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USAT Liberty Tulamben: Wracktauchen vom Strand

Die USAT Liberty in Tulamben: 120 m Wrack in 5–30 m Tiefe, erreichbar vom Strand. Bumphead-Papageifische, beste Tageszeit, Kosten und Tipps aus erster Hand.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 12. Januar 2025
Taucher am korallenbewachsenen Wrack der USAT Liberty in Tulamben, Ost-Bali
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Wracktauchen bedeutet meistens: Boot, Anfahrt, Abstieg an der Leine, Grundzeit im Auge behalten. In Tulamben bedeutet es: Flossen anziehen, dreißig Meter schwimmen, abtauchen. Das erste Mal, dass ich die Liberty gesehen habe, war ich vier Minuten im Wasser. Nach den Bootsanfahrten zum Chumphon Pinnacle fühlt sich das ein bisschen an wie Schummeln.

USAT Liberty tauchen: die Kurzantwort

Die USAT Liberty ist ein rund 120 Meter langer Frachter, der vor Tulamben an der Ostküste Balis auf einem schwarzen Sandhang zwischen 5 und 30 Metern Tiefe liegt. Erreichbar ist sie ohne Boot: Einstieg vom Kieselstrand, etwa 30 Meter Schwimmstrecke.

Sicht: typischerweise 15–25 Meter. Wassertemperatur 27–29 °C. Strömung meist schwach. Die beste Zeit ist zwischen 6 und 7:30 Uhr — dann steht der Schwarm Büffelkopf-Papageifische über dem Wrack und du hast es fast für dich.

Wie das Schiff dorthin kam

Die Geschichte ist kurz und unglamourös. Im Januar 1942 wurde die USAT Liberty, ein Transportschiff der US-Armee, in der Lombokstraße von einem japanischen U-Boot torpediert. Sie sank nicht, sondern wurde an den Strand von Tulamben geschleppt und dort auf Grund gesetzt. Über zwei Jahrzehnte lag sie halb an Land und wurde nach und nach ausgeschlachtet.

1963 brach der Gunung Agung aus. Die Erschütterungen und Lavaströme schoben den Rumpf vom Strand ins Wasser, wo er seither liegt — auf der Seite, in Stücke gebrochen, komplett von Korallen überwachsen. Was heute als einer der besten Wracktauchgänge Asiens gilt, verdankt seine Position also einem Vulkanausbruch.

Der schwarze Kies am Strand stammt aus derselben Quelle. Er ist der Grund, warum die Ein- und Ausstiege hier fordernder sind, als der flache Tauchgang vermuten lässt.

Der Tauchgang

Vom Strand aus schwimmst du über einen leicht abfallenden Sandhang, und nach etwa 30 Metern taucht die Struktur aus dem Blau auf. Der Bug liegt flacher, bei rund 5 bis 9 Metern, das Heck fällt auf knapp 30 Meter ab.

Was das Wrack ausmacht, ist der Bewuchs. Nach über sechzig Jahren im Wasser ist von blankem Stahl kaum etwas übrig: Gorgonien, Weichkorallen, Schwämme und Hydrozoen haben jede Fläche belegt. An den Aufbauten hängen große Fächergorgonien, in den Öffnungen stehen Süßlippen und Fledermausfische.

Der Fischbestand ist für ein einzelnes Wrack ungewöhnlich dicht:

  • Büffelkopf-Papageifische (Bolbometopon muricatum) — ein Schwarm patrouilliert das Wrack, am zuverlässigsten in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang
  • Große Barrakudas, einzeln über dem Heck
  • Gartenaale auf dem Sandfeld neben dem Wrack
  • Süßlippen und Fledermausfische in den Öffnungen und unter den überhängenden Platten
  • Makro an den Aufbauten: Nacktschnecken, Geisterpfeifenfische, Anglerfische

Mein Tipp: Tauch das Wrack zweimal, mit unterschiedlicher Absicht. Einmal außen entlang für den Gesamteindruck und die großen Fische, einmal langsam über die Aufbauten für Makro. Wer beides in einem Tauchgang will, bekommt keines von beidem richtig.

Die Sache mit der Uhrzeit

Tulamben ist kein Geheimtipp mehr, und das merkst du. Ab etwa neun Uhr rollen die Kleinbusse aus dem Süden an, ab zehn stehen 60 bis 100 Taucher am Strand. Am Wrack heißt das: aufgewirbelter Sand, Blitzlichter, Gruppen, die sich kreuzen.

Deshalb die einzige Regel, die in Tulamben wirklich zählt: sei vor sieben im Wasser. Der Unterschied ist nicht graduell, er ist kategorisch. Um 6:30 Uhr ist das Wrack ein stiller, dämmriger Ort, an dem die Papageifische über dir hinwegziehen. Um 10:30 Uhr ist es eine Tauchbasis-Autobahn.

Schwarm Büffelkopf-Papageifische über dem Liberty-Wrack in Tulamben im Morgenlicht

Die zweitbeste Option ist der späte Nachmittag ab etwa 16 Uhr, wenn die Tagesgäste zurück in den Süden fahren. Der Nachttauchgang am Wrack ist wiederum eine eigene Kategorie — wie sich ein Riff an der Ostküste nach Sonnenuntergang verändert, habe ich im Beitrag zum Nachttauchgang am Hausriff beschrieben.

Ein- und Ausstieg: der unterschätzte Teil

Der Strand von Tulamben besteht aus faustgroßen, runden Vulkansteinen. Bei ruhiger See ist das unangenehm, bei Welle ist es der schwierigste Teil des ganzen Tauchgangs — mit Flasche auf dem Rücken über rollende Steine, während das Wasser unter dir wegzieht.

Zwei Dinge helfen. Erstens: Flossen erst im Wasser anziehen, nicht am Strand. Zweitens: die Trägerinnen. In Tulamben tragen lokale Frauen die Flaschen auf dem Kopf vom Parkplatz zum Einstieg — eine eingespielte Organisation, die für viele Familien im Ort die Haupteinnahmequelle ist. Das kostet ein paar Zehntausend Rupiah und ist jeden davon wert.

Feste Neoprensocken oder Tauchschuhe sind hier kein Luxus. Ich tauche in warmem Wasser normalerweise barfuß in Vollfußflossen — in Tulamben würde ich das nicht nochmal machen. 3-mm-Neoprensocken reichen, um über die Steine zu kommen, ohne sich die Fußsohlen zu ruinieren.

Fotografie am Wrack

Die Liberty ist ein Weitwinkel-Motiv. Die Struktur ist groß, die Sicht ordentlich, und die flachen Bereiche haben genug Umgebungslicht, dass du ohne Blitz auskommst. Wer mit einer GoPro HERO13 unterwegs ist, holt hier mehr heraus als an jedem Makrospot — vorausgesetzt, du gehst nah ran und hältst die Kamera unter das Motiv statt darüber.

Für die Rippen und Aufbauten mit Wasseroberfläche im Bild lohnt sich ein Dome Port. Die Halb-über-halb-unter-Aufnahmen am flachen Bug funktionieren bei ruhiger See erstaunlich gut. Detaillierter gehe ich in der Unterwasserfotografie an der Bali-Ostküste darauf ein.

Was das kostet

  • Fun Dive Liberty, vom Ufer: ca. 550.000–700.000 IDR pro Tauchgang inkl. Ausrüstung und Guide
  • Zweier-Paket: ca. 1,0–1,3 Mio. IDR
  • Flaschenträgerinnen: 30.000–50.000 IDR pro Flasche
  • Zugang zum Strand: kleine Ortsgebühr, meist über die Basis abgerechnet

Wer in Pemuteran startet und über den Norden an die Ostküste fährt, hat rund drei Stunden Fahrt. Sinnvoller ist es, an der Ostküste zu übernachten und morgens um sechs am Strand zu stehen.

Was ich dir empfehle: mindestens zwei Nächte in Tulamben oder Kubu, drei Tauchgänge am Wrack zu verschiedenen Tageszeiten, und einen davon bei Sonnenaufgang. Die Liberty ist kein Spot, den man abhakt.

Häufig gestellte Fragen

Kann man in das Wrack hineintauchen? Es gibt Durchschwimmmöglichkeiten in den größeren Sektionen, die von Guides regelmäßig genutzt werden. Echtes Wrackpenetrieren mit Überkopfumgebung ist das nicht — dafür ist die Struktur zu aufgebrochen. Wer ohne Wreck-Specialty taucht, bleibt trotzdem besser außen.

Wie ist die Sicht im Januar? In der Regenzeit typischerweise 15–20 Meter, an guten Tagen mehr. Der Sand ist feinkörnig und schwarz, was nach viel Taucherverkehr die Sicht schneller trübt als heller Korallensand. Noch ein Argument für den frühen Tauchgang.

Lohnt sich die Liberty im Vergleich zum HTMS Sattakut auf Koh Tao? Sie sind schwer vergleichbar. Das Sattakut ist ein bewusst versenktes Kriegsschiff, das aufrecht und intakt steht — sauber für Wracktraining. Die Liberty ist größer, älter, deutlich stärker bewachsen und lebendiger. Wer nur ein Wrack in Südostasien tauchen kann, sollte die Liberty nehmen.

Was ist mit Strömung? Meist schwach bis nicht vorhanden. Gelegentlich setzt eine leichte Längsströmung entlang der Küste ein, die den Rückweg zum Einstieg anstrengend macht. Dann tauchst du mit der Strömung und läufst am Strand zurück.

Brauche ich einen Ganzanzug? Bei 27–29 °C reicht ein 3-mm-Ganzanzug bequem. Wichtiger als Wärme ist hier der Schutz vor Hydrozoen am Wrack — die Aufbauten sind eng bewachsen, und eine unbedachte Berührung mit dem Unterarm brennt tagelang.

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