Tauchkurs schwer? Das musst du für den Open Water können
Tauchkurs schwer? Nein: Für den PADI Open Water Diver auf Koh Tao reichen 200 m Schwimmen, 10 Minuten Treiben und 3-4 Tage. Voraussetzungen im Überblick.
„Ist der Tauchkurs schwer?” Diese Frage höre ich seit über 15 Jahren auf Koh Tao fast täglich, meist am Vorabend des ersten Kurstages, oft mit einem leicht nervösen Unterton. Die kurze Antwort: nein. Die lange Antwort zeigt dir genau, warum.
Ist der Tauchkurs schwer?
Nein, der PADI Open Water Kurs ist kein Fitnesstest. Du brauchst Grundschwimmkenntnisse, also 200 Meter schwimmen und 10 Minuten über Wasser halten können, keine Angst vor der Tauchmaske und die Bereitschaft, ruhig zu atmen. Technik und Theorie lernst du in 3 bis 4 Tagen vor Ort auf Koh Tao, die meisten Anfänger ohne jede Vorerfahrung schaffen das problemlos.
| Anforderung | Wert |
|---|---|
| Schwimmtest | 200 Meter, beliebiger Stil, ohne Zeitlimit |
| Wassertreten/Schweben | 10 Minuten |
| Mindestalter | 10 Jahre (Junior Open Water) / 15 Jahre (Open Water) |
| Kursdauer | 3 bis 4 Tage |
| Tiefenlimit als Open Water Diver | 18 Meter |
| Wassertemperatur Koh Tao | 28 bis 30 °C |
Was den Kurs für viele schwerer wirken lässt, als er ist, sind Erwartungen aus dem Fernsehen. Haie, Höhlen, dramatische Tiefen. In Wahrheit verbringst du die ersten beiden Tage in einem Pool oder im knietiefen Flachwasser und übst dort jede Fertigkeit so lange, bis sie zur Routine wird. Erst danach geht es raus ins offene Wasser.
Die echten Voraussetzungen, was PADI wirklich verlangt
PADI verlangt medizinische Grundfitness, einen bestandenen Schwimmtest und ein ausgefülltes Gesundheitsformular, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt keine Bestzeit und keinen Vergleich mit anderen Teilnehmern, nur die Frage, ob du dich im Wasser sicher genug bewegst, um die Übungen durchzuführen.
Schwimmtest: 200 Meter und 10 Minuten treiben
Der Schwimmtest besteht aus zwei Teilen. Du schwimmst 200 Meter in einem beliebigen Stil, Brustschwimmen, Kraulen, sogar eine Mischung ist erlaubt, ohne Zeitvorgabe. Danach hältst du dich 10 Minuten an der Wasseroberfläche, durch Schweben, Wassertreten oder Rückenschwimmen, auch das ohne Hilfsmittel, aber ebenfalls ohne Stoppuhr im Nacken. Ich habe in 15 Jahren genau einen Teilnehmer erlebt, der daran gescheitert ist, und selbst der hat nach etwas Übung im Pool am nächsten Tag bestanden.
Mindestalter und Gesundheitsfragebogen
Für den Junior Open Water liegt das Mindestalter bei 10 Jahren, für den regulären Open Water Diver bei 15 Jahren. Vor dem ersten Pooltag füllst du einen medizinischen Fragebogen aus. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie Asthma, häufigen Mittelohrproblemen, Epilepsie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen brauchst du ein ärztliches Attest, das die Tauchtauglichkeit bestätigt. Das ist keine Schikane, sondern Sicherheit. Druckausgleich und Lungenfunktion sind beim Tauchen keine Nebensache.
Insider: Fülle den Gesundheitsfragebogen schon vor der Anreise aus und kläre offene Punkte mit deinem Hausarzt. Nichts ist frustrierender, als am ersten Kurstag auf Koh Tao ein Attest aus Deutschland organisieren zu müssen.
Die 5 Skills, bei denen Anfänger am meisten Respekt haben
Fünf Übungen aus dem Open-Water-Programm sorgen bei fast jedem Anfänger für mulmige Gefühle, und bei allen fünf gilt: Übung macht den Unterschied, nicht Talent. Dein Tauchlehrer zeigt jede Fertigkeit zuerst selbst, danach übst du sie im flachen Wasser, bevor sie im Freiwasser überhaupt zählt.
Maske unter Wasser ab- und aufsetzen
Die Maske gezielt abzunehmen, während Wasser eindringt, und sie danach wieder korrekt aufzusetzen und auszublasen, ist für viele die größte mentale Hürde des ganzen Kurses. Der Trick ist simpel. Durch die Nase ausatmen, nie durch die Nase einatmen, dann passiert nichts. Nach zwei, drei Wiederholungen im Pool wird daraus Routine.
Regler-Wiederfinden
Der Atemregler fällt dir aus dem Mund, zum Beispiel weil dich ein Kumpel versehentlich anstößt, und du musst ihn wiederfinden, ohne in Panik zu geraten oder zur Oberfläche zu schießen. Du lernst zwei Methoden. Über die Schulter zum Tank tasten oder mit dem Arm seitlich ausholen. Beides dauert mit etwas Übung weniger als 5 Sekunden.
Druckausgleich der Ohren
Mit sinkender Tiefe steigt der Wasserdruck. Ohne Druckausgleich schmerzen die Ohren schon nach wenigen Metern spürbar. Die Standardtechnik heißt Valsalva-Manöver. Nase zuhalten, sanft hineinpusten, bis es im Ohr klickt, und das alle 1 bis 2 Meter beim Abtauchen wiederholen, nicht erst wenn es schon zieht. Wer vor der Abreise bereits mit verstopften Nebenhöhlen oder Erkältung kämpft, sollte den Kurs lieber verschieben. Gerade in der feuchten Tropenluft auf Koh Tao hilft es vielen, die Ohren nach jedem Tauchgang mit einem Ohrenspray wie dem Ear Pro Ohrenspray zu trocknen, das reduziert Reizungen und das Risiko eines Badeotitis deutlich, gerade bei zwei bis drei Tauchgängen am Tag.
Kontrollierter Notaufstieg (CESA)
Beim Controlled Emergency Swimming Ascent simulierst du einen Luftausfall in geringer Tiefe und steigst dabei langsam und kontrolliert auf, während du durchgehend einen leichten Ton ausatmest. Das klingt dramatischer, als es ist. Die Übung findet in 6 bis maximal 9 Metern Tiefe statt, der Tauchlehrer schwimmt direkt neben dir, und die gesamte Aufstiegszeit beträgt selten mehr als 15 Sekunden.
Tarieren, der eigentlich zeitintensivste Lernpunkt
Neutral in der Wassersäule zu schweben, ohne an die Oberfläche zu treiben oder auf den Grund zu sinken, ist technisch die anspruchsvollste Fertigkeit im ganzen Kurs, auch wenn sie in keiner einzelnen Prüfungsaufgabe so benannt wird. Die gute Nachricht. Niemand erwartet von dir am vierten Kurstag perfektes Tarieren. Diese Fähigkeit entwickelt sich über die nächsten 20 bis 30 Tauchgänge weiter, nicht über vier Tage.
Die 3 Grundregeln beim Tauchen, warum sie den Kurs leichter machen
Die drei Grundregeln heißen immer atmen, langsam aufsteigen und mit Buddy tauchen, und sie sind keine zusätzliche Last, sondern nehmen dir Entscheidungen ab. Wer sie verinnerlicht, muss sich im Ernstfall nicht überlegen, was zu tun ist, sondern handelt automatisch richtig.
Niemals den Atem anhalten ist die wichtigste Regel überhaupt, weil sich die Luft in der Lunge beim Aufsteigen ausdehnt und ein angehaltener Atem zu einem Lungenriss führen kann. Langsam aufsteigen, mit maximal 18 Metern pro Minute plus Sicherheitsstopp bei 5 Metern. Das verhindert die Dekompressionskrankheit. Und das Buddy-System sorgt dafür, dass du im Fall eines technischen Problems nie allein bist, dein Tauchpartner teilt im Notfall seine Luft über den Octopus-Regler. Diese drei Regeln werden am ersten Theorietag eingeführt und danach bei jedem einzelnen Tauchgang wiederholt, bis sie sitzen.
Eigene Ausrüstung vor dem Kurs, macht das den Einstieg leichter?
Ja, eine eigene Maske und eigene Ohrenpflege reduzieren Stress, weil Vertrautheit Panik vorbeugt. Eine schlecht sitzende Leihmaske, die ständig leicht beschlägt oder Wasser zieht, lenkt genau in den Momenten ab, in denen du dich auf die Übung konzentrieren solltest. Das Gleiche gilt für kleine Komfortdetails wie trockene Ohren nach dem Tauchgang.
Eigene Maske und Anti-Fog
Eine rahmenlose Maske wie die Cressi F1 Frameless passt sich enger an die Gesichtsform an als die meisten Verleih-Modelle und sitzt dadurch spürbar dichter, das senkt die Wahrscheinlichkeit, dass während der Übungen ungewollt Wasser eindringt. Dazu reicht ein kleines Fläschchen Pure Classic Anti-Fog Spray. Zwei Sprühstöße vor dem ersten Tauchgang des Tages halten das Glas 3 bis 4 Stunden klar. Wer seine eigene Maske schon vor der Anreise zuhause anprobiert hat, verschwendet am ersten Kurstag keine Zeit mit Anpassungsversuchen und kann sich voll auf die Übungen konzentrieren.
Was die Schule stellt, was du selbst mitbringen solltest
Tarierweste, Atemregler, Flaschen und Neoprenanzug stellt jede seriöse Tauchschule auf Koh Tao im Kurspreis. Bei 28 bis 30 Grad Wassertemperatur reicht dabei ein 3 mm Neoprenanzug völlig aus. Einen 7 mm Anzug brauchst du hier nie. Selbst mitbringen solltest du neben Maske und Anti-Fog höchstens noch eigene Ohrenpflege und, falls du zu Wasser in den Augen oder im Rachen neigst, ein eigenes Handtuch für zwischen den Tauchgängen.
Wie tief darfst du als Anfänger wirklich, und wie tief kann der Mensch überhaupt?
Als frisch zertifizierter Open Water Diver liegt dein Limit bei 18 Metern. Das ist eine reine Ausbildungsgrenze. Sie hat nichts mit der physiologischen Belastbarkeit des Körpers zu tun. Zur Einordnung: Der Freitauch-Weltrekord ohne jede Atemausrüstung liegt bei 214 Metern, aufgestellt 2012 von Herbert Nitsch in der Disziplin No-Limits. Das ist ein Extremsport für sich und mit deinem Open-Water-Tauchgang nicht vergleichbar, zeigt aber, wie groß die Bandbreite zwischen Kursanforderung und menschlicher Leistungsfähigkeit tatsächlich ist.
Die 18-Meter-Grenze erweitert sich mit der Advanced-Open-Water-Zertifizierung auf 30 Meter, und mit zusätzlicher Deep-Spezialisierung sowie entsprechender Erfahrung sind später auch Tauchgänge bis 40 Meter möglich. Für deinen ersten Kurs auf Koh Tao bleibt das irrelevant, hier geht es ausschließlich um sichere Grundlagen in überschaubarer Tiefe.
Wie lange dauert der Kurs, und was, wenn ich länger brauche?
Der PADI Open Water Kurs dauert auf Koh Tao standardmäßig 3 bis 4 Tage, verteilt auf Theorie, Pool- und Flachwasserübungen sowie vier Freiwasser-Tauchgänge. Wer eine Übung nicht sofort schafft, zum Beispiel das Maskenausblasen, wiederholt sie einfach am nächsten Tag ohne Aufpreis, bis sie klappt. Für den vollständigen Tagesablauf mit allen Modulen im Detail lohnt sich ein Blick in meinen ausführlichen Guide zum Open-Water-Kurs auf Koh Tao.
In der Praxis buchen viele Schulen ohnehin einen Puffertag ein, weil Wind, Wellen oder ein verschobenes Boot den Zeitplan durcheinanderbringen können. Fünf Tage statt vier für deinen Kurs einzuplanen ist auf Koh Tao daher keine schlechte Idee, gerade wenn du ohnehin länger auf der Insel bleibst.
Was tun bei Angst vor dem ersten Tauchgang?
Sprich die Angst vor dem Kurs offen mit deinem Tauchlehrer an, nicht erst im Wasser. Die meisten Instructoren auf Koh Tao haben genau dieses Gespräch schon hunderte Mal geführt. Sie passen das Tempo der ersten Übungen entsprechend an. Ausführliche Strategien gegen die Nervosität vor dem ersten Tauchgang findest du in meinem Artikel über Angst beim Tauchen überwinden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Tauchkurs für Anfänger? Der PADI Open Water Diver dauert auf Koh Tao normalerweise 3 bis 4 Tage: ein Tag Theorie, ein bis zwei Tage Übungen im Pool und Flachwasser, danach vier Freiwasser-Tauchgänge im offenen Meer. Wer die Theorie vorab per eLearning zu Hause erledigt, ist vor Ort oft schon in 3 Tagen fertig.
Wie tief kann ein untrainierter Mensch tauchen? Beim reinen Apnoetauchen ohne Training schafft ein durchschnittlicher Mensch selten mehr als 5 bis 10 Meter, der Atemreiz setzt zu früh ein. Mit Gerät und frischer PADI Open Water Zertifizierung liegt das erlaubte Limit bei 18 Metern, mit der Advanced-Zertifizierung später bei 30 Metern.
Was sind die 3 Grundregeln beim Tauchen? Erstens: niemals den Atem anhalten, immer ruhig weiteratmen. Zweitens: langsam aufsteigen, höchstens 18 Meter pro Minute, dazu ein Sicherheitsstopp bei 5 Metern. Drittens: immer mit einem Buddy tauchen, der im Notfall Luft teilen und helfen kann. Diese drei Regeln lernst du am ersten Kurstag.
Wie tief ist ein Mensch jemals ohne Ausrüstung getaucht? Der offizielle Freitauch-Weltrekord liegt bei 214 Metern, aufgestellt 2012 vom Österreicher Herbert Nitsch in der Disziplin No-Limits mit einem Gewichtsschlitten und einem Luftballon zum Auftrieb. Das hat mit einem Open-Water-Kurs nichts zu tun, zeigt aber die Bandbreite menschlicher Leistung unter Wasserdruck.
Muss ich ein guter Schwimmer sein, um den Open Water Kurs zu bestehen? Nein, ein Schwimmabzeichen brauchst du nicht. PADI verlangt nur 200 Meter Schwimmen in beliebigem Stil ohne Zeitlimit sowie 10 Minuten Wassertreten oder Schweben. Wer sich im Wasser grundsätzlich sicher fühlt und nicht in Panik gerät, erfüllt diese Voraussetzung in der Regel ohne Probleme.
Was ich dir empfehle: Buche den Kurs, ohne dir vorher ein Fitnessprogramm aufzuzwingen. Die 200 Meter Schwimmen und die 10 Minuten Treiben schaffst du mit normaler Alltagsfitness, und die restlichen Fertigkeiten bringt dir dein Tauchlehrer Schritt für Schritt bei, in 3 bis 4 Tagen, bei 28 bis 30 Grad warmem Wasser und in aller Regel mit deutlich weniger Respekt am Ende der Woche, als du am ersten Tag hattest.