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Buddy System beim Tauchen – Der vollständige Guide

Buddy System beim Tauchen: Was ist der Buddy Check (BWRAF), wie kommuniziert man unter Wasser, was tun wenn der Buddy weg ist? Alles für sicheres Partnertauchen.

MB
Marc Böhle
Aktualisiert: 24. März 2026
Zwei Taucher führen den Buddy Check durch und prüfen gemeinsam die Ausrüstung vor dem Tauchgang
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Eine Regel gilt im Tauchen absolut, überall und ohne Ausnahme: Du tauchst nie allein.

Das Buddy System ist keine bürokratische Vorschrift aus dem Lernheft. Es ist das wichtigste Sicherheitsprinzip im Sporttauchen — und gleichzeitig eine der am häufigsten unterschätzten Fähigkeiten. Viele Taucher kennen die Theorie, aber in der Praxis sieht man immer wieder: Buddies, die sich unter Wasser aus den Augen verlieren. Signale, die missverstanden werden. Ausrüstungsprobleme, die zu zweit in Sekunden lösbar wären — und allein zur Notfallsituation werden.

Dieser Guide erklärt das Buddy System von Grund auf: was es bedeutet, wie der Buddy Check funktioniert, wie man unter Wasser kommuniziert und was zu tun ist, wenn der Buddy dennoch mal verloren geht.

Was ist das Buddy System? — Kurzantwort

Das Buddy System ist das Tauchen zu zweit (oder in kleinen Gruppen) mit dem Prinzip, dass jeder Taucher während des gesamten Tauchgangs in Seh- und Reichweite seines Buddies bleibt. Buddies prüfen gegenseitig ihre Ausrüstung vor dem Tauchgang, überwachen sich gegenseitig unter Wasser und steigen gemeinsam auf. Ziel ist es, bei jedem Problem sofort Unterstützung geben oder bekommen zu können — ohne Verzögerung.


Warum man nie allein taucht

Tauchen ist ein Umfeld, in dem Probleme entstehen können, die man allein nicht lösen kann — oder in dem aus einem kleinen Problem ein großes wird, wenn niemand dabei ist.

Ausrüstungsversagen: Ein klemmender Atemregler, ein Inflator, der klemmt, eine sich lösende Maske. Zu zweit: dein Buddy gibt dir seinen Oktopus, teilt Luft, stabilisiert dich. Allein: du löst das Problem oder du musst notauftauchen.

Medizinische Vorfälle: Tiefenrausch, Erschöpfung, Bewusstlosigkeit unter Wasser. Alles, was mit einem bewussten Buddy lösbar ist, wird allein zum lebensbedrohlichen Szenario.

Orientierungsverlust: Strömung, schlechte Sicht, Nacht — Orientierung ist zu zweit deutlich stabiler. Zwei Kompasslesungen korrelieren sich gegenseitig. Einer navigiert, einer sichert den Weg zurück.

Psychologische Wirkung: Allein zu sein unter Wasser erhöht nachweislich den Stresslevel. Stress erhöht den Luftverbrauch. Mehr Luftverbrauch verkürzt die Tauchzeit und erhöht das Risiko von Entscheidungsfehlern. Ein ruhiger Buddy ist buchstäblich beruhigend.

Der Rescue Diver Kurs trainiert gezielt diese Szenarien — und der erste Grundsatz jeder Rescue-Ausbildung ist: Das Buddy System hätte viele Einsätze verhindert. Mehr über den Rescue Diver Kurs auf Koh Tao findest du im verlinkten Artikel.


Der Buddy Check: BWRAF — Schritt für Schritt

Der Buddy Check ist die Kontrolle, die beide Taucher miteinander durchführen, bevor sie ins Wasser gehen. Er dauert zwei bis drei Minuten und kann buchstäblich Leben retten.

Das Akronym für die Reihenfolge lautet BWRAF (englisch) — auf Deutsch manchmal als “Begin With Review And Friend” gemerkt, häufiger nach dem deutschen Gegenstück:

B — BCD (Tarierweste)

Prüft ihr gegenseitig die Tarierwesten. Inflatorschlauch korrekt eingesteckt? Kann man problemlos Luft reinlassen und ablassen? Sind alle Dump-Ventile zugänglich? Sitzt die BCD richtig und eng genug, ohne einzuschnüren?

Häufiger Fehler: Der Inflatorschlauch ist nicht ganz eingesteckt und trennt sich beim ersten Lufteinlassen unter Wasser.

W — Weights (Blei)

Wie viel Blei hat der Buddy? Wo sitzt es — Bleigurt, integrierte Taschen, Trim-Gewichte? Wie löst man es schnell ab, wenn es nötig ist? Prüfe, dass der Schnellverschluss des Bleigurts frei zugänglich ist und du weißt, wie er funktioniert.

Häufiger Fehler: Blei ist korrekt verstaut, aber der Buddy weiß nicht, wie die integrierten Bleipakete seines Partners herausgezogen werden.

R — Releases (Verschlüsse)

Alle Verschlüsse der BCD und des Atemregelsystems von oben nach unten durchgehen. Brustgurt, Bauchgurt, Schulterriemen — wie öffnen sie sich, und zwar jetzt, unter Zeitdruck, in deiner Hand? Jede BCD funktioniert etwas anders. Du musst die Ausrüstung deines Buddies unter Wasser öffnen können, ohne nachzudenken.

Häufiger Fehler: Taucher sind mit ihrer eigenen BCD vertraut, aber die des Buddies ist ein Mietgerät mit anderem System.

A — Air (Luft)

Beide Flaschen sind geöffnet? Druckanzeige zeigen Volldruck (oder bekannten Ausgangsdruck)? Atmet der Buddy problemlos vom Primär-Atemregler? Wo ist der Oktopus (Notatemregler) — an welcher Stelle, welche Farbe? Kannst du ihn im Notfall in weniger als zwei Sekunden greifen?

Häufiger Fehler: Flasche ist nur halb geöffnet — gibt anfangs normalen Druck, fällt aber unter Belastung schneller ab als erwartet.

F — Final OK und Featurecheck

Letzter Überblick: Masken, Schnorchel, Flossen, Uhr oder Tauchcomputer. Funktioniert der Computer? Nullzeiten und Tiefenlimits bekannt? Handzeichen für den geplanten Tauchgang kurz wiederholen. Absprache: Wer navigiert? Bei welchem Luftdruck tauchen wir auf? Was ist der Treffpunkt bei Trennung?

Tipp: Lege diesen letzten Punkt bewusst fest — nicht als Routine-Aussage, sondern als echte Vereinbarung. “Bei 80 bar tauchen wir auf” ist klar. “Wenn wir uns verlieren, 1 Minute warten, dann aufsteigen und an der Oberfläche neu treffen” ist konkret.


Handzeichen: Die Sprache unter Wasser

Unter Wasser könnt ihr nicht reden. Handzeichen sind die einzige direkte Kommunikationsform — und sie sind standardisiert, damit Taucher weltweit miteinander kommunizieren können.

Grundlegende Handzeichen

ZeichenBedeutung
Daumen hochAuftauchen / Aufsteigen
Daumen runterAbtauchen / Absteigen
Flache Hand, seitlich gewackelt”Nicht okay / Problem”
Daumen und Zeigefinger zum Kreis (OK)“Alles okay”
Flache Hand auf dem Kopf”OK” (alternativ bei Strömung)
FaustStop / Halt
Zeigefinger zirkulär”Umdrehen / zurück”
Flache Hand, Finger zeigen nach vorne”In diese Richtung”
Beide Hände flach, vor dem Körper kreuzen”Ende des Tauchgangs”

Signale für Probleme

ZeichenBedeutung
Hand an den Hals, Schneidebewegung”Kein Luft mehr”
Faust an die Brust”Enge, Schmerzen in der Brust”
Zeigefinger auf den Kopf zeigen”Tiefenrausch / nicht wohl im Kopf”
Daumen und Zeigefinger zusammen, Rest ausgebreitet”Wenig Luft”
Hand über den Kopf, Finger zusammenTauchboot-Signal an Oberfläche

Zahlen unter Wasser

Tiefenanzeigen, Druckablesungen und Luftvorrat werden mit Finger-Zahlen kommuniziert. Zahlen 1–5 mit einer Hand, 6–10 mit beiden Händen oder durch Wiederholung. Bei Luftdruck: Zeige 100 bar durch eine gespreizte Hand + Faust (= 10 Finger = 100 bar in Kurzform) oder klar eingeübte Konventionen mit der Tauchschule.


Buddy-Abstand: Wie nah ist nah genug?

Die Faustformel: Du solltest deinen Buddy so nah sein, dass du ihm in weniger als fünf Sekunden Hilfe leisten kannst. Das bedeutet in der Praxis eine Distanz von etwa 3–5 Metern — sichtbar, greifbar, erreichbar.

Was Buddy-Kontakt in der Praxis bedeutet:

Auf gleichem Niveau bleiben. Taucher A ist auf 12 Metern, Taucher B auf 18 Metern — das ist kein Buddy-Kontakt. Bei einem Problem verliert ihr wertvolle Zeit beim Angleichen der Tiefe.

Regelmäßiger Blickkontakt. Alle 30 bis 60 Sekunden den Buddy visuell orten. Nicht nach einem langen Blick auf den Oktopus-Tintenfisch vergessen, wo dein Buddy ist.

Nicht zu nah. Wer direkt hinter dem Buddy schwimmt, wirbelt Sediment auf, erschreckt Tiere und hat keine eigene Sichtlinie. Etwas seitlich und leicht versetzt ist die ideale Formation.

Strömung berücksichtigen. In Strömungsgebieten kann der Abstand schnell größer werden. Lieber etwas enger buddeln und aktiv kommunizieren.


Wenn der Buddy verloren geht: Das Protokoll

Es passiert — auch guten Tauchern. Eine ablenkende Begegnung, ein kurzer Blick auf die Uhr, eine Strömung, die einen der beiden etwas wegtreibt. Was dann?

Das PADI-Protokoll für verlorenen Buddy-Kontakt:

  1. Suche: Eine Minute. Drehe dich um die eigene Achse, schaue in alle Richtungen — über und unter dir, nicht nur horizontal. Schaue auch nach Blasen: dein Buddy ist möglicherweise ein Stück tiefer.

  2. Wenn nicht gefunden: Auftauchen. Nach einer Minute Suche ohne Ergebnis steige kontrolliert auf. Dein Buddy sollte dasselbe tun.

  3. An der Oberfläche treffen. Haltet ihr vorher vereinbarten Treffpunkt auf der Oberfläche ein. Wenn das Boot weg ist: Signalboje einsetzen.

  4. Nicht länger suchen. Es klingt kontraintuitiv — aber ein langer Suchaufenthalt unter Wasser ohne Koordination erhöht das Risiko für beide. Das Treffpunkt-Protokoll existiert genau für diesen Fall.

Eine aufblasbare Signalboje (SMB) sollte jeder Taucher an seiner BCD haben. An der Oberfläche, ohne Boot in Sichtweite, ist sie das einzige zuverlässige Sichtzeichen für die Crew.


Luftteilung: Der Oktopus im Einsatz

Der Oktopus ist der zweite Atemregler deines Buddies — im Notfall seine Lebensversicherung und deine Pflicht.

Wann kommt der Oktopus zum Einsatz?

  • Buddy hat keinen Luft mehr (Flasche leer oder Regler defekt)
  • Buddy hat Panik und braucht Unterstützung
  • Buddy hat seinen eigenen Regler verloren (Masken-Stoß, starke Strömung)

Oktopus-Übergabe — die Standardmethode:

  1. Der Gebende zeigt den Oktopus mit ausgestrecktem Arm, Mundstück nach oben
  2. Der Empfänger greift nach dem Oktopus, setzt ihn ein
  3. Beide halten kurzen Augenkontakt zur Bestätigung
  4. Gemeinsam kontrolliert auftauchen — der Gebende reguliert Aufstiegstempo

Wichtig: Der Oktopus muss jederzeit frei zugänglich sein. Er sollte nicht unter der BCD verschwinden oder an einem langen Schlauch schleifen. Standard-Position: gelbes oder leuchtendes Mundstück im vorderen Dreieck der BCD, mit einem Clip gesichert. Auch dein eigener Tauchmesser — als Not-Entflechtungswerkzeug — sollte an einer zugänglichen Position sitzen. Ein gutes Cressi Tauchmesser gehört zur Grundausstattung jedes ernst nehmenden Tauchers.


Kommunikation bei Nacht und schlechter Sicht

Das Buddy System wird schwieriger, wenn die Sicht schlechter wird. Beim Nachttauchen oder in trübem Wasser gelten ergänzende Regeln:

Taschenlampe als Signal. Bewege die Lampe auf und ab (vertical) für “alles okay”. Schnell hin und her für “Achtung/Problem”. Kreisen für “Schau hier hin”.

Engerer Abstand. Beim Nachttauchen maximal 2–3 Meter. Ihr solltet die Lampe des anderen immer sehen.

Buddyline als Option. Bei sehr schlechter Sicht kann eine kurze Leine (etwa 1 Meter) zwischen den Handgelenken beider Taucher verhindern, dass man sich trennt. Das ist kein Standard-Equipment für normale Tauchgänge, aber sinnvoll bei Nachttauchgängen in trübem Wasser.

Tipps und Details zum Nachttauchen auf Koh Tao — einem der spannendsten Tauchgänge auf der Insel — findest du im verlinkten Guide.


Das Buddy System beim Tauchen mit Gruppen

In größeren Gruppen — Tauchkursen, geführten Dives — gibt es oft mehrere Buddy-Paare. Wichtig zu verstehen: Auch wenn ihr in einer Gruppe von acht Tauchern seid, bist du nicht für alle verantwortlich. Du bist verantwortlich für deinen Buddy. Der Guide oder Divemaster hat die Übersicht über die Gruppe — du hast die Übersicht über dein Buddy-Paar.

Was bedeutet das praktisch?

  • Halte den Augenkontakt zu deinem Buddy, nicht nur zum Guide
  • Wenn dein Buddy fehlt, signalisiere das sofort dem Guide — nicht erst warten, ob er auftaucht
  • Beim Auftauchen: immer zu zweit, auch wenn der Rest der Gruppe noch unten ist (Ausnahme: explizite Absprache)

FAQ: Buddy System beim Tauchen

Darf ich allein tauchen (Solo Diving)? Ja — mit einer speziellen Ausbildung (PADI Self-Reliant Diver oder ähnlich) und entsprechender Ausrüstung (doppelter Atemregler, SMB, Leine). Solo-Tauchen ohne diese Ausbildung widerspricht allen PADI-, SSI- und internationalen Sicherheitsstandards.

Was ist, wenn mein Buddy schlechter taucht als ich? Das ist normal — Buddy-Paare müssen nicht gleich erfahren sein. Der bessere Taucher übernimmt etwas mehr Verantwortung: kürzere Tauchzeit (wenn der andere mehr Luft verbraucht), etwas engerer Abstand, aktiver auf Signale achten. Es gibt keinen Grund, deshalb ohne Buddy zu tauchen.

Kann ich meinen Buddy während des Tauchgangs wechseln? Nur wenn es eine explizite Vereinbarung mit dem Guide gibt. Im offenen Wasser unkontrolliert Buddies tauschen ist keine gute Idee — keiner weiß dann verlässlich, für wen er verantwortlich ist.

Was tun, wenn ich mein Buddy wiederholt verliere? Ehrliches Gespräch nach dem Tauchgang. Oft liegt es an unterschiedlichem Schwimmtempo oder an der Positionierung im Wasser. Manchmal ist es sinnvoll, beim nächsten Tauchgang enger zusammenzubleiben und bewusst die Kommunikation zu üben.

Wie lerne ich den Buddy Check richtig? Im Open Water Kurs ist der Buddy Check Teil jedes Tauchgangs. Auf Koh Tao gibt es zusätzlich den Scuba Refresher Kurs für Taucher, die nach längerer Pause wieder einsteigen und Routinen auffrischen wollen.


Fazit: Dein Buddy ist dein Sicherheitsnetz

Das Buddy System ist keine Einschränkung — es ist einer der Gründe, warum Sporttauchen eines der sichersten Outdoor-Aktivitäten weltweit ist. Zwei gut vorbereitete Taucher, die den Buddy Check konsequent durchführen, miteinander kommunizieren und sich im Blick behalten, können fast jedes Problem unter Wasser gemeinsam lösen.

Klingt einfach. Ist es auch — wenn man es ernst nimmt. Und genau daran liegt es: nicht an der Theorie, sondern an der konsequenten Praxis.

Nimm dir die zwei Minuten für den Buddy Check. Verabrede den Treffpunkt. Behalte deinen Buddy im Blick. Und genieße den Tauchgang — zu zweit.


Alle Informationen basieren auf PADI Open Water Diver Standards und allgemein anerkannten Taucherprotokollen. Für die offizielle Ausbildung im Buddy System empfiehlt sich ein zertifizierter PADI-Kurs bei einer akkreditierten Tauchschule.

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