Planktonblüte Koh Tao: Grünes Wasser, Walhai-Chancen
Planktonblüte auf Koh Tao: Wann grünes Wasser die Sicht reduziert, was das mit Walhais zu tun hat, und welche Spots sich trotzdem lohnen.
Das Wasser hat eine seltsame Farbe. Nicht das intensive Blau, das ich von Koh Tao kenne, sondern ein milchiges Türkis-Grün, trüb wie aufgewirbelter Fluss. Mein Buddy zeigt auf die Oberfläche, tippt sich ans Auge: Sicht schlecht. Ich nicke.
Dann, drei Meter unter uns: ein Walhai.
Neun Meter lang, vielleicht zehn. Er gleitet durch das grüne Wasser wie ein Schiff durch Nebel, kaum zu übersehen, und doch so ruhig, als würde er auf einen Zug warten. Der Grund für das grüne Wasser ist auch der Grund für den Walhai. Beides heißt: Planktonblüte.
Die kurze Antwort: Was bedeutet Planktonblüte auf Koh Tao?
Die Planktonblüte auf Koh Tao ist ein natürliches Ereignis, bei dem sich Phyto- und Zooplankton im Golf von Thailand explosionsartig vermehren. Das Wasser wird grünlich-trüb, die Sichtweite sinkt, und Tiere, die von Plankton leben, tauchen in Massen auf. Für Taucher heißt das: weniger weite Sicht, aber potenziell mehr zu sehen.
Paradox, aber wahr.
Wann gibt es Planktonblüten auf Koh Tao?
Es gibt zwei Hauptphasen im Jahr:
März bis Mai: Ende der Trockensaison. Die Nährstoffkonzentration im Wasser steigt, wärmeres Oberflächenwasser verhindert den Austausch mit tieferem Wasser. In manchen Jahren entstehen so intensive Grünphasen über mehrere Wochen.
September bis Oktober: Der Übergang zum Nordostmonsun. Das ist die Phase, die von lokalen Tauchschulen am häufigsten als „Plankton-Saison” bezeichnet wird. Monsunregen spült Nährstoffe ins Wasser, veränderte Strömungen im Golf transportieren planktonreiche Wassermassen zur Insel.
Der genaue Verlauf ist nicht vorhersagbar. Es gibt Jahre, in denen man kaum etwas merkt, und andere, in denen zwei Wochen lang das komplette Wasser rund um die Insel grün ist. Wetter und Meeresströmung entscheiden das mit.
Was die Planktonblüte mit der Sichtweite macht
Normaler Sommer auf Koh Tao: 15–30 Meter Sichtweite, je nach Spot und Wind.
Während einer Blüte: 5–15 Meter. An besonders intensiven Tagen noch weniger.
Das klingt schlimmer als es ist. Das Sichtweiten-Muster auf Koh Tao zeigt, dass die meisten Spots auch mit 10 Metern Sicht noch funktionieren. Riffe, Fische und Korallenstrukturen bleiben sichtbar. Was wegfällt, ist die große „wow, ich sehe bis zum anderen Ende des Riffs”-Erfahrung an offenen Spots wie Chumphon Pinnacle oder Sail Rock.
Was sich verändert:
- Beeindruckende Langstrecken-Sichten entfallen
- Farben wirken gedämpfter (Grünstich)
- Schwebeteilchen überall, ungünstig für Weitwinkelfotos
- Bestimmte Spots profitieren: enge Korallenriffe, Wracks, alles mit kurzer Sichttiefe
Was gleich bleibt:
- Fische, Rochen, Muränen: alle da
- Makrofotografie-Möglichkeiten sind oft sogar besser (Tiere zeigen sich häufiger)
- Riff-Strukturen, Swim-Throughs, Höhlen
- Wasser bleibt warm: 28–30°C wie immer
Ich habe einmal eine der besten Scorpionfisch-Sichtungen meiner Zeit auf Koh Tao während einer Planktonblüte gemacht. Das Tier saß auf einem weißen Sandfleck, kaum zwei Meter vor mir, und im diffusen grünen Licht sah es aus wie aus einem Fantasyfilm.
Walhais und Plankton: Warum der Zusammenhang real ist
Walhais (Rhincodon typus) sind Filterfeeder. Sie fressen Zooplankton, kleine Krebse, Fischlarven und Planktonkonzentrationen, in enormen Mengen. Dort, wo Plankton ist, sind früher oder später auch Walhais. Das ist kein Mythos, sondern Biologie.
Der September-Oktober-Peak auf Koh Tao zeigt diese Korrelation besonders deutlich. Lokale Dive Guides berichten regelmäßig um den September herum von erhöhten Walhai-Sichtungen, besonders am Chumphon Pinnacle nordwestlich der Insel. Dieser Pinnacle liegt in einer Meeresströmung, die planktonreiches Wasser aus dem tieferen Golf transportiert. Genau das lockt Walhais an.
Was du über Verhaltensregeln beim Walhai-Encounter, über die besten Spots und über Fotografie-Tipps wissen musst, steht im ausführlichen Guide zu Walhais auf Koh Tao.
Ein wichtiger Hinweis bleibt: Es gibt keine Garantie. Walhais sind wilde Tiere und folgen eigenen Routen. Die Planktonblüte erhöht die Chancen deutlich, garantiert aber keine Begegnung. Wer das verspricht, lügt.
Biolumineszenz: Der stille Bonus
In bestimmten Planktonblüten, besonders wenn Dinoflagellaten die Oberfläche dominieren, leuchtet das Wasser bei mechanischer Belastung blau. Du greifst ins Wasser, und wo deine Hand war, entsteht ein blauer Schimmer. Das Boot hinter dir zieht eine Spur aus Licht. Taucher unter dir leuchten wie Geister.
Nicht jede Blüte auf Koh Tao erzeugt Biolumineszenz. Aber wenn sie da ist, ist ein Night Dive das Eindrücklichste, was ich auf Koh Tao erlebt habe. Keine Kamera hält das wirklich fest. Man muss dabei sein.
Biolumineszenz tritt häufiger während der September-Oktober-Blüte auf als im Frühjahr. Garantiert ist auch das nicht. Frag die Dive Guides deiner Tauchschule, ob in den Tagen davor schon Leuchten beobachtet wurde.
Welche Spots sich während der Planktonblüte lohnen
Chumphon Pinnacle ist bei 5 Meter Sicht frustrierend. Du siehst den Pinnacle nie ganz. Diese Spots funktionieren bei schlechter Sicht besser:
| Spot | Warum gut bei Blüte |
|---|---|
| HTMS Sattakut (Wrack) | 30 Meter Wrack, auf dem du bist, kurze Sichtdistanzen egal |
| Twins | Kompakt genug, 12 Meter Sicht reichen für den ganzen Spot |
| Hin Pee Wee | Flaches Riff, Makro-Paradies, Kraken und Putzerstationen |
| Mango Bay | Sheltered, flach, gut für Anfänger auch in trübem Wasser |
| HTMS Sattakut nachts | Wracks + Biolumineszenz = Kombination der Saison |
Tiefe Spots wie Chumphon Pinnacle oder Southwest Pinnacle lohnen sich trotzdem, wenn Walhai-Sichtungen gemeldet werden. Die Walhais tauchen dort auch bei 8 Meter Sicht auf, und du wirst sie dann auch sehen.
Ausrüstung für Plankton-Bedingungen
Unterwasserlicht: Der Grünstich nimmt Farben weg. Ein Licht holt sie zurück. Mit 4.500 Lumen siehst du plötzlich Rottöne, die ohne Licht grau wären. Tagsüber wie nachts macht ein gutes Videolicht den größten visuellen Unterschied bei trübem Wasser.
Kamera: Rotfilter bei der GoPro sind während der Planktonblüte wichtiger als sonst. Der Grünstich verstärkt den Blaustich-Effekt noch weiter. Wer mit einer Kompaktkamera taucht: kurze Distanzen zum Motiv, dann ist das Ergebnis trotzdem gut. Die OM System TG-7 macht auch bei schlechterer Sicht noch starke Nahaufnahmen mit dem integrierten Makromodus.
Neopren: Die Wassertemperatur ändert sich bei der Blüte nicht, sie bleibt bei 28–30°C. Ein 3mm Neopren-Shorty ist nach wie vor ausreichend. Manche Taucher empfinden das Wasser während einer Planktonblüte subjektiv als etwas kühler, weil die Transparenz fehlt. Das ist psychologisch, nicht physikalisch.
Flexibilität beim Buchungsmodus: Buche keine festen Spots für die ganze Woche. Sprich jeden Abend mit deiner Tauchschule, welche Spots am nächsten Morgen sinnvoll sind. Die Bedingungen ändern sich während einer Blüte schnell. Was heute trüb ist, kann morgen klarer sein, und umgekehrt.
Was Taucher oft falsch erwarten
„Bei Planktonblüte kann man gar nicht tauchen.”
Falsch. Planktonblüte ist kein Tauchverbot und keine Schlechtwetterwarnung. Die meisten Taucher, die während einer Blüte auf Koh Tao waren, haben tolle Erfahrungen gemacht, nur andere als erwartet. Ein Walhai bei 10 Meter Sicht ist eindrucksvoller als eine leere Wassersäule bei 30 Meter Sicht.
„Planktonblüte = sicher ein Walhai.”
Falsch. Die Wahrscheinlichkeit steigt, aber Walhais erscheinen nach eigenen Plänen. Im September 2023 waren laut lokalen Berichten an sieben Tagen hintereinander Walhais am Chumphon Pinnacle gemeldet. Und dann drei Wochen keine Sichtung.
„Das grüne Wasser ist gefährlich.”
Falsch. Plankton ist biologisch harmlos fürs Tauchen. Kein Kontaktproblem, keine Atemprobleme, nichts. Es ist dichtes Leben im Wasser, nicht Schmutz.
Wann geht die Planktonblüte wieder weg?
Meist nach zwei bis vier Wochen normalisiert sich das Wasser wieder. Der Übergang zum trockenen Nordostmonsun (November/Dezember) beruhigt die Bedingungen im Golf. Die Hauptsaison mit optimaler Sichtweite liegt typisch zwischen November und März.
Wenn du explizit klares Wasser und maximale Sicht willst: Plane für Dezember bis März. Wenn du die Chance auf ein besonderes Erlebnis (Walhai, Biolumineszenz, dichtes Meeresleben) in Kauf nimmst und keine garantierten 25-Meter-Sichten brauchst: September ist der Monat.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist die Planktonblüte auf Koh Tao? Die Hauptphasen sind März bis Mai und September bis Oktober. In diesen Wochen sinkt die Sichtweite, während gleichzeitig die Chancen auf Walhai-Begegnungen steigen. Walhais folgen dem Plankton.
Wie schlecht ist die Sichtweite bei Planktonblüte auf Koh Tao? Während intensiver Blüten kann die Sicht auf 5–8 Meter sinken. Typisch sind 8–15 Meter, schlechter als die üblichen 15–25 Meter, aber immer noch tauchwürdig. Die Bedingungen wechseln von Tag zu Tag.
Kann ich bei Planktonblüte noch tauchen gehen? Ja, du siehst nur weniger weit. Riffe, Fische und Korallenstrukturen bleiben sichtbar. Für Makrofotografie und Walhai-Chancen ist es oft sogar eine bessere Zeit. Planktonblüte bedeutet kein Tauchverbot.
Zieht Plankton Walhais zu Koh Tao an? Ja. Walhais sind Filterfeeder und folgen Zooplankton-Konzentrationen im Wasser. Der September-Oktober-Peak bei Koh Tao deckt sich historisch mit erhöhten Walhai-Sichtungen, besonders beim Chumphon Pinnacle.
Leuchtet Plankton bei Koh Tao in der Nacht? Biolumineszenz gibt es auf Koh Tao, sie ist aber nicht jährlich zuverlässig. In manchen Blüten, besonders bei Dinoflagellaten, leuchten die Wellen und das Wasser beim Einstieg blau. Night Dives während einer starken Blüte können spektakulär sein.