskierst du eine Dekompressionskrankheit (DCS).
Mein Tipp: Nutze die Pause aktiv — trinken, essen, Schatten suchen. Koh Tao im August hat Lufttemperaturen um 30–32 °C und hohe Luftfeuchtigkeit. Dehydrierung erhöht das DCS-Risiko spürbar. Ich trinke zwischen jedem Tauchgang mindestens 0,5 Liter Wasser.
Das typische Koh-Tao-Bootsprogramm — und was du davon nutzen solltest
Die meisten Tauchschulen auf Koh Tao fahren folgendes Schema:
| Zeitfenster | Programm | Typische Tiefe |
|---|---|---|
| 08:00–08:30 Uhr | Abfahrt Morning Boat | — |
| 08:45–09:30 Uhr | Dive 1 (erster Spot) | 12–25 m |
| 09:30–10:30 Uhr | Oberflächenpause auf dem Boot | — |
| 10:30–11:15 Uhr | Dive 2 (zweiter Spot) | 8–20 m |
| 11:30 Uhr | Rückkehr Pier | — |
| 13:00–13:30 Uhr | Abfahrt Afternoon Boat | — |
| 13:45–14:30 Uhr | Dive 3 (Afternoon Spot) | 8–18 m |
| 14:45 Uhr | Rückkehr | — |
| 19:00–19:30 Uhr | Abfahrt Night Dive | — |
| 19:45–20:30 Uhr | Dive 4 Night Dive | 8–16 m |
Meine Empfehlung für die meisten Taucher: Morning Boat (2 Dives) + 1 Afternoon Dive. Das sind 3 Tauchgänge mit insgesamt rund 2,5 Stunden unter Wasser — ein produktiver, vollständiger Tauchtag. Der Night Dive obendrauf ist ein Bonus, der sich lohnt, wenn du ausgeruht bist — nicht als Pflicht.
Den Night Dive auf Koh Tao habe ich über die Jahre mehrere Dutzend Mal gemacht. Wenn du den ganzen Tag getaucht bist und beim Night Dive schon Müdigkeit spürst, ist das der falsche Abend. Müdigkeit ist einer der zuverlässigsten Vorboten von Tauchunfällen — und einer der am häufigsten ignorierten.
Zum Nachttauchen auf Koh Tao selbst — welche Spots es gibt, was du siehst und was du mitbringen musst — findest du im Post über Nachttauchen auf Koh Tao.
Mehrere Tage hintereinander tauchen — was akkumuliert sich?
Reststickstoff über einzelne Tauchgänge hinaus ist ein Thema, das viele Gelegenheitstaucher unterschätzen. Wer auf Koh Tao eine Woche bleibt und jeden Tag 3 Dives macht, taucht mit einer Grundlast an Gewebesättigung in den nächsten Tag.
Nach einer Nacht Schlaf (etwa 8–10 Stunden Oberflächenpause) ist die Gewebesättigung bei den meisten Algorithmen auf ein unproblematisches Niveau gesunken — vorausgesetzt, du hast an Tag 1 keine exzessiven Tauchtiefen oder -zeiten angehäuft. PADI und DAN empfehlen nach 3–4 intensiven Tauchtagen einen vollständigen Ruhetag, also 24 Stunden ohne Tauchen.
No-Fly-Zeit korrekt berechnen
Das sollte man nicht nach Gefühl entscheiden. Nach einem einzelnen Tauchgang gilt eine Wartezeit von mindestens 12 Stunden vor dem Flug. Nach mehreren Tauchgängen an einem Tag oder nach einem mehrtägigen Tauchprogramm empfiehlt PADI 18 Stunden, DAN (Divers Alert Network) in vielen Szenarien 24 Stunden. Der Kabinendruckabfall im Flugzeug (entspricht etwa 2.400 Metern Höhe bei modernen Jets) reduziert den Umgebungsdruck und kann auch bei niedrigem Reststickstoff eine verzögerte Dekompressionskrankheit auslösen.
Alle Details zur Berechnung und zu den PADI-Tabellen findest du im Post über Fliegen nach dem Tauchen sowie im Überblick zu Dekompressionskrankheit beim Tauchen.
Insider: Ich buche meinen Abreisetag von Koh Tao als Nicht-Tauchtag — nicht weil die Fähre nach Chumphon oder Surat Thani früh fährt, sondern um auf der sicheren Seite zu sein. Eine verpasste Dive-Session ist verkraftbar, eine DCS im Flugzeug nicht.
Dein Tauchcomputer als Sicherheitsnetz
Wer regelmäßig mehrere Tauchgänge am Tag macht, braucht einen eigenen Tauchcomputer. Kein Luxus, sondern Pflichtausrüstung. Die geliehenen Geräte der Tauchschulen auf Koh Tao kennen kein Speicherprofil deiner letzten 24 Stunden — nicht wenn du sie täglich wechselst.
Was Tauchcomputer-Algorithmen bei Repetitive Dives tun
Moderne Tauchcomputer rechnen mit Algorithmen nach Bühlmann ZHL-16 (Suunto, Scubapro, viele andere) oder RGBM (Mares). Beide Methoden modellieren die Stickstoffsättigung in mehreren Körpergeweben gleichzeitig — von schnellen Geweben wie Blut (5-Minuten-Halbwertszeit) bis zu langsamen wie Knochen und Fett (bis zu 635 Minuten im langsamsten ZHL-16-Kompartiment). Beim zweiten und dritten Tauchgang berücksichtigt der Computer die noch nicht vollständig abgesättigten Gewebe und verkürzt das angezeigte NDL entsprechend.
Wann der Computer DECO anzeigt — und was dann zu tun ist
Wenn du das NDL überziehst, wechselt der Computer in den DECO-Modus und zeigt eine obligatorische Dekompressionsstopp-Tiefe mit zugehöriger Stoppzeit an. Direkt auftauchen geht dann nicht mehr — nicht ohne diesen Stopp. Auf Koh Tao passiert das den meisten Freizeittauchern nicht, solange man die Tiefen moderat hält: an Spots wie Twins (~7–20 m) oder White Rock (~5–18 m) ist das NDL selbst nach mehreren Tauchgängen komfortabel.
An tieferen Spots wie Southwest Pinnacle (25–35 m) oder Chumphon Pinnacle kann ein dritter Tauchgang im tiefen Bereich das NDL unter kritische Werte drücken. Meinen dritten Tauchgang halte ich deshalb flach — wenn der Nachmittagsdive stattfindet, liegt die Tiefe unter 18 Metern.
Einen eigenen Computer zu haben zahlt sich aus. Für Einsteiger ist der Suunto Zoop Novo ein bewährter Allrounder — einfache Bedienung, klares Display, hält auf Koh Tao problemlos zwei Wochen durch. Wer es günstiger mag, kommt mit dem Cressi Leonardo sehr gut weg: übersichtliche Anzeige, zuverlässiger Bühlmann-Algorithmus, und er kostet deutlich weniger als die meisten Konkurrenten. Den ausführlichen Vergleich beider Modelle (und weitere Optionen) findest du im Tauchcomputer-Vergleich für Koh Tao.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich als Anfänger auch 3 Tauchgänge pro Tag machen? Ja, schon — aber gerade als Anfänger solltest du nach dem zweiten Tauchgang ehrlich in dich hineinhören. Erschöpfung, Kältegefühl (trotz 29 °C) oder Konzentrationsabfall sind Warnsignale. Auf Koh Tao fährt die Mehrheit der Open-Water-Kurse ohnehin nur 2 Dives pro Tag, weil die Skills-Sitzungen am Pool Zeit kosten. Drei Tauchgänge am selben Tag sind für Anfänger erst sinnvoll, wenn die Grundfertigkeiten sitzen und der Tauchcomputer verstanden wird.
Was ist die Mindest-Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen? PADI und SSI empfehlen mindestens 1 Stunde Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen. Auf Koh Tao liegen die Bootspausen zwischen Morning Dive 1 und Dive 2 bei etwa 45–60 Minuten, zwischen Morning Boat und Afternoon Boat bei 1,5–2 Stunden. Dein Tauchcomputer kennt deinen persönlichen Reststickstoff und zeigt das verkürzte NDL für den nächsten Tauchgang an.
Darf ich nach 4 Tauchgängen am selben Abend noch schnorcheln? Schnorcheln an der Oberfläche ist unbedenklich — du atmest keine komprimierte Luft und erhöhst den Umgebungsdruck nicht. Der Stickstoffspiegel steigt dabei nicht. Tauchst du jedoch beim Schnorcheln kurz ab (auch nur 1–2 Meter mit angehaltenem Atem), zählt das als Freitauchen und ist bei hohem Reststickstoff problematisch. Bleib nach einem langen Tauchtag wirklich an der Oberfläche.
Wann muss ich spätestens mit dem Tauchen aufhören vor meinem Rückflug? Nach einem einzelnen Tauchgang: mindestens 12 Stunden vor dem Flug. Nach mehreren Tauchgängen an einem Tag oder nach einem mehrtägigen Programm: 18–24 Stunden. Details und die genaue PADI-Tabelle zur Berechnung findest du im Post über Fliegen nach dem Tauchen. Buche deinen Abreisetag als Nicht-Tauchtag — das ist die einfachste Regel.
Macht es Sinn, ein eigenes Tauchlogbuch zu führen, wenn ich täglich tauche? Unbedingt. Wenn du täglich tauchst, summieren sich Details schnell — welcher Spot, welche Tiefe, wie lange, welcher Computerwert beim Auftauchen. Ein Logbuch hilft dir, Muster zu erkennen: an welchen Tagen warst du erschöpft, nach wie vielen Dives hat deine Tarierung gelitten, wann bekamst du Kopfschmerzen. Digitale Logs im Tauchcomputer ersetzen das nicht vollständig, weil sie keine subjektiven Notizen enthalten. Ein klassisches Tauchlogbuch passt in jede Tasche und kostet wenig — ich führe meins seit über 15 Jahren parallel zu jedem digitalen Log.
Was ich dir empfehle: Plane deinen Tauchtag auf Koh Tao von Anfang an bewusst. 2 Tauchgänge morgens, 1 am Nachmittag — das ist ein vollständiger, sicherer Tag mit exzellenten Spots. Den Night Dive nimmst du dazu, wenn du fit bist. Mit einem eigenen Tauchcomputer, ausreichend Wasser zwischen den Dives und einem Ruhetag alle drei bis vier Intensivtage tauchst du entspannt und sicher durch die ganze Woche.