Korallen auf Koh Tao: Arten erkennen und verstehen
Welche Korallen wachsen auf Koh Tao? Steinkorallen, Weichkorallen, Feuerkorallen im Überblick – mit Tipps zum Erkennen und Schutz des Riffs.
Das Korallenriff von Koh Tao ist nicht einfach „Unterwassergestein”. Es ist ein lebendiges Ökosystem aus Tausenden verschiedener Organismen – und Korallen sind das Fundament davon. Wer taucht oder schnorchelt und lernt, die verschiedenen Korallenarten zu erkennen, sieht das Riff mit völlig anderen Augen.
Dieser Guide zeigt dir die wichtigsten Korallen, die du auf Koh Tao antreffen kannst, wie du sie erkennst und warum ihr Schutz so wichtig ist.
Welche Korallen gibt es auf Koh Tao?
Kurze Antwort: Auf Koh Tao findest du eine Mischung aus Steinkorallen (Hartkorallen) wie Tafelkorallen, Hirnkorallen und Porites, sowie Weichkorallen wie Lederkorallen und Fächerkorallen. Dazu kommen Feuerkorallen (technisch kein Korallen, aber verwandt) und Korallenähnliche Organismen wie Seeanemonen.
Die Artenvielfalt im Golf von Thailand ist geringer als an Riffen im Indischen Ozean oder Pazifik, aber für Taucher aus Europa ist der Reichtum des Koh-Tao-Riffs beeindruckend.
Was ist eine Koralle überhaupt?
Korallen werden oft für Pflanzen gehalten – sie sind es nicht. Korallen sind Tiere: kleine Polypen, die in großen Kolonien zusammenleben. Jeder Polyp ist ein Individuum, hat einen Mund und Tentakel zum Fangen von Plankton.
Steinkorallen bilden aus Kalk ein hartes Skelett – das ist das eigentliche “Riff-Gestein”. Weichkorallen haben kein Kalkgerüst; sie sind flexibel und bewegen sich im Strömungswasser.
Entscheidend für das Überleben der meisten Steinkorallen: Zooxanthellen – mikroskopisch kleine Algen, die in den Korallenpolypen leben und bis zu 90 Prozent der Korallenenergie durch Photosynthese liefern. Steigt die Wassertemperatur zu stark, stoßen die Korallen diese Algen aus – das ist die Korallenbleiche, mit der Koh Tao seit einigen Jahren zu kämpfen hat.
Steinkorallen (Hartkorallen) auf Koh Tao
Tafelkorallen und Astkorallen (Gattung Acropora)
Acropora ist eine der artenreichsten Korallengruppen weltweit und auch auf Koh Tao präsent. Du erkennst sie an:
- Tischkorallen: flache, waagerechte Platten, die wie ausgebreitete Tische aussehen – besonders eindrucksvoll an flachen Riffflächen
- Astkorallen: buschige, verzweigte Strukturen in Beige, Braun, Grün oder Hellblau
- Fingerkorallen: fingerartige Äste, aufrecht wachsend
Acropora sind besonders empfindlich gegenüber Temperaturanstieg und physischem Kontakt. Ein einziger Tritt kann Jahrzehnte Wachstum zerstören – Acropora wächst nur wenige Zentimeter pro Jahr. Beim Tauchspot Japanese Garden und Aow Leuk sind besonders schöne Acropora-Tische zu sehen.
Porites-Korallen (Massenkorallen)
Die robusten Riesen des Riffs. Porites bilden massive, kuppelförmige oder blockige Strukturen – grau, braun oder gelblich. Sie wachsen extrem langsam: Ein großer Poritesblock kann hunderte Jahre alt sein.
Du erkennst Porites an der feinkörnigen Oberfläche mit kleinen Poren (daher der Name). Im Gegensatz zu Acropora sind sie etwas widerstandsfähiger gegen Temperaturspitzen.
Auf Koh Tao findest du Porites-Blöcke an fast allen Tauchspots, besonders im flacheren Bereich an White Rock und Mango Bay.
Hirnkorallen (Diploria, Platygyra)
Einer der unverwechselbarsten Anblicke: eine Koralle, deren Oberfläche wie ein Gehirn aussieht. Die gewundenen Rillen entstehen durch eng nebeneinanderliegende Polypenreihen.
Hirnkorallen wachsen sehr langsam, können groß werden und sind etwas robuster als filigranere Arten. Farbe: meist braun, oliv oder grün.
Pilzkorallen (Fungia)
Diese solitären Korallen – sie leben einzeln, nicht in Kolonien – sehen aus wie flache Pilze oder Untertassen mit radialen Rippen. Im Gegensatz zu festgewachsenen Korallen können Fungia-Korallen sich langsam bewegen und liegen oft lose auf dem Riffboden.
Farbe: braun, grün, manchmal mit blauen oder orangefarbenen Tupfern.
Montipora-Korallen
Wächst in breiten, flachen Platten oder dünnen Blattstrukturen und ist oft an der Riffwand zu finden. Meist dunkelbraun oder grünlich, mit einer leicht rauhen Oberfläche.
Weichkorallen auf Koh Tao
Lederkorallen (Sarcophyton, Sinularia)
Einer der häufigsten Typen im Golf von Thailand. Lederkorallen sehen aus wie aufgestellte Pilze oder wellige Lederflappen – sie haben keine Kalkstruktur und bewegen sich sanft im Strömungswasser.
Farbe: cremeweiß, beige, gelblich oder braun. Wenn die Polypen ausgefahren sind (bei Strömung und Nacht), erscheinen sie fellartig. Bei Berührung ziehen sie sich zusammen – deshalb: Nicht anfassen.
Fächerkorallen (Gorgonien)
Fächerkorallen wachsen als feine, netzartige Fächer senkrecht zur vorherrschenden Strömung – so können sie maximales Plankton herausfiltern. Sie sind rötlich, orange, gelb oder violett.
Auf Koh Tao sind sie seltener als an tiefen Pazifik-Riffen, aber vereinzelt an Riffwänden und in tieferen Bereichen von Spots wie Southwest Pinnacle und Chumphon Pinnacle zu entdecken.
Peitschenkorallen (Junceella, Ellisella)
Lange, dünne, peitschenartige Strukturen, die sich im Strom elegant biegen. Meist in Orange, Rot oder Gelb – optisch sehr eindrucksvoll bei guter Strömung. Sie wachsen meist an exponierten Stellen mit regelmäßiger Wasserströmung.
Feuerkorallen – schön, aber gefährlich
Feuerkorallen (Millepora) sind botanisch keine echten Korallen, sondern Hydrozoen – aber sie sehen wie Korallen aus und bauen ebenfalls Kalkstrukturen. Du erkennst sie an:
- Cremefarbener bis hellgelber Farbe
- Dichten, verzweigten oder plattenförmigen Strukturen
- Einem Hauch von Haaren (Nessel-Polypen) auf der Oberfläche
Der Name “Feuerkoralle” ist keine Metapher: Kontakt verursacht Brennen, Juckreiz und Bläschenbildung, ähnlich wie Kontakt mit Quallen. Das Gift der Nesselzellen kann mehrere Stunden wirken.
Feuerkorallen sind auf Koh Tao verbreitet, besonders in flachen Bereichen und an Riffkanten. Abstand halten ist die einzige nötige Maßnahme – sie sind ungefährlich, solange du sie nicht berührst.
Korallen und ihre Bewohner
Das Korallenriff ist kein passives Substrat. Es lebt. Hier ein paar typische Bewohner, die du auf oder zwischen Korallen auf Koh Tao findest:
- Anemonenfische (Nemo) in der Seeanemone – Seeanemonen sind mit Korallen verwandt, aber keine Korallen. Anemonenfisch auf Koh Tao
- Weihnachtsbaumwürmer in Porites-Blöcken eingebettet – radikal farbige, spiralförmige Kiemenaufsätze
- Fangschreckenkrebse in Rissstrukturen zwischen Korallenblöcken – bunte Augen, starke Klauen. Fangschreckenkrebs auf Koh Tao
- Putzergarnelen in Korallenhohlräumen. Putzergarnele auf Koh Tao
- Wunderpus-Oktopus und andere Tintenfische nutzen Hohlräume als Versteck
Wo auf Koh Tao die schönsten Korallen wachsen
| Spot | Besonderheit | Tiefe |
|---|---|---|
| Japanese Garden | Flaches Korallenfeld, ideal für Anfänger und Schnorchler | 1–12 m |
| Aow Leuk | Vielfalt an Steinkorallen, gut erhalten | 5–20 m |
| White Rock | Tischkorallen und große Porites-Blöcke | 5–25 m |
| Mango Bay | Flach, ideal zum Schnorcheln, Lederkorallen | 1–15 m |
| Chumphon Pinnacle | Tiefere Weichkorallen, Gorgonien | 10–40 m |
| Koh Nang Yuan | Schöne Oberflächenkorallen, ideal für Schnorchler | 1–10 m |
Korallen schützen: Was jeder Taucher tun kann
Das Riff bei Koh Tao ist unter Druck – Tauchtourismus, Wassererwärmung und Wasserqualität belasten die Korallen. Aber Taucher können aktiv helfen:
Nicht berühren: Der wichtigste Punkt. Kontakt mit Korallen tötet die Polypen, die du berührst – und der Schaden ist permanent. Das gilt auch für das Knieen, Sitzen oder Abdrücken.
Tarierung perfektionieren: Ein gut tarierter Taucher beschädigt keine Korallen – er schwebt darüber. Wer mit den Beinen strampelt oder unkontrolliert sinkt, verursacht Kontakt. Auch das ist ein Argument für den PPB-Kurs.
Keine Sonnencreme ins Riff: Chemische UV-Filter in konventionellen Sonnencremes schädigen Zooxanthellen – die lebenswichtigen Algen in den Korallenpolypen. Verwende auf Koh Tao ausschließlich mineralische, korallenfreundliche Sonnencreme – das macht einen echten Unterschied. Mehr dazu: Reef-Safe Sonnencreme.
Müll aufheben: Plastik im Riff ist tödlich – im wörtlichen Sinne. Wenn du Plastik im Wasser siehst, nimm es mit.
Korallenrestaurierung unterstützen: Auf Koh Tao gibt es aktive Korallenrestaurierungsprojekte, bei denen Taucher als Freiwillige mitmachen können. Ein einzigartiges Erlebnis mit direktem Impact.
Korallenbleiche auf Koh Tao
2016, 2019 und erneut 2024 hat Koh Tao Phasen signifikanter Korallenbleiche erlebt, ausgelöst durch zu hohe Wassertemperaturen. Gebleichte Korallen sind nicht tot – sie haben ihre Zooxanthellen ausgestoßen und sind stark geschwächt. Wenn der Temperaturstress schnell nachlässt, erholen sie sich. Bleibt er zu lang, sterben die Polypen.
Die Korallenbleiche auf Koh Tao ist ein eigenes Thema – mit ermutigenden Zeichen der Regeneration an einigen Spots, aber auch dauerhaften Verlusten an anderen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Korallen Pflanzen oder Tiere?
Korallen sind Tiere – genauer gesagt Hohltiere (Cnidaria) aus der Gruppe der Blumentiere (Anthozoa). Die einzelnen Korallenstöcke bestehen aus vielen kleinen Individuen, den Polypen.
Warum sind Korallen so bunt?
Die Farbe kommt meist von den Zooxanthellen (Algen) oder von fluoreszierenden Proteinen in den Polypen selbst. Gebleichte, weiße Korallen haben ihre farbgebenden Algen verloren – das ist kein natürlicher Zustand, sondern ein Stresssignal.
Kann ich Korallen anfassen?
Nein. Schon der Kontakt mit bloßen Händen überträgt Bakterien, zerstört die schützende Schleimschicht der Polypen und kann Kolonien dauerhaft schädigen. Feuerkorallen verursachen darüber hinaus schmerzhafte Verbrennungen.
Wachsen Korallen schnell nach?
Sehr langsam. Hartkorallen wie Acropora wachsen 3–10 Zentimeter pro Jahr – ein großer Tischkorallenfächer ist also Jahrzehnte alt. Porites-Blöcke wachsen sogar nur 1–2 Zentimeter pro Jahr und können Jahrhunderte alt sein.
Was ist der Unterschied zwischen Koralle und Seeanemone?
Beide gehören zu den Hohltieren. Seeanemonen haben kein Kalkskelett, leben meist solitär und besitzen lange, kräftige Nesselzellen. Korallen bilden Kolonien und – im Fall von Steinkorallen – ein Kalkgerüst. Optisch: Seeanemone = wie eine große Blume mit dicken Tentakeln, Koralle = Stock aus vielen kleinen Polypen.
Fazit: Das Riff lesen lernen
Korallen auf Koh Tao zu erkennen ist kein akademisches Hobby – es verändert, wie du das Riff wahrnimmst. Plötzlich siehst du nicht mehr “das Korallenriff da unten”, sondern eine Hirnkoralle neben einer Acropora-Tafel, zwischen denen ein Weihnachtsbaumwurm aus einem Porites-Block ragt.
Dieses Wissen bringt dich dem Ökosystem näher – und hilft dir, es zu schützen. Denn wer versteht, was er sieht, geht anders damit um.
Für nachhaltigere Tauchgänge lohnt sich auch ein Blick auf Nachhaltiges Tauchen auf Koh Tao – mit einem vollständigen Überblick über Verhaltensregeln, Projekte und Schutzmaßnahmen auf der Insel.